Tourenbericht: Schneeschuhwanderung am 02.02.2019

Tour:
Schneeschuhwanderung Bayrischer Wald, kleiner Arber, Chamer Hütte, 02.02.2019

Mit dabei:
Amrei, Annina, Christina, Christof, Gudrun, Lisa, Michael, Mischa, Petra, Susanne und Wanderleiterin Sieglinde

Samstag Morgen, dass Wetter ist alles andere als einladend. Es regnet leicht, die Hoffnung auf ein Ende ist laut Wetterbericht nicht groß. Aber das tut dem Willen und der Freude auf eine gemeinsame Schneeschuhwanderung keinen Abbruch. Elf mehr oder weniger Wanderbewehrte trafen sich in Bodenmais beim Schneeschuhverleih. Gemeinsam ging es dann zum Parkplatz am Rißlochweg, um sich startklar zu machen. Gut die Hälfte der Gruppe hat das erste mal Schneeschuhe unter den Füßen und die ersten vorsichtigen Gehversuche wurden unternommen. Es stellte sich gleich heraus: das kriegen wir hin! Schneeschuhgehen macht Laune! Los ging´s.

Der Regen ließ leider nicht nach, ganz im Gegenteil, er wurde teilweise stärker. Aber natürlich schmälerte dies unsere Freude an der gemeinsamen Wanderung keineswegs. Zu Anfang gab es immer wieder beim Gehen Gespräche; je höher wir kamen, wurden die Gespräche weniger. Da zeigte sich, wer ein „alter Wanderhase“ mit Kondition, und wer ein Neuling war. Die Neulinge brauchten dann ihre Puste für den Aufstieg.

Der Wald war noch tief verschneit. Je höher wir kamen, umso größere Mützchen trugen die Bäume. An den Felsbrocken waren „Eisfälle“ zu bewundern – wirklich schön zum Ansehen. Die Wegweiser an den Bäumen und die Tafeln waren freigeschaufelt. Ansonsten hätte die Schneedecke sie verschluckt. Also war die Schneedecke locker 2,50 Meter hoch. So war es auch empfehlenswert, auf dem „Trampelpfad“ zu bleiben. Denn ein Danebentreten bedeutete ein tiefes Einsinken; was immer wieder mal zu sehen war.
Auf halbem Weg etwa ging der Regen endlich in Schnee über. Wie schön! Wir überquerten sicher einige kleine Wasserläufe, stiegen über umgestürzte Bäume, marschierten eine Zeit lang am Rißbach entlang zu den Wasserfällen. Nirgendwo im Bayerwald gibt es einen größeren Wasserfall zu bestaunen.

Auf gut der halben Strecke, an einer schönen lichten Stelle, halten wir eine kleine Brotzeitpause, die Energiespeicher auffüllen. Für ein paar kurze Momente kam auch die Sonne aus der dicken Wolkendecke hervor. Was für ein Genuss! Während der Pause zeigt sich deutlich, wer diese Wanderung als Spaziergang sehen kann. Petra freut sich über eine unberührte Schneelandschaft und hüpft wie ein junges Reh über die Fläche, während andere die Pause voll und ganz zur Erholung und Kräfte schöpfen für das letzte Stück zur Chamer Hütten brauchten. Weiter geht´s.

Die Chamer Hütte war ordentlich gut besucht und überfüllt. Wir hatten aber riesiges Glück und just in dem Moment, als wir ankamen wurde ein großer Tisch, genau passend für unsere Gruppe, frei. Was für eine Freude! Die Pause dehnte sich dann auch durch das gemütliche Beisammensitzen etwas aus. Nach ausgiebigem Essen und Trinken fühlten sich wieder alle stark genug, um noch den Gipfel zu erklimmen. Schneeschuhe ran, geliehene Schlitten mitgenommen und an einer guten Stelle zwischengeparkt marschieren wir weiter. Doch der Nebel macht uns zu schaffen. Es wird immer „undurchsichtiger“ und stiller. Sieglinde entscheidet dann, den Gipfel „vorzuverlegen“ und das Weitergehen zu beenden. Es wird zu gefährlich. Wir wollen schließlich nichts riskieren und am Ende noch eine Kameradin / Kameraden verlieren oder uns verlaufen. Auf unserem persönlichen Gipfel gibt es einen kleinen Gipfelschnaps bzw. für die Jugend Schokolade, die obligatorischen „Gipfel“-Bilder – dass muss sein! – und dann ein zügiges Zurückgehen zu den Schlitten.

