Bericht über die Umbauten an der Amberger Hütte

Vermutlich hat es noch nicht jeder mitbekommen, deshalb eine kurze Vorabinfo:
Im letzten Jahr gab es größere bauliche Veränderungen an der Amberger Hütte, wodurch wesentlich mehr Platz im Obergeschoss geschaffen wurde und die Hütte nun auch von außen deutlich anders aussieht.
Zusätzlich wurde vom Vorstand die Erneuerung des Wasserrads im E-Werk, welches die Amberger Hütte mit Strom versorgt, beschlossen. Der Austausch erfolgt noch in diesem Jahr.

Diese beiden, für einen Verein unserer Größe doch immensen Investitionen, zeigen wohl sehr deutlich unser Ziel noch lange in den Stubaier Alpen zu bleiben, um diese aktiv mitzugestalten.

Es folgen die entsprechenden Berichte von unserem Hüttenwart Günter Boesen.

Umbau und Sanierung der Hütte

Nachdem schon 2009 das Hüttendach immer mehr Leckstellen aufwies (wie schon früher berichtet), entschlossen wir uns 2010 eine Vorplanung in Auftrag zugeben.
2011 wurde das Vorhaben dann präzisiert und ein Ausbau des Franzosenlagers mit vorgesehen.
Hierzu musste das westseitige Dach im Bereich des Anbaus von 1976 um ca. 1,80 m angehoben werden. Diese Wände waren in Holzständerbauweise vorgesehen.
Ferner musste das ganze Dach, mit Ausnahmen des Zubaues aus dem Jahr 2000 (Pächterwohnung), komplett gedämmt werden.

Es sollte in 2 Phasen umgebaut werden (2012 Rohbau winterdicht, 2013 Innenausbau) doch schon nach einer Voranfrage im Frühjahr 2012 bei der Gemeinde Längenfeld begannen die Verwaltungsmühlen zu mahlen und die mahlten recht langsam!!!
Zunächst musste eine Umwidmung her, die dauerte sage und schreibe von Nov. 2012 – März 2014.
Um Zeit zu sparen reichten wir im Jan. 2014 schon mal den Bauantrag ein, obwohl das Umwidmungsverfahren noch lief.
Parallel zu den Genehmigungsverfahren wurden im März schon mal die Arbeiten ausgeschrieben, denn der Umbau war für Mai/Juni 2014 vorgesehen.
Zum Glück kam die Baugenehmigung rechzeitig, was natürlich einiger Telefonate mit der Gemeinde bedurfte.

Es wurde trotz widriger Witterungsverhältnisse am 12.05.2014 (Schnee, Sturm, etc.) mit den Bauarbeiten begonnen.
Als es dann mit den Abbrucharbeiten losging, merkten wir, dass doch einige Dinge nicht in der Kostenplanung waren, z.B. massive Zwischenwände, statt 2 Schalungslagen waren 3 Lagen im gesamten Dachbereich eingebaut und die Zwischenräume waren mit Erdreich aufgefüllt worden, auch im Bereich des älteren Hüttenteils wurden Arbeiten erforderlich die im Vorfeld nicht erkennbar waren, z.B. Trennwände und Decken in den alten Lagern im Dachgeschoss, ebenso war der feuerschutztechnische Ausbau im Treppenhaus so nicht in der Planung und so ergaben sich immer wieder Details die nicht vorhersehbar waren.

Nun etwas zu den Baukosten, die natürlich wegen der vielen Unwegsamkeiten um einiges höher ausfielen.

  • 2010 – grobe Vorplanung: 150.000,00 €
  • 2011 – Erhöhung um 15%: 170.000,00 €
    Mit dieser Summe wurde beim Hauptverein in München ein Beihilfeantrag gestellt.
    Am 30.03.2012 erhielten wir die Zusage über 54.300,00 € Beihilfe und 70.000,00 € Darlehen.
  • 2014 – Zum Baubeginn waren die Kosten nach den Ausschreibungen schon erheblich gestiegen und auch die zusätzlichen Arbeiten (Sanitär, Fluchtwege, Kaminsanierung, Fenster- u. Türenpreise) zeichneten sich schon ab, sodass alles in allem eine Endsumme von 297.500,00 € inkl. MwSt zusammen kam.
    Die Arbeiten wurden im Herbst 2014 abgeschlossen, erfreulich ist auch, dass doch insgesamt 650 Stunden Eigenleistungen erbracht wurden.

An der Stelle möchte ich mich noch bei Roland Wochnick, Alfons Altmann und Manfred Wedel für die geleistete Arbeit bedanken.

