Tourenbericht: Oasentage 2019 Gruppe 2 oder „Wo Frauen sich sauwohl fühlen“

Eigentlich war die Adolf-Pichler-Hütte als Ziel geplant, aber die Umstände machten uns einen Strich durch die Rechnung und unsere Organisatorin Doris musste kurzfristig eine andere Bleibe für 8 Damen „mittleren Alters“ finden.
Mit der Schönblick Hütte am Hohen Bogen bei Neukirchen zum Hl. Blut hatte sie eine gute Wahl getroffen.

Am Mittwoch, 26.06., einer der heißesten Tage dieses Jahres, machten wir uns mit zwei Autos auf Richtung Bay. Wald. Weil die Oasendamen Gruppe 1, sich tags zuvor mit den Widrigkeiten bei der Bahn herumgeschlagen haben, wählten wir diese Art der Anreise.
Bei bestem Sommerwetter erreichten wir Neukirchen und machten uns zügig an den Aufstieg. Bis wir endlich den Wald erreichten, brannte die Sonne mit ganzer Kraft auf uns und die Schweißtropfen traten aus allen Poren. Der vollgepackte Rucksack drückte schwer auf unsere Schultern.
Endlich hatten wir die schattigen Bäume erreicht und stiegen auf einem wunderschönen Steig steil aufwärts. Die Trinkpause wurde mit einer Baummeditation verbunden und gestärkt durch die Kraft der Bäume marschierten wir weiter. Etliche Höhenmeter stapften wir auch schweigend, um uns ganz auf den Wald mit seinen Geräuschen und Gerüchen einzulassen und unseren Atem zu spüren.
Bald hatten wir die Hütte erreicht und waren überrascht von dem herrlichen Ausblick, der einladenden Terrasse und der gemütlichen Gaststube. Bei einem Eiskaffee erholten wir uns von den Strapazen und nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten kam der nächste Höhepunkt.
Ein kurzer Marsch führte uns auf eine Wiese mit Kapelle, einem Brunnen und einem grandiosen Blick auf Neukirchen und die Bayerwaldberge bis weit nach Tschechien. An diesem Kraftort führte uns Doris in die Geheimnisse des Quigong ein. Beim Wolkenteilen, beim Regenbogen, beim Wasserschöpfen und vielen anderen Übungen ließen wir unseren Atem ein und ausströmen. Mit dem Lied „Die Erde ist schön“, und einem erfrischenden Fußbad im Brunnen beendeten wir den spirituellen Teil. Das anschließende Glas Prosecco im Bergheim, war dann noch das I-Tüpferl des Nachmittags.
Am Abend servierte uns unser Wirt auf der Terrasse ein 5 Gänge Menü, welches manchen Magen fast ein wenig strapazierte. Interessante Gespräche, der herrliche Sonnenuntergang und spritziger Aperol waren ein würdiger Abschluss des ersten Tages.

Der Donnerstag begann mit einem Dank an Mutter Erde, an die Gestirne, an Pflanzen, Tiere und Mitmenschen und Quigong auf der Terrasse. Nach dem gemeinsamen Lied war die Lust auf Frühstück groß und wir genossen es in vollen Zügen.
Dann wanderten wir auf wunderschönen Steigen auf und ab Richtung Burgstall, dabei tauchten wir immer wieder zum „Waldbaden“ ein. Groß war die Freude als wir das Gipfelkreuz des Burgstalls erreichten und die herrliche Aussicht genießen konnten.
Der Rückweg führte uns über die Diensthütte, wo wir uns mit einem Weizen oder Schorle erfrischten.
Dann ging es weiter über die ehemaligen Natotürme, die von besonders sportlichen Damen erklommen wurden. Deren Lohn war ein phantastischer Rundumblick während die „gemütlichen“ eine Runde Hariobo, Datteln oder Feigen naschten. Natürlich kamen wir wieder am Bergheim vorbei, wo der obligatorische Prosecco konsumiert wurde.
Auch an diesem Abend erwartete uns ein reichhaltiges Abendessen, allerdings in der Gaststube, denn ein kühler Wind vergraulte uns von der Terrasse. Der „Kaiser im Glas“, der zum Dessert serviert wurde, lag einigen in der Nacht ganz schön schwer im Magen. Den konnte nicht einmal der später eingenommene Aperol zersetzen.