Ja, und dann kam das Beste! Der Rückweg wird gerodelt. Was für ein Spaß!
Die übermütige Jugend, wobei wir Erwachsenen in Sachen „Übermut“ nichts nachstanden, hatte ein kleines Malheur und stürzt kopfüber – der Comic lässt grüßen – am Wegesrand in den Schnee. Aber sie hat Glück, es ist nichts passiert. So bleibt es Gott sei Dank bei einer netten Anekdote mehr nicht. Unten angekommen -der Rodelweg war viel zu kurz!- geht es zu Fuß zu den Autos zurück; es gibt schon leichte Abenddämmerung.

Ein schöner Tag, nette Menschen, viel Spaß, die Natur, mit Sieglinde eine nette und kompetente Führerin – das darf gerne wieder sein.

Lisa

Tourenbericht: Julische Alpen 26. – 31. August 2018

Julische Alpen, mächtigstes Gebirge der südöstlichen Kalkalpen. Da wollte ich lange schon mal hin, ist aber sehr weit zu fahren, für ein Wochenende zu weit. Mein Bruder Josef hat für 2018 eine Tourenwoche in den Julischen ausgeschrieben, die Gelegenheit für mich, endlich auch mal diese Gebirgsgruppe besuchen zu dürfen. Und das nicht als Organisator, sondern als Teilnehmer, d.h. keine Planungs- und Organisationsarbeit, entspannte Teilnahme garantiert. Leider hat mir eine Autorfahrerin einen Strich durch die Rechnung gemacht, als sie meinen Bruder mitsamt Rennrad in den Straßengraben katapultierte. Auf seine Nachfrage, ob ich für ihn einspringen wolle, gab’s kein langes Überlegen. Den groben Ablauf der Woche hatte Josef bereits erledigt, ich musste ‚nur‘ noch die Feinplanung übernehmen. Das erwies sich allerdings nicht immer als einfach, vor allem in sprachlicher Hinsicht. Verständigung auf Deutsch war so gut wie nicht möglich, Italienisch kann ich nicht, meine Englischkenntnisse sind auch nicht mehr die besten. So schlecht sind sie anscheinend aber trotzdem nicht, jedenfalls musste niemand vor der Hütte im Freien schlafen.

Geplant war, zuerst den Montasch in Italien zu besteigen und dann in den Triglav-Nationalpark zu wechseln, um dem Triglav, Sloweniens höchstem Berg, einen Besuch abzustatten.

Da ich noch nicht alle Teilnehmer kannte, begingen wir zum Kennenlernen vorab den Höhenglücksteig bei Hirschbach. Am 25. Juli trafen wir uns dazu an einem dieser heißen Sommertage des Jahres 2018. Wer den Steig kennt kann sich gut vorstellen, dass das abends an der nach Westen ausgerichteten Wand eine schweißtreibende Angelegenheit werden sollte, ein richtiger Härtetest also, den aber alle bestanden haben. Als Belohnung verlegten wir die Tourenbesprechung aufs Frohnbergfest.

Die Teilnehmer: Birgit, Freddy, Gerda, Petra, Sigrid, Vroni, Werner, GeSie
Cordula musste gesundheitsbedingt leider kurzfristig absagen.

