Tourenbericht: Alpinklettern im Salzburger Land

Freitag, 3. Juni bis Sonntag, 5. Juni 2022
JDAV Aktion Bergfreunde

Mittwochabend – Krisentreffen auf Skype. Am Wochenende soll es zum Klettern gehen, aber der Blick in den Wetterbericht verspricht nichts Gutes: Regen und Gewitter sind im Großteil des Alpenraums gemeldet. Dennoch entscheidet ein tapferer Teil der Gruppe „Aktion Bergfreunde“, sich auf in Richtung Salzburger Land zum Alpinklettern zu machen.

Deutlich zu früh für Manche, aber erstaunlich pünktlich machte sich um 4 Uhr das erste Auto bei Bene auf den Weg. Nachdem Paul, Viki und schließlich Sophia sowie Kaffee aufgenommen wurden, ging es in Richtung Süden. Bei Vivaldis Vier Jahreszeiten hatten wir genug Zeit zum Wachwerden und kamen gut voran. Unterbrochen wurde die Fahrt nur durch eine Pinkelpause und Benes Versuch, seine Krankenversicherung telefonisch zu erreichen, um auch an diesem Wochenende versichert zu sein, wobei er von einem erstaunlich energischen österreichischen Hund beinahe angefallen wurde. Auch diese Herausforderung meisterten wir gemeinsam und erreichten dann bald bei bestem Wetter unser Ziel, einen Wanderparkplatz am Wolfgangsee. Eigentlich sollten hier schon Nadine und Lenze auf uns warten, auf Grund kleinerer Unklarheiten im Zusammenhang mit Lenzes Geldbeutel (zunächst dachte er, er hätte ihn zu Hause vergessen, weshalb das Auto umdrehte, um auf halber Strecke zurück festzustellen, dass der Geldbeutel doch an Bord war) verzögerte sich ihre Ankunft, weshalb wir schon zur Wand gingen. In zwei Zweier-Seilschaften stiegen wir nach kurzen Problemen, den Weg zur Route zu finden in „Taxus“ ein. Zwar wurde die erste Seillänge für Bene recht plötzlich unterbrochen, als er vor dem ersten Haken abrutschte und einen (zum Glück sehr glimpflich verlaufenen) Bodensturz machte, abgesehen davon und trotz zweier Teilnehmerinnen ohne Mehrseillängen-Erfahrung kamen wir danach sehr gut voran. Mittlerweile waren auch Lenze und Nadine angekommen und stiegen ebenfalls in die Tour ein. Nachdem wir den Großteil der Route hinter uns gebracht hatten, stellte sich dann das Finden des Ausstiegs als größtes Problem des Tages dar – letztendlich führte uns dann eine anspruchsvollere Reibungsplatte aus der Wand.
Zurück am Campingplatz erfrischten wir uns im See und stärkten uns dann mit Nudeln und Pesto. Großes Glück hatten wir mit dem Wetter – das Gewitter, das letztendlich dann auch das einzige am Wochenende sein sollte, wartete geduldig, bis wir gegessen, gespült und unsere Sachen verstaut hatten. Als es dann anfing zu regnen ließen wir den Abend zusammengepfercht im Auto ausklingen.

Den Samstag starteten wir sehr gemütlich mit Kaffee, Tee und Müsli, was aber zur Folge hatte, dass wir später loskamen als eigentlich geplant. Gegen 11 Uhr erreichten wir den Wandfuß – um festzustellen, dass unser Orientierungssinn und eine etwas kryptische Wegbeschreibung in die Irre geführt hatten. Da der Weg zu den eigentlich gesuchten Routen länger gewesen wäre und wir vermuteten, dass diese auch noch recht nass sein müssten, entschieden wir uns für alternative Routen: Eine Seilschaft machte sehr zügig und in praller Sonne „Edelweiß“, der Rest kletterte „Filou“ und „Clou“. Die Einstiegsseillängen waren hier zwar auch noch nass, danach warteten aber lohnende Kletterstellen auf uns. Ein Teil, der schon früher am Gipfel war, baute dort eine Seilschaukel und eine Zip-Line auf, die dann noch ausgiebig getestet wurden. Nach dem Abstieg und einem Stopp im Supermarkt ging es dann direkt in den See. Nach der verdienten Abkühlung kochten wir dann wieder und genossen den warmen Sommerabend.