Zu schnell kam der Freitag, den wir nochmals in vollen Zügen genossen. Gebet, Quigong und das gemeinsame Singen waren wieder der gelungene Auftakt zu unserem letzten Tag. Das reichliche Frühstück gab uns Energie für den Abstieg nach Neukirchen. Nachdem wir unsere Autos erreicht hatten, wurde unnötiger Ballast im Kofferraum verstaut und wir wanderten am Klangmeilenweg bei sommerlichen Temperaturen Richtung Eschlkam. Natürlich wurden unterwegs die verschiedenen Instrumente in den Pavillons ausprobiert und die ungewohnten Klänge verwöhnten unsere Ohren.
Der Kunstwanderweg mit Installationen tschechischer, amerikanischer und deutscher Künstler war ein weiterer Höhepunkt auf unserem Weg.
In Eschlkam, der ältesten geschichtlich bekannten Dorfsiedlung zwischen Bayern und Böhmen, besichtigen wir die Kirche, die dem Hl. Jakobus geweiht ist. Bei einem gemeinsamen Gebet und einem Lied dankten wir für die unvergesslichen Tage im Bay. Wald.
Das Mittagessen im Gasthaus Post und ein Abschlusseis in einem Cafe beendeten diese unvergesslichen Tage.
Unserer Organisatorin Doris danke ich ganz herzlich für ihre Mühen und allen Mitwanderinnen für die interessanten Gespräche und das Dabeisein.

Tourenbericht: 3 unvergessliche Tage beim Schneeschuhwandern (FR, 29. – SO, 31.03.2019)

Eigentlich hatten wir uns alle für eine Schneeschuhtour Alpin auf der Bamberger Hütte angemeldet.
Aber eine Woche vor dem Start bekam unser Tourenführer Gesie die Mitteilung, dass besagte Hütte ab sofort geschlossen wird, wegen akuten Wassermangels infolge des trockenen Sommers. Was Gesie mit den Worten „Shit happens“ kommentierte und seinen Mitwanderern per mail kundtat.

Nun war guter Rat teuer, wohin auf die Schnelle mit 9 Leuten. Aber ein eingefleischter DAVler mit besten Kontakten zur Gastronomie fand eine großartige Alternative. Die Wirtsleute Ausborn aus Buchenau im Bay. Wald öffneten nur für uns ihr „Haus zum Latschensee“ und so starteten wir, Gesie unser Guide und Fahrer, Sigrid, Evi, Vroni, Susanne, Herrmann, Matthias, Thomas und ich bei schönstem Frühlingswetter am Freitagmorgen.

Nachdem wir unser Quartier bezogen hatten, ging es unverzüglich zum Lindberger Schachten los. Die ersten zwei Drittel des Weges war wandern angesagt, aber dann kam endlich die nötige Unterlage und die Schneeschuhe konnten angelegt werden. Gegen Mittag war unser Ziel erreicht und auf der Veranda einer Forsthütte wurde gebrotzeitlt, geschnapselt und ein Sonnenbad genommen.
Gut gestärkt traten wir übers Wildscheuereck unseren Rückweg an und ließen uns eine Zischhalbe auf der Terrasse im Haus Latschensee schmecken, die wir uns nach
520 Höhenmetern redlich verdient hatten.