Sonntag 26. August: Zu nachtschlafender Zeit ging’s los, schließlich standen über 600 km Autofahrt vor uns. Über München mit dem obligatorischen Stau ging’s weiter nach Salzburg und über die Tauernautobahn nach Villach, weiter über Tarvis in Italien nach Sella Nevea, von dort über eine steile Bergstraße zum Parkplatz in der Nähe der Pecolalm auf 1540 m Höhe. Als wir aus dem Auto ausstiegen, sahen wir tief verschneite Berggipfel. Ein kräftiger Wind mit Sturmböen und Regen empfing uns, ebenso wie eine 2×3 mtr große Werbetafel, die durch den Sturm aus der Verankerung gerissen wurde und an uns vorbeisegelte. Zum Glück war unser Ziel, das Rifugio Alpino G. di Brazza (1660 m) schon in Sichtweite, in einer halben Stunde hatten wir den Zustieg hinter uns. Nachdem der Regen später aufgehört hatte, machten wir noch einen Kurztrip zur Pecolalm auf ein Bier/Wein/Cappuccino.
Das Rif. Di Brazza ist eine kleine, sehr einfache, aber urgemütliche Hütte, bewirtschaftet von einem jungen Geschwisterpaar. Hier wurden wir mit regionaler Küche und dem Blick in die östlichen Dolomiten verwöhnt. Bereits am Abend klarte es auf, der Vollmond beschien nachts eine wunderschön verschneite Berglandschaft.

Montag, 27. August: Bereits gestern hatten wir den ursprünglichen Tourenplan umgedreht. Eigentlich stand für Montag der Montasch auf dem Programm. Wegen des vielen Schnees, in den Gipfelregionen vermutlich 20-30 cm, verschoben wir dessen Besteigung auf Dienstag. Ziel für heute war die Cima di Terrarossa (2420 m). Unter strahlend blauem Himmel stiegen wir höher, ab ca. 2000 m waren wir im Schnee unterwegs, was auf den schmalen ausgesetzten Bändern unsere volle Aufmerksamkeit verlangte. Einige Bergsteiger kamen uns entgegen und berichteten, es sei zu gefährlich, weiter zu gehen. Na ja, kein Wunder, wenn man mit Turnschuhen unterwegs ist. Auf den Gipfelaufbau der Cima di Terrarossa führt ein Klettersteig, was bei der Schneelage vielleicht ein Problem hätte werden können. Auch führte noch keine Spur nach oben. So querten wir die Cima di Terrarosse weiter zur Forca de lis Sieris (2274 m). Die Mittagspause fiel dann recht kurz aus, weil uns ein eisiger Wind um die Ohren pfiff. Auf dem Rückweg weichte der Schnee langsam auf, was erhöhte Vorsicht erforderte. Bevor wir aus dem verschneiten Gelände kamen, meinte Vroni, eine Schneeballschlacht anzetteln zu müssen. Prompt landete sie selbst auf dem Hosenboden, zum Glück nicht im Absturzgelände. Auffallend waren die vielen Tiere – Murmeltiere, Gämsen und vor allem die majestätischen Steinböcke. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sie sich in steilstem Felsgelände. Vor Menschen haben sie keine Angst, sie lassen einen bis auf wenige Meter an sich herankommen.