E-Werk der Hütte

Nachdem ca. 20 Jahre keine Inspektion an der Anlage durchgeführt wurde, ließen wir 2013 eine Überprüfung der Anlage machen.
Es wurden ein paar Sofortmaßnahmen erforderlich (Generatorlager, Wasserstrahlsteuerung, etc).

Nachdem wir dann die Fotos des Turbinenrades sahen, beschlossen wir, hier in nächster Zeit Ersatz zu beschaffen, denn ein Totalausfall hätte sicher schlimme Folgen.
Es wurden 3 Angebote eingeholt und anschließend ein Beihilfeantrag beim Hauptverein in München gestellt, der auch mit 5.250,00 € genehmigt wurde.
Die Gesamtkosten belaufen sich auf ca. 21.000,00 €.

Günter Boesen

Aus der Chronik: Die Amberger Hütte – von 1888 bis 2014

1888: Ludwig Purtscheller regt beim Central-Ausschuss des D.u.Oe.AV. den Bau einer Unterkunftshütte im Sulzthal oberhalb von Gries an. Die junge Sektion Amberg wird den Bau mit finanzieller Hilfe des CA. erstellen.
Im Außenmaß 7,30 x 8,00 Meter, ein Innenraum mit 40 qm. Eine Bretterwand teilt Aufentshalt- vom Schlafraum mit 6 Lagerplätzen.
Der Sektionsvorstand Dr. Schmelher beschreibt u.a. den Bau:

Einzige Bequehmlichkeit: der Abort ist mittels Schubthür direkt vom Schlafraum erreichbar.

Die Baukosten: 3.545 österr.Gulden = 6.060 Mark.
Die Sektion zahlt 1.500 Mark, den Rest – 4.500 Mark – trägt der Central-Ausschuss.

1938: Auf den Mauern von 1888 und dem rückseitigen Anbau 6 Meter von 1901 wird ein Ober- und Dachgeschoß aufgesetzt.
9 Zimmer mit 25 Betten im 1. Stock und 22 Lager unterm Dach. Die Hütte ist drei Monate im Sommer und drei Monate im Winter bewirtschaftet.
Die Baukosten: RM 50.000, mit einem Zuschuss des Hauptvereins von RM 25.000.
Zum Kriegsende 1945 fällt die Hütte der allgemeinen Beschlagnahme anheim. Die Verwaltung erhält die Sektion Edelweiß im Österreichische Alpenverein in Wien.

1956: Rückgabe der Hütte in das Eigentum der Sektion Amberg.

1960: Bau eines eigenen E-Werkes, DM 35.000, mit Zuschuß vom DAV DM 18.000.

1975: An der Westseite 2-geschossiger Anbau, 16,40 x 4,70 Meter; Gastraum, Toiletten, Waschräume und ein 16-er Lager. Elektrische Fußbodenheizung im Gast- und neuen Schlafraum. Große Küche, Lager für Material und Lebensmittel. Winterraum mit 14 Plätzen und Kochstelle
Baukosten: DM 360.000 – Beihilfe vom DAV DM 150.000.

1990 bis 2000: Laufend Bauauflagen der Behörde: Kläranlage, neues E-Werk, Aufstockung über der Küche für Personalwohnräume und im Dachgeschoß neue Schlafplätze für Bergsteiger. Neuer Eingangsbereich mit Trockenraum. Getrennte Lagerräume für Lebensmittel und Geräte.
Ausgaben für Neubauten, Instandhaltungen: ca. 1 Mio. DM, finanziert mit Eigenmitteln, Darlehen und Beihilfe von 100.000 DM. Jährlich bis zu 5.000 Tages- und 5.000 Nachtgäste.

2014: Auf dem westseitigen Anbau von 1975 entsteht in Holzkonstruktion ein Aufbau für 4 Schlafräume mit zusammen 18 Betten. Aus dem bisherigen, aus 1938 stammenden Damenlager im Dachgeschoß, wird ein Gruppen-Gemeinschaftsraum. Dazu ist eine Erneuerung des Daches – aus 1938 und 1975 – stammend, nötig.
Die Hütte verfügt jetzt über 28 Betten in 9 Zimmern, 22 Plätze in 5 Mehrbetträumen, 2 größere Matratzenlager mit zusammen 22 Plätzen, dazu ein Winterraum mit eigener Kochgelegenheit für 14 Personen, insgesamt Platz für 86 Übernachtungsgäste.
Im Erdgeschoß 2 Gasträume mit zusammen 100 Plätzen. Der “Alte Gastraum” mit 45 Plätzen ist in den historischen Mauern des Urbaues von 1888. Eine große Terrasse bietet Platz für bis zu 100 Personen.

Erhard Misler