Für Samstag war der Große Rachel, mit 1452m der zweithöchste Bayerwaldgipfel, als Ziel geplant. Nach einem reichlichen Frühstück und einer kurzen Fahrt mit unserem Bus erreichten wir den Parkplatz Oberfrauenau. Noch ein Blick auf die Karte und schon stiefelten wir los mit den Schneeschuhen am Rucksack verschürt. Doch der Aufstieg brachte uns nicht nur ins Schwitzen, sondern erforderte volle Konzentration. Zahlreiche Bäume und Sträucher lagen infolge des Schnee- und Windbruchs quer über dem Weg und dazwischen plätscherte das Schmelzwasser ins Tal. Klettereien durch dieses Gestrüpp, erschwert durch die sperrigen Schneeschuhe und ungeplante Umwege, brachten und ganz schön ins Schnaufen. Doch Trink- und Bonbonpausen und immer wieder der Ausblick in die großartige Landschaft hielten uns bei Laune und endlich gabs wieder Schnee, um unseren Sport auszuüben. Ganz schön steil und lang zog sich der Weg bis hin zum Waldschmidt Haus auf 1360m, welches leider geschlossen hatte, aber die Rucksackbrotzeit bei herrlichem Wetter schmeckte köstlich. Mit neuer Kraft wurde anschließend das letzte Stück bis zum Gipfel gemeistert, dort belohnte uns die großartige Rundumsicht für die Strapazen. Nachdem der Gipfelschnaps getrunken und alle Fotos im Kasten äh, im handy waren, stiegen wir ab und langsam machten sich die geleisteten 810 Höhenmetern in den Beinen bemerkbar.
An diesem Abend verwöhnte uns unsere Wirtin mit einem knusprigen Schweinsbraten, Kartoffelknödeln und Salat und etliche krönten dieses Mahl noch mit einem Eisbecher, bei dem das Sahnehäubchen und der Schuss Eierlikör nicht fehlen durften. Das Bier, der Wein und der Schnaps schmeckten vorzüglich, so dass mancher Teilnehmer tief in seine Seele blicken ließ. Von Casinobesuchen im Cowboyoutfit, von der Lust am Zocken oder Kiffen war die Rede, aber auch vom Übernachten unterm Sternenhimmel und aufregenden Reiseberichten aus Costa Rica und Spitzbergen.

In dieser Nacht fehlte uns wegen der Zeitumstellung eine Stunde Schlaf, doch alle waren am nächsten Morgen pünktlich am reich gedeckten Frühstückstisch versammelt.
Unsere Sonntagstour starteten wir am Parkplatz Zwiesler Waldhaus und los gings mit den Schneeschuhen am Rücken zum Großen Falkenstein (1315m). Das Schutzhaus war zwar noch geschlossen, aber der großzügige Neubau ist bereits fertiggestellt und wartet auf hungrige und durstige Gäste. Am Gipfelkreuz wurden die Reste der mitgebrachten Brotzeit geteilt, die Aussicht bewundert und die letzten Fotos geknipst.
Über den Ruckowitzschachten, auf dem es noch ordentlich Schnee gab, was wir auch gleich ausnutzten, stiegen wir ab und schnurstracks gings ins Cafehaus. Dort ließen wir bei Kaffee und Kuchen oder sogar einer Currywurst diese unvergesslichen drei Tage ausklingen.

Danke Gesie für Deine Mühen und die tolle Organisation!
Irene Kraft

Anmerkung der Autorin: Die Mitglieder der Gruppe waren von Anfang 40 bis Mitte 60, wobei sich die beiden Omas Sigrid und Irene wacker geschlagen haben 😊

Tourenbericht: Schneeschuhwanderung am 02.02.2019

Tour:
Schneeschuhwanderung Bayrischer Wald, kleiner Arber, Chamer Hütte, 02.02.2019

Mit dabei:
Amrei, Annina, Christina, Christof, Gudrun, Lisa, Michael, Mischa, Petra, Susanne und Wanderleiterin Sieglinde

Samstag Morgen, dass Wetter ist alles andere als einladend. Es regnet leicht, die Hoffnung auf ein Ende ist laut Wetterbericht nicht groß. Aber das tut dem Willen und der Freude auf eine gemeinsame Schneeschuhwanderung keinen Abbruch. Elf mehr oder weniger Wanderbewehrte trafen sich in Bodenmais beim Schneeschuhverleih. Gemeinsam ging es dann zum Parkplatz am Rißlochweg, um sich startklar zu machen. Gut die Hälfte der Gruppe hat das erste mal Schneeschuhe unter den Füßen und die ersten vorsichtigen Gehversuche wurden unternommen. Es stellte sich gleich heraus: das kriegen wir hin! Schneeschuhgehen macht Laune! Los ging´s.