Dienstag, 28. August: Heute stand der Montasch, italienisch Jos di Montasio (2753 m), auf dem Programm. Der Morgen ließ uns staunen, da von dem vielen Schnee vom Vortag nicht mehr viel zu sehen war. Das sonnige Wetter am Montag hat den Schnee ziemlich weggefressen, ob genug, würde sich herausstellen. Zudem hatten wir Zuwachs bekommen. Am Abend zuvor fragte uns ein Einzelgeher, übrigens wohnhaft in Teublitz, ob er sich uns anschließen dürfe. In einer Stunde ging es zur Forca die Disteis (2201 m). Der Findeneggweg quert den Montasch in seiner Südflanke. Schon beim Einstieg zeigte sich, dass wir eine absolut alpine Tour vor uns hatten. Zum Teil sehr ausgesetzte Bänder mit lockerem Geröll erforderten absolut sauberes Gehen. Obwohl in manchen Führerwerken als Klettersteig deklariert, gibt es nur sehr vereinzelt Seilsicherungen. Einzige Sicherung waren unsere Steinschlaghelme, da viele Gämsen und Steinböcke auch über uns unterwegs waren. Der Schluchtaufstieg zum Gipfel erforderte immer wieder leichte Kletterei bis zum Grad II, an einer kurzen Passage im unteren Grad III kam dann sogar das Kletterseil zum Einsatz, um die Teilnehmer hochzusichern. In der Schlucht, wo die Sonne nicht überall schien, lag doch noch einiges an Schnee, was die Feinorientierung schwieriger machte, da es kaum Markierungen gibt. Dem Zeitplan hinterherhinkend kamen wir relativ spät am Gipfel an, leider beeinträchtigten Nebelfetzen die Sicht. Für den Abstieg wählten wir den sogenannten Leiterweg. Über eine 60 mtr hohe Leiter, die nicht starr befestigt ist, ging es schwankend senkrecht nach unten. Auf Grund des doch noch reichlich vorhandenen Schnees, vor allem in Rinnen und Mulden, war es schon spät, als wir aus den Felsen ausstiegen. Ursprünglich wollten wir nach dem Abstieg vom Montasch mit dem Auto zu einer Talherberge im Triglav-Nationalpark fahren, da wären wir allerdings erst spät nachts angekommen. Wir hatten keinen oder nur schlechten Handyempfang, aber irgendwann klappte es dann doch, dass ich die Talherberge stornieren und auf der Brazza-Hütte eine weitere Nacht buchen konnte. Diese erreichten wir, als es bereits dunkel war. Da die Wirtsleute nicht mit uns gerechnet hatten, waren die Essensvorräte nicht aufgefüllt worden. Trotzdem kreierten sie uns wieder ein leckeres Essen. Nach einem langen und anstrengenden Tourentag gönnten wir uns schnell ein Feierabendbier, bevor es ab ins Bett ging.

Mittwoch, 29.August: Nach dem Frühstück stiegen wir zum Auto ab und fuhren los in Richtung Slowenien. Unser Anhängsel aus Teublitz nahmen wir auch noch mit bis Sella Nevea. Werner fuhr voraus, plötzlich setzte er den Blinker und fuhr auf einen Parkplatz. Pinkelpause? Nein, rechts blinkte der Lago del Predil herauf. Die Waschgelegenheiten auf der Brazza-Hütte waren ja recht spartanisch, da gönnten wir uns, mangels Badesachen im Adamskostüm, ein erfrischendes Bad, das allerdings in dem sehr kalten Wasser doch sehr kurz ausfiel. Weiter ging die Fahrt nach Slowenien, an Kranjska Gora vorbei zur Aljazev Dom v Vratih (1015 m) am Fuß des Triglav. Dom ist das slowenische Wort für Hütte. Es war bereits 13 Uhr, als wir uns an den Aufstieg zur Dom V Stanica machten. Wir wählten den Tominsekweg, der als Klettersteig deklariert ist und dann auch über längere Strecken Drahtseilversicherungen auswies, wodurch endlich unsere Klettersteigausrüstung zum Einsatz kam. Die 1300 zu überwindenden Höhenmeter ließen uns auf unsere Reserven zurückgreifen und ich überlegte, ob man nicht doch das eine oder andere Ausrüstungsteil sich hätte sparen können. Endlich tauchte das Stanic-Haus (2332 m) vor uns auf, ein anstrengender und kräftezehrender Aufstieg lag hinter uns. Eine sehr freundliche Hüttenwirtin hieß uns willkommen und überraschte uns mit einem kräftigen und guten Abendessen. Nur fünf weitere Gäste waren auf der Hütte und wir hatten ein großes Lager für uns allein. Wir hatten dem Stanic-Haus den Vorzug vor dem Triglav-Haus gegeben. Dieses liegt zwar näher am Triglav, hat aber nicht den besten Ruf und ist oft überfüllt. Da der Aufstieg auf den Triglav nicht allzu lang ist, gaben wir dem eine Stunde entfernten Stanic-Haus den Vorzug, was sich als gute Wahl erwies. Einziges Manko war die Outdoor-Waschgelegenheit am Nebenhaus, natürlich nur mit kaltem Wasser. Der Waschraum in der Hütte wurde erst um 21 Uhr geöffnet, in der Früh um 6 Uhr wurde er wieder zugesperrt. Was soll’s, wir waren auf einem Schutzhaus und nicht im Hotel einquartiert. Nachts pfiff der Wind um die Hütte und wir hörten den Regen gegen die Fensterscheiben prasseln, auch war es sehr kalt. Ich weiß nicht mehr, wer auf die Idee kam, die Fenster offen stehen zu lassen.