Am Sonntagvormittag räumten wir nach dem Frühstück langsam den Campingplatz.
Nach einer interessanten Autofahrt, während der ein Spühlschwamm und Socken zum Trocknen in der Scheibe hingen, stiegen wir um halb zwölf in unsere Routen „Dschungelbuch“ und „Small Amigos“ ein. Es zeigte sich, dass es besser war, sie erst heute gemacht zu haben, da der Einstieg am Samstag noch komplett nass gewesen wäre.
In Zweier-Seilschaften ging es dann bergauf. Die beiden ersten Seilschaften erwarteten die Anderen anschließend am Ausstieg ihrer Route, wo es zum Schluss noch ein gemeinsames Gipfelfoto gab.
Nach dem Checken des Wetterberichtes entschieden wir uns, zügig abzusteigen. Das Wetter hielt zum Glück noch, so hatten wir nach der Anstrengung die Zeit am Auto zu essen und die traumhafte Aussicht auf den Wolfgangsee zu genießen.
Als alle gesättigt waren machten wir uns auf den Heimweg. Einen kurzen Zwischenstopp zum Abkühlen machten wir am Krottensee, bei dem es dann doch noch frisch geräuchertem Lachs und Forelle gab, da uns der Geruch schon die Tage zuvor beim Vorbeifahren zum Anhalten verlockte. Anschließend setzten wir die Heimfahrt fort. Es zeigte sich, dass unser zügiger Abstieg nicht ganz unbegründet war, nach einer Stunde Fahrt fing es zum Gewittern an. Gegen 9 Uhr waren dann alle letztendlich alle wieder zu Hause.

Großes Wetterglück, tolle Seillängen und immer ein kühler See zum Abkühlen – unser Kletterwochenende im Salzkammergut war ein voller Erfolg – wir freuen uns schon auf weitere spannende Fahrten im Sommer.

Tourenbericht: Kampermauer, alpines Mehrseillängenklettern in Oberösterreich

Mittwoch, 25. Mai bis Samstag, 28. Mai 2022

Geplant waren vier Tage; dem Wettergott aber gefiel es, unserem Häuflein nur 2 Tage Kletterspaß an der Kampermauer an der Grenze Oberösterreich/Steiermark zu gewähren. Was wir aber aus diesen Tagen machen würden, das würde allein in unserer Hand liegen. Wir, das waren Helmut Weber, Stefan Irlbacher, Thomas Ratzke (der „Kleine“) und Rudi Bothner.

Mittwoch Abend quartierten wir uns bei Renate Weißensteiner in Unterlaussa ein. Die Pension einfach, schöne Zimmer und eine urgemütliche Wirtin. Bei der Anfahrt mussten wir bereits zur Kenntnis nehmen, dass die Kampermauer, das Objekt unserer klettersportlichen Begierde, vor Nässe trieft. Da hatte uns der Wetterbericht aber deutlich bessere Aussichten versprochen. Am Donnerstag, nach künstlich ausgedehntem Frühstück, dann Bestandaufnahme vor Ort, direkt an der Wand: Ein Riss im unteren 6. UIAA-Grad, der „Piazweg“, müsste trotz einiger nasser Passagen zu machen sein und auch knapp rechts daneben, Riss mit Ausstiegsplatte im oberen 6. Grad, die „Palatschinke“ könnte gehen. Einklettern ist nicht – von den Vorsteigern wird sofort voller Einsatz und in den Feuchtstellen der Risse eine solide Klemmtechnik verlangt. Die gute Absicherung und das entsprechende Können der Vorsteiger gewährleisten sicheres Emporsteigen. Allen Teilnehmern gelingt der Durchstieg. Ob irgendeiner einen oder zwei kleine Hänger hatte, habe ich schon wieder vergessen. Mittags wühlt sich die Sonne durch die Wolken, die Wand trocknet zusehends ab. Helmut und Thomas haben sich als Pärchen gefunden und steigen in die „Hermeline“ ein. 175 Meter Kletterlänge und der untere Sechser sind geboten, die Absicherung in den Viererlängen komfortabel. Seltsamerweise finden sich in der Schlüsselseillänge die weitesten Abstände bei heikler Plattenschleicherei und mit seichten Auflegern im Griffangebot. Durchziehen und Durchreißen ist nicht.