Der Regen ließ leider nicht nach, ganz im Gegenteil, er wurde teilweise stärker. Aber natürlich schmälerte dies unsere Freude an der gemeinsamen Wanderung keineswegs. Zu Anfang gab es immer wieder beim Gehen Gespräche; je höher wir kamen, wurden die Gespräche weniger. Da zeigte sich, wer ein „alter Wanderhase“ mit Kondition, und wer ein Neuling war. Die Neulinge brauchten dann ihre Puste für den Aufstieg.

Der Wald war noch tief verschneit. Je höher wir kamen, umso größere Mützchen trugen die Bäume. An den Felsbrocken waren „Eisfälle“ zu bewundern – wirklich schön zum Ansehen. Die Wegweiser an den Bäumen und die Tafeln waren freigeschaufelt. Ansonsten hätte die Schneedecke sie verschluckt. Also war die Schneedecke locker 2,50 Meter hoch. So war es auch empfehlenswert, auf dem „Trampelpfad“ zu bleiben. Denn ein Danebentreten bedeutete ein tiefes Einsinken; was immer wieder mal zu sehen war.
Auf halbem Weg etwa ging der Regen endlich in Schnee über. Wie schön! Wir überquerten sicher einige kleine Wasserläufe, stiegen über umgestürzte Bäume, marschierten eine Zeit lang am Rißbach entlang zu den Wasserfällen. Nirgendwo im Bayerwald gibt es einen größeren Wasserfall zu bestaunen.

Auf gut der halben Strecke, an einer schönen lichten Stelle, halten wir eine kleine Brotzeitpause, die Energiespeicher auffüllen. Für ein paar kurze Momente kam auch die Sonne aus der dicken Wolkendecke hervor. Was für ein Genuss! Während der Pause zeigt sich deutlich, wer diese Wanderung als Spaziergang sehen kann. Petra freut sich über eine unberührte Schneelandschaft und hüpft wie ein junges Reh über die Fläche, während andere die Pause voll und ganz zur Erholung und Kräfte schöpfen für das letzte Stück zur Chamer Hütten brauchten. Weiter geht´s.

Die Chamer Hütte war ordentlich gut besucht und überfüllt. Wir hatten aber riesiges Glück und just in dem Moment, als wir ankamen wurde ein großer Tisch, genau passend für unsere Gruppe, frei. Was für eine Freude! Die Pause dehnte sich dann auch durch das gemütliche Beisammensitzen etwas aus. Nach ausgiebigem Essen und Trinken fühlten sich wieder alle stark genug, um noch den Gipfel zu erklimmen. Schneeschuhe ran, geliehene Schlitten mitgenommen und an einer guten Stelle zwischengeparkt marschieren wir weiter. Doch der Nebel macht uns zu schaffen. Es wird immer „undurchsichtiger“ und stiller. Sieglinde entscheidet dann, den Gipfel „vorzuverlegen“ und das Weitergehen zu beenden. Es wird zu gefährlich. Wir wollen schließlich nichts riskieren und am Ende noch eine Kameradin / Kameraden verlieren oder uns verlaufen. Auf unserem persönlichen Gipfel gibt es einen kleinen Gipfelschnaps bzw. für die Jugend Schokolade, die obligatorischen „Gipfel“-Bilder – dass muss sein! – und dann ein zügiges Zurückgehen zu den Schlitten.