Donnerstag, 30. August: Beim Blick aus dem Fenster war alles grau in grau und leichter Regen fiel. Dafür war ausnahmsweise sogar der Waschraum in der Hütte aufgesperrt. Mit einem opulenten Frühstück mit Spiegeleiern mit Schinken, Omelett mit Käse und Brot, Butter und Marmelade wurden wir etwas entschädigt. Dann machten wir uns auf Richtung Triglav, zum Teil mussten wir auch wieder durch Schnee stapfen. Je näher wir dem Triglav-Haus kamen, desto besser wurde das Wetter, es zeigten sich immer wieder kleine blaue Flecken am Himmel. Am Triglav-Haus angekommen waren wir uns einig, dass wir Gott sei Dank nicht hier übernachtet hatten. Es tummelten sich sehr viele Bergsteiger, die Hütte machte auch nicht den saubersten Eindruck. Eineinhalb Stunden sollten es zum Gipfel des Triglav noch sein, wir durften uns heute also etwas Zeit lassen. Der Aufstieg auf den Triglav ist ein leichter Klettersteig und sehr gut mit einem durchgehenden Stahlseil versichert. Der Kleine Triglav, über den unser Weg führte, wird im Volksmund wegen der übermäßig vorhandenen Sicherungen auch das Stachelschwein genannt. Der Regen hatte schon lange aufgehört und die blauen Flecke zwischen den Wolken wurden immer größer. Leider riss es bis zum Triglav nicht ganz auf, wodurch uns der Blick zur Adria leider verwehrt blieb. Der Triglav ist mit 2864 m der höchste Berg Sloweniens. Für jeden Slowenen ist es ein Muss, einmal auf dem Triglav zu stehen. Auch viele Kinder waren unterwegs. Am Gipfel steht eine kleine runde Blechdose, die notdürftig vier Personen Unterstand bietet. Die Slowenen, die das erste Mal auf dem Triglav stehen, lehnen sich dagegen und werden dann mit Bandschlingen ‚ausgepeitscht‘. Nach dem Abstieg entschieden wir uns dann wegen drohender dunkler Wolken, direkt zum Stanic-Haus zurückzugehen. Wir kamen aber trotzdem trockenen Fußes an und konnten den Gipfeltag zufrieden bei Kaffee und Kuchen ausklingen lassen. Als Dreingabe gab es dann noch einen mystisch anmutenden Sonnenuntergang zwischen Wolken und Nebelfeldern.