Stefan und Rudi geben sich die „Vegetarierkante“. In ebenfalls 175 m Kletterlänge wird nur ein schwacher Fünfer verlangt. Dafür gibt es keinerlei Haken als Zwischensicherungen, nur an den Ständen glänzt es silbern. Die Route wurde vor Jahren wegen Überbeanspruchung von lokalen Bergführern ausgenagelt – die Orientierung ist aufgrund der fehlenden Hakenlinie nicht ganz einfach.

Freitag, Klettertag Zwei: Helmut und Thomas haben sich für die „Superdiagonale“ verabredet. 300 Meter Kletterlänge, kaum eine Seillänge unter Fünf plus; die Schlüsselpassage ist noch feucht, dafür aber im 6. Grad angesiedelt. Eine Linie, die auch sehr gut in den Wilden Kaiser oder ins Wetterstein passen würde. Beide Matadore klettern bzw. kletterten in ihren guten Tagen schon mal Achter, müssen heute aber alles auspacken, um die Route in einwandfreiem Stil hinzubringen. Aber was anderes hätten wir auch gar nicht akzeptiert. Stefan und Rudi gönnen sich erst mal die „Hermeline“. Wir gehen in Wechselführung, haben uns die Route aber so eingeteilt, dass die Schüsselseillänge an mich fällt. „Mann oh Mann!“, war das wackelig. Ich muss unbedingt an meiner Tritttechnik und an meinem Gleichgewichtsgefühl arbeiten. Über die Abseilpiste und mittels 60 Meter langen Doppelseilen geht’s „ruckizuck“ zurück zum Einstieg. Was tun? Helmut und Thomas werden noch längere Zeit beschäftigt sein. Wir dagegen entscheiden uns, die „Wasserfallkante“, 190 m, V plus, dranzuhängen. Das Einstiegsüberhänglein fordert schon mal etwas Bizepspower, lässt sich aber mit einem kurzen Rechtsschlenker entschärfen. Dann würde die Route mittels Quergang nach rechts abbiegen. Aber direkt über uns lockt eine überaus steile, dolomitige Rissverschneidung. Sie ist durch eine Vielzahl mattierter, kleiner Bühler perfekt abgesichert. Das müssen wir uns näher ansehen! Der Fels ist absolut rau, keine einzige speckige Passage. Mit viel Einsatz, einer noch brauchbaren Klemmtechnik auf Finger, Hand und Faust und einem passablen Bewegungsgefühl gelingt die Begehung im „Onsight“. Zwei Bühler bilden den Abschlussstand und wiederum geht’s mit unseren Doppelseilen Richtung Tal.
Samstagfrüh dann die Ernüchterung: Es gießt aus allen Rohren. Die Überlegung, mit einem Wandertag die Regenphase zu überbrücken, wird angesichts der massiven Wolkendecke schnell verworfen. Rechnung bezahlen und heim an die Felsen der Oberpfalz und Frankens. Der Schlusssatz stammt von Stefan Irlbacher: „Ja, das war ein echt schönes Wochenende. Eine absolut nette Truppe. Da fahre ich gerne mal wieder mit.“
Nüchternes Fazit: 2 Tage, 4 Kletterbuben am Fels, 920 Klettermeter, Schwierigkeiten bis zum oberen 6. Grad.