Ja, und dann kam das Beste! Der Rückweg wird gerodelt. Was für ein Spaß!
Die übermütige Jugend, wobei wir Erwachsenen in Sachen „Übermut“ nichts nachstanden, hatte ein kleines Malheur und stürzt kopfüber – der Comic lässt grüßen – am Wegesrand in den Schnee. Aber sie hat Glück, es ist nichts passiert. So bleibt es Gott sei Dank bei einer netten Anekdote mehr nicht. Unten angekommen -der Rodelweg war viel zu kurz!- geht es zu Fuß zu den Autos zurück; es gibt schon leichte Abenddämmerung.

Ein schöner Tag, nette Menschen, viel Spaß, die Natur, mit Sieglinde eine nette und kompetente Führerin – das darf gerne wieder sein.

Lisa

Tourenbericht: Julische Alpen 26. – 31. August 2018

Julische Alpen, mächtigstes Gebirge der südöstlichen Kalkalpen. Da wollte ich lange schon mal hin, ist aber sehr weit zu fahren, für ein Wochenende zu weit. Mein Bruder Josef hat für 2018 eine Tourenwoche in den Julischen ausgeschrieben, die Gelegenheit für mich, endlich auch mal diese Gebirgsgruppe besuchen zu dürfen. Und das nicht als Organisator, sondern als Teilnehmer, d.h. keine Planungs- und Organisationsarbeit, entspannte Teilnahme garantiert. Leider hat mir eine Autorfahrerin einen Strich durch die Rechnung gemacht, als sie meinen Bruder mitsamt Rennrad in den Straßengraben katapultierte. Auf seine Nachfrage, ob ich für ihn einspringen wolle, gab’s kein langes Überlegen. Den groben Ablauf der Woche hatte Josef bereits erledigt, ich musste ‚nur‘ noch die Feinplanung übernehmen. Das erwies sich allerdings nicht immer als einfach, vor allem in sprachlicher Hinsicht. Verständigung auf Deutsch war so gut wie nicht möglich, Italienisch kann ich nicht, meine Englischkenntnisse sind auch nicht mehr die besten. So schlecht sind sie anscheinend aber trotzdem nicht, jedenfalls musste niemand vor der Hütte im Freien schlafen.

Geplant war, zuerst den Montasch in Italien zu besteigen und dann in den Triglav-Nationalpark zu wechseln, um dem Triglav, Sloweniens höchstem Berg, einen Besuch abzustatten.

Da ich noch nicht alle Teilnehmer kannte, begingen wir zum Kennenlernen vorab den Höhenglücksteig bei Hirschbach. Am 25. Juli trafen wir uns dazu an einem dieser heißen Sommertage des Jahres 2018. Wer den Steig kennt kann sich gut vorstellen, dass das abends an der nach Westen ausgerichteten Wand eine schweißtreibende Angelegenheit werden sollte, ein richtiger Härtetest also, den aber alle bestanden haben. Als Belohnung verlegten wir die Tourenbesprechung aufs Frohnbergfest.

Die Teilnehmer: Birgit, Freddy, Gerda, Petra, Sigrid, Vroni, Werner, GeSie
Cordula musste gesundheitsbedingt leider kurzfristig absagen.

Sonntag 26. August: Zu nachtschlafender Zeit ging’s los, schließlich standen über 600 km Autofahrt vor uns. Über München mit dem obligatorischen Stau ging’s weiter nach Salzburg und über die Tauernautobahn nach Villach, weiter über Tarvis in Italien nach Sella Nevea, von dort über eine steile Bergstraße zum Parkplatz in der Nähe der Pecolalm auf 1540 m Höhe. Als wir aus dem Auto ausstiegen, sahen wir tief verschneite Berggipfel. Ein kräftiger Wind mit Sturmböen und Regen empfing uns, ebenso wie eine 2×3 mtr große Werbetafel, die durch den Sturm aus der Verankerung gerissen wurde und an uns vorbeisegelte. Zum Glück war unser Ziel, das Rifugio Alpino G. di Brazza (1660 m) schon in Sichtweite, in einer halben Stunde hatten wir den Zustieg hinter uns. Nachdem der Regen später aufgehört hatte, machten wir noch einen Kurztrip zur Pecolalm auf ein Bier/Wein/Cappuccino.
Das Rif. Di Brazza ist eine kleine, sehr einfache, aber urgemütliche Hütte, bewirtschaftet von einem jungen Geschwisterpaar. Hier wurden wir mit regionaler Küche und dem Blick in die östlichen Dolomiten verwöhnt. Bereits am Abend klarte es auf, der Vollmond beschien nachts eine wunderschön verschneite Berglandschaft.