Freitag, 31. August: Die Nacht war wieder sehr kalt, irgendjemand war erneut auf die Idee gekommen, die Fenster offen stehen zu lassen!!! Nach reiflicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass wieder ich dieser ‚jemand‘ gewesen sein muss. Der Waschraum war wieder aufgesperrt, da es regnete. Zum Abstieg wählten wir den Pragweg. Dieser ist zwar auch als Klettersteig ausgewiesen, auf dem kompletten Weg gibt es allerdings nur sehr wenige Stellen, an denen ein Stahlseil angebracht ist. Ansonsten sind sehr viele Eisenstifte als Tritt- und Griffhilfe angebracht, wo man sich jedoch nicht mit dem Klettersteigset selbst sichern kann. Absolut sauberes Steigen war erforderlich, vor allem wegen der Nässe. Irgendwann hatten wir auch diesen langen und wegen der nötigen Konzentration auch anstrengenden Abstieg hinter uns gebracht. Wir stärkten uns noch im Aljazev Dom und traten dann die Heimfahrt an. Die Ankunft in Amberg war dann spät in der Nacht, 2 ½ h Wartezeit an der Grenze bei Salzburg forderten ihren Tribut.

Fazit: Die Julischen Alpen sind landschaftlich mit ihren tief eingeschnittenen Tälern sehr sehenswert, die Tierwelt am Montasch beeindruckend. Es handelte sich um eine sehr alpine Tour, bei der der komplette Bergsteiger gefragt war. Es war anstrengend und sehr anspruchsvoll, aber schön war’s.

© by GeSie

Tourenbericht 27.08. – 01.09.17: Klettersteig Karnische Alpen

Wieder einmal starten wir mit 8 Personen unsere 6-tägige Klettersteig-Tour, diesmal Richtung Karnische Alpen.
So fahren Josef, Irmgard, Gabi, Klaus, Gerda, Werner, Freddy und ich am Sonntagmorgen zeitig los nach St. Lorenzen im Lesachtal. Zum Glück können wir mit dem Auto noch bis zur Ingridhütte fahren, so dass unser Aufstieg zum Hochweißsteinhaus nur noch eine Stunde dauert. Die gut geführte Hütte umschließen Rasen- und Felskämme mit dem darüber höher gezogenen Horizont des Hochweißsteins. Nachdem wir unsere Lager bezogen und die schweren Rucksäcke umgepackt haben, machen wir uns auf zu einer 1 ½ stündigen Wanderung zur kleinen Rudenspitze und zurück zur Hütte.

Am nächsten Morgen starten wir bei Sonnenschein über das Hochalpjoch Richtung Monte Peralba. Über den Klettersteig „Via ferrata Sartor“ geht es hinauf zum Gipfel Monte Peralba (2.694 m). Der Monte Peralba/Hochweißstein ist zweifellos einer der bekanntesten und am meisten besuchten Berge der Karnischen Alpen. Die Aussicht vom Gipfel ist eine der umfassendsten der Ostalpen. Vielleicht war das der Grund, warum Papst Johannes Paul II diesen Berg am 20. Juli 1988 bestiegen hat. Da das Wetter trotz Gewittervorhersagen noch recht gut ist, entscheiden wir uns für den Abstecher zum Rifugio Calvi. Nach einer kleinen Stärkung mit Kaffee und Kuchen geht unser Weg zurück zur Hütte. Ein doch sehr rasch aufkommendes Gewitter begleitet uns dann noch die letzten Meter. Den Tag lassen wir mit einem gemütlichen, wohl verdienten Abendessen ausklingen.