Montag, 27. August: Bereits gestern hatten wir den ursprünglichen Tourenplan umgedreht. Eigentlich stand für Montag der Montasch auf dem Programm. Wegen des vielen Schnees, in den Gipfelregionen vermutlich 20-30 cm, verschoben wir dessen Besteigung auf Dienstag. Ziel für heute war die Cima di Terrarossa (2420 m). Unter strahlend blauem Himmel stiegen wir höher, ab ca. 2000 m waren wir im Schnee unterwegs, was auf den schmalen ausgesetzten Bändern unsere volle Aufmerksamkeit verlangte. Einige Bergsteiger kamen uns entgegen und berichteten, es sei zu gefährlich, weiter zu gehen. Na ja, kein Wunder, wenn man mit Turnschuhen unterwegs ist. Auf den Gipfelaufbau der Cima di Terrarossa führt ein Klettersteig, was bei der Schneelage vielleicht ein Problem hätte werden können. Auch führte noch keine Spur nach oben. So querten wir die Cima di Terrarosse weiter zur Forca de lis Sieris (2274 m). Die Mittagspause fiel dann recht kurz aus, weil uns ein eisiger Wind um die Ohren pfiff. Auf dem Rückweg weichte der Schnee langsam auf, was erhöhte Vorsicht erforderte. Bevor wir aus dem verschneiten Gelände kamen, meinte Vroni, eine Schneeballschlacht anzetteln zu müssen. Prompt landete sie selbst auf dem Hosenboden, zum Glück nicht im Absturzgelände. Auffallend waren die vielen Tiere – Murmeltiere, Gämsen und vor allem die majestätischen Steinböcke. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sie sich in steilstem Felsgelände. Vor Menschen haben sie keine Angst, sie lassen einen bis auf wenige Meter an sich herankommen.

Dienstag, 28. August: Heute stand der Montasch, italienisch Jos di Montasio (2753 m), auf dem Programm. Der Morgen ließ uns staunen, da von dem vielen Schnee vom Vortag nicht mehr viel zu sehen war. Das sonnige Wetter am Montag hat den Schnee ziemlich weggefressen, ob genug, würde sich herausstellen. Zudem hatten wir Zuwachs bekommen. Am Abend zuvor fragte uns ein Einzelgeher, übrigens wohnhaft in Teublitz, ob er sich uns anschließen dürfe. In einer Stunde ging es zur Forca die Disteis (2201 m). Der Findeneggweg quert den Montasch in seiner Südflanke. Schon beim Einstieg zeigte sich, dass wir eine absolut alpine Tour vor uns hatten. Zum Teil sehr ausgesetzte Bänder mit lockerem Geröll erforderten absolut sauberes Gehen. Obwohl in manchen Führerwerken als Klettersteig deklariert, gibt es nur sehr vereinzelt Seilsicherungen. Einzige Sicherung waren unsere Steinschlaghelme, da viele Gämsen und Steinböcke auch über uns unterwegs waren. Der Schluchtaufstieg zum Gipfel erforderte immer wieder leichte Kletterei bis zum Grad II, an einer kurzen Passage im unteren Grad III kam dann sogar das Kletterseil zum Einsatz, um die Teilnehmer hochzusichern. In der Schlucht, wo die Sonne nicht überall schien, lag doch noch einiges an Schnee, was die Feinorientierung schwieriger machte, da es kaum Markierungen gibt. Dem Zeitplan hinterherhinkend kamen wir relativ spät am Gipfel an, leider beeinträchtigten Nebelfetzen die Sicht. Für den Abstieg wählten wir den sogenannten Leiterweg. Über eine 60 mtr hohe Leiter, die nicht starr befestigt ist, ging es schwankend senkrecht nach unten. Auf Grund des doch noch reichlich vorhandenen Schnees, vor allem in Rinnen und Mulden, war es schon spät, als wir aus den Felsen ausstiegen. Ursprünglich wollten wir nach dem Abstieg vom Montasch mit dem Auto zu einer Talherberge im Triglav-Nationalpark fahren, da wären wir allerdings erst spät nachts angekommen. Wir hatten keinen oder nur schlechten Handyempfang, aber irgendwann klappte es dann doch, dass ich die Talherberge stornieren und auf der Brazza-Hütte eine weitere Nacht buchen konnte. Diese erreichten wir, als es bereits dunkel war. Da die Wirtsleute nicht mit uns gerechnet hatten, waren die Essensvorräte nicht aufgefüllt worden. Trotzdem kreierten sie uns wieder ein leckeres Essen. Nach einem langen und anstrengenden Tourentag gönnten wir uns schnell ein Feierabendbier, bevor es ab ins Bett ging.