Dienstagmorgen starten wir erneut bei Sonnenschein auf dem Karnischen Höhenweg. Vom Hochweißsteinhaus führt der Steig über Bergwiesen hinauf zum Öfner Joch (2.011m). Von hier geht es abwärts in ein Almhochtal bis zur unteren Fleonsalm (1.571m). Durch lichte Wälder gelangt man zur verlassenen Sissanis Alm. Hier beginnt wieder ein längerer Anstieg bei großer Hitze. Am Sella Sissanis (1.987m) angekommen steht man vor einem wunderschönen kleinen Bergsee, dem Lago Pera. Weiter geht es zum Giramondo Pass (1.971 m). Der folgende Abstieg ins Wolayer Tal beginnt mit kurzen Serpentinen über eine steile Bergwiese hinunter. Durch ein lichtes Lärchenwäldchen erreichen wir schließlich die flachen Wiesen der Oberen Wolayer Alm (1.709m). Hier ist es Zeit für eine Rast und Einkehr mit Radler und Molke. Noch immer bei großer Hitze geht der letzte Aufstieg über eine Schotterstraße und markiertem Steig in Serpentinen hinauf zum Wolayersee, einem tiefblauen See, umrahmt von einer grandiosen Bergkulisse. Durstig, müde und zufrieden erreichen wir die Wolayersee Hütte (1.967 m). Dieser Abend endet besonders schön mit einem leckeren Abendessen und dem herrlichen Blick auf den See durch ein riesiges Panoramafenster.

Am nächsten Tag steigen wir am See entlang hinunter zum Rifugio Lamberthengi (1.955 m), das nach einem schweren Lawinenunglück 1982 wieder neu aufgebaut wurde. Nach einem kurzen Aufstieg erreichen wir den Sentiero Spinotti, ein sehr schöner Steig mit einfachen, ungesicherten Passagen. Zur Freude aller erreichen wir eine Anhöhe mit blumenreichen Grashängen und dem Blick zum Rifugio Marinelli. Eine traumhafte Sonnenterrasse lädt hier zu einem erfrischenden Getränk ein. Während einige bereits die Zimmer beziehen und einen kleinen Rucksack packen genießen andere den wunderschönen Ausblick und die Sonnenstrahlen. Gestärkt und voller Freude machen wir uns auf den Weg zum Monte Coglians (Hohe Warte 2.780 m). Allerdings ist die Freude schnell getrübt als wir den Weg zum Gipfel erblicken. Ein Geröllhang liegt vor uns. Es geht im steilen Gelände hinauf in ein breites Geröllkar. Der Anstieg ist sehr mühsam und anstrengend, umso glücklicher sind wir als wir den Gipfel erreichen. Hier thront eine riesige Friedensglocke. Das Gipfelpanorama umfasst den gesamten Alpenraum. Nach einem ebenso mühsamen Abstieg genießen wir den Abend im Rifugio Marinelli bei hervorragender italienischer Küche.

Unser vorletzter Tag….. der Morgen überrascht uns in einer Höhe von 2.120 m mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Noch ein letzter Blick zum Rifugio und zum Monto Coglians und wir wandern auf schönen Wegen hinunter zum Plöckenpass.

Zum Abschluss hat Josef für uns den „Oberst-Gressel-Gedenkweg“ ausgesucht. Ein fantastischer Klettersteig, der sich vor allem durch die sehr schöne Felsqualität auszeichnet, man klettert fast immer über kompakte Platten bis hinauf zur Cellonschulter. Nach ca. 2 Stunden haben wir das obere Ende erreicht. Der Abstieg geht auf normalem Wanderweg wieder hinunter zum Plöckenpass.

Am Pass angekommen erreichen wir gerade noch den Bus, der uns den Weg zur Valentinalm etwas abkürzt. Noch eine halbstündige Wanderung und wir kommen alle wohlbehalten an der Valentinalm an. Schnell beziehen wir unser Lager und können noch ein wenig die Sonne genießen.

Unser letzter Abend, wir schauen rückblickend auf die letzten 5 Tage und sind alle einer Meinung, es war alles perfekt: das Wetter, die ausgewählten Touren und Wanderungen und natürlich die Klettersteige…. mein Favorit: der Oberst-Gressel-Gedenkweg…… es wahr genial.

Josef hat wieder mal sein Bestes gegeben, vielen Dank für die Planung und Begleitung auf diesen Touren. Es ist immer wieder aufs Neue schön 🙂

Petra