Mittwoch, 29.August: Nach dem Frühstück stiegen wir zum Auto ab und fuhren los in Richtung Slowenien. Unser Anhängsel aus Teublitz nahmen wir auch noch mit bis Sella Nevea. Werner fuhr voraus, plötzlich setzte er den Blinker und fuhr auf einen Parkplatz. Pinkelpause? Nein, rechts blinkte der Lago del Predil herauf. Die Waschgelegenheiten auf der Brazza-Hütte waren ja recht spartanisch, da gönnten wir uns, mangels Badesachen im Adamskostüm, ein erfrischendes Bad, das allerdings in dem sehr kalten Wasser doch sehr kurz ausfiel. Weiter ging die Fahrt nach Slowenien, an Kranjska Gora vorbei zur Aljazev Dom v Vratih (1015 m) am Fuß des Triglav. Dom ist das slowenische Wort für Hütte. Es war bereits 13 Uhr, als wir uns an den Aufstieg zur Dom V Stanica machten. Wir wählten den Tominsekweg, der als Klettersteig deklariert ist und dann auch über längere Strecken Drahtseilversicherungen auswies, wodurch endlich unsere Klettersteigausrüstung zum Einsatz kam. Die 1300 zu überwindenden Höhenmeter ließen uns auf unsere Reserven zurückgreifen und ich überlegte, ob man nicht doch das eine oder andere Ausrüstungsteil sich hätte sparen können. Endlich tauchte das Stanic-Haus (2332 m) vor uns auf, ein anstrengender und kräftezehrender Aufstieg lag hinter uns. Eine sehr freundliche Hüttenwirtin hieß uns willkommen und überraschte uns mit einem kräftigen und guten Abendessen. Nur fünf weitere Gäste waren auf der Hütte und wir hatten ein großes Lager für uns allein. Wir hatten dem Stanic-Haus den Vorzug vor dem Triglav-Haus gegeben. Dieses liegt zwar näher am Triglav, hat aber nicht den besten Ruf und ist oft überfüllt. Da der Aufstieg auf den Triglav nicht allzu lang ist, gaben wir dem eine Stunde entfernten Stanic-Haus den Vorzug, was sich als gute Wahl erwies. Einziges Manko war die Outdoor-Waschgelegenheit am Nebenhaus, natürlich nur mit kaltem Wasser. Der Waschraum in der Hütte wurde erst um 21 Uhr geöffnet, in der Früh um 6 Uhr wurde er wieder zugesperrt. Was soll’s, wir waren auf einem Schutzhaus und nicht im Hotel einquartiert. Nachts pfiff der Wind um die Hütte und wir hörten den Regen gegen die Fensterscheiben prasseln, auch war es sehr kalt. Ich weiß nicht mehr, wer auf die Idee kam, die Fenster offen stehen zu lassen.

Donnerstag, 30. August: Beim Blick aus dem Fenster war alles grau in grau und leichter Regen fiel. Dafür war ausnahmsweise sogar der Waschraum in der Hütte aufgesperrt. Mit einem opulenten Frühstück mit Spiegeleiern mit Schinken, Omelett mit Käse und Brot, Butter und Marmelade wurden wir etwas entschädigt. Dann machten wir uns auf Richtung Triglav, zum Teil mussten wir auch wieder durch Schnee stapfen. Je näher wir dem Triglav-Haus kamen, desto besser wurde das Wetter, es zeigten sich immer wieder kleine blaue Flecken am Himmel. Am Triglav-Haus angekommen waren wir uns einig, dass wir Gott sei Dank nicht hier übernachtet hatten. Es tummelten sich sehr viele Bergsteiger, die Hütte machte auch nicht den saubersten Eindruck. Eineinhalb Stunden sollten es zum Gipfel des Triglav noch sein, wir durften uns heute also etwas Zeit lassen. Der Aufstieg auf den Triglav ist ein leichter Klettersteig und sehr gut mit einem durchgehenden Stahlseil versichert. Der Kleine Triglav, über den unser Weg führte, wird im Volksmund wegen der übermäßig vorhandenen Sicherungen auch das Stachelschwein genannt. Der Regen hatte schon lange aufgehört und die blauen Flecke zwischen den Wolken wurden immer größer. Leider riss es bis zum Triglav nicht ganz auf, wodurch uns der Blick zur Adria leider verwehrt blieb. Der Triglav ist mit 2864 m der höchste Berg Sloweniens. Für jeden Slowenen ist es ein Muss, einmal auf dem Triglav zu stehen. Auch viele Kinder waren unterwegs. Am Gipfel steht eine kleine runde Blechdose, die notdürftig vier Personen Unterstand bietet. Die Slowenen, die das erste Mal auf dem Triglav stehen, lehnen sich dagegen und werden dann mit Bandschlingen ‚ausgepeitscht‘. Nach dem Abstieg entschieden wir uns dann wegen drohender dunkler Wolken, direkt zum Stanic-Haus zurückzugehen. Wir kamen aber trotzdem trockenen Fußes an und konnten den Gipfeltag zufrieden bei Kaffee und Kuchen ausklingen lassen. Als Dreingabe gab es dann noch einen mystisch anmutenden Sonnenuntergang zwischen Wolken und Nebelfeldern.

Freitag, 31. August: Die Nacht war wieder sehr kalt, irgendjemand war erneut auf die Idee gekommen, die Fenster offen stehen zu lassen!!! Nach reiflicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass wieder ich dieser ‚jemand‘ gewesen sein muss. Der Waschraum war wieder aufgesperrt, da es regnete. Zum Abstieg wählten wir den Pragweg. Dieser ist zwar auch als Klettersteig ausgewiesen, auf dem kompletten Weg gibt es allerdings nur sehr wenige Stellen, an denen ein Stahlseil angebracht ist. Ansonsten sind sehr viele Eisenstifte als Tritt- und Griffhilfe angebracht, wo man sich jedoch nicht mit dem Klettersteigset selbst sichern kann. Absolut sauberes Steigen war erforderlich, vor allem wegen der Nässe. Irgendwann hatten wir auch diesen langen und wegen der nötigen Konzentration auch anstrengenden Abstieg hinter uns gebracht. Wir stärkten uns noch im Aljazev Dom und traten dann die Heimfahrt an. Die Ankunft in Amberg war dann spät in der Nacht, 2 ½ h Wartezeit an der Grenze bei Salzburg forderten ihren Tribut.

Fazit: Die Julischen Alpen sind landschaftlich mit ihren tief eingeschnittenen Tälern sehr sehenswert, die Tierwelt am Montasch beeindruckend. Es handelte sich um eine sehr alpine Tour, bei der der komplette Bergsteiger gefragt war. Es war anstrengend und sehr anspruchsvoll, aber schön war’s.

© by GeSie