Tourenbericht: Julische Alpen 26. – 31. August 2018

Julische Alpen, mächtigstes Gebirge der südöstlichen Kalkalpen. Da wollte ich lange schon mal hin, ist aber sehr weit zu fahren, für ein Wochenende zu weit. Mein Bruder Josef hat für 2018 eine Tourenwoche in den Julischen ausgeschrieben, die Gelegenheit für mich, endlich auch mal diese Gebirgsgruppe besuchen zu dürfen. Und das nicht als Organisator, sondern als Teilnehmer, d.h. keine Planungs- und Organisationsarbeit, entspannte Teilnahme garantiert. Leider hat mir eine Autorfahrerin einen Strich durch die Rechnung gemacht, als sie meinen Bruder mitsamt Rennrad in den Straßengraben katapultierte. Auf seine Nachfrage, ob ich für ihn einspringen wolle, gab’s kein langes Überlegen. Den groben Ablauf der Woche hatte Josef bereits erledigt, ich musste ‚nur‘ noch die Feinplanung übernehmen. Das erwies sich allerdings nicht immer als einfach, vor allem in sprachlicher Hinsicht. Verständigung auf Deutsch war so gut wie nicht möglich, Italienisch kann ich nicht, meine Englischkenntnisse sind auch nicht mehr die besten. So schlecht sind sie anscheinend aber trotzdem nicht, jedenfalls musste niemand vor der Hütte im Freien schlafen.

Geplant war, zuerst den Montasch in Italien zu besteigen und dann in den Triglav-Nationalpark zu wechseln, um dem Triglav, Sloweniens höchstem Berg, einen Besuch abzustatten.

Da ich noch nicht alle Teilnehmer kannte, begingen wir zum Kennenlernen vorab den Höhenglücksteig bei Hirschbach. Am 25. Juli trafen wir uns dazu an einem dieser heißen Sommertage des Jahres 2018. Wer den Steig kennt kann sich gut vorstellen, dass das abends an der nach Westen ausgerichteten Wand eine schweißtreibende Angelegenheit werden sollte, ein richtiger Härtetest also, den aber alle bestanden haben. Als Belohnung verlegten wir die Tourenbesprechung aufs Frohnbergfest.

Die Teilnehmer: Birgit, Freddy, Gerda, Petra, Sigrid, Vroni, Werner, GeSie
Cordula musste gesundheitsbedingt leider kurzfristig absagen.

Sonntag 26. August: Zu nachtschlafender Zeit ging’s los, schließlich standen über 600 km Autofahrt vor uns. Über München mit dem obligatorischen Stau ging’s weiter nach Salzburg und über die Tauernautobahn nach Villach, weiter über Tarvis in Italien nach Sella Nevea, von dort über eine steile Bergstraße zum Parkplatz in der Nähe der Pecolalm auf 1540 m Höhe. Als wir aus dem Auto ausstiegen, sahen wir tief verschneite Berggipfel. Ein kräftiger Wind mit Sturmböen und Regen empfing uns, ebenso wie eine 2×3 mtr große Werbetafel, die durch den Sturm aus der Verankerung gerissen wurde und an uns vorbeisegelte. Zum Glück war unser Ziel, das Rifugio Alpino G. di Brazza (1660 m) schon in Sichtweite, in einer halben Stunde hatten wir den Zustieg hinter uns. Nachdem der Regen später aufgehört hatte, machten wir noch einen Kurztrip zur Pecolalm auf ein Bier/Wein/Cappuccino.
Das Rif. Di Brazza ist eine kleine, sehr einfache, aber urgemütliche Hütte, bewirtschaftet von einem jungen Geschwisterpaar. Hier wurden wir mit regionaler Küche und dem Blick in die östlichen Dolomiten verwöhnt. Bereits am Abend klarte es auf, der Vollmond beschien nachts eine wunderschön verschneite Berglandschaft.

Montag, 27. August: Bereits gestern hatten wir den ursprünglichen Tourenplan umgedreht. Eigentlich stand für Montag der Montasch auf dem Programm. Wegen des vielen Schnees, in den Gipfelregionen vermutlich 20-30 cm, verschoben wir dessen Besteigung auf Dienstag. Ziel für heute war die Cima di Terrarossa (2420 m). Unter strahlend blauem Himmel stiegen wir höher, ab ca. 2000 m waren wir im Schnee unterwegs, was auf den schmalen ausgesetzten Bändern unsere volle Aufmerksamkeit verlangte. Einige Bergsteiger kamen uns entgegen und berichteten, es sei zu gefährlich, weiter zu gehen. Na ja, kein Wunder, wenn man mit Turnschuhen unterwegs ist. Auf den Gipfelaufbau der Cima di Terrarossa führt ein Klettersteig, was bei der Schneelage vielleicht ein Problem hätte werden können. Auch führte noch keine Spur nach oben. So querten wir die Cima di Terrarosse weiter zur Forca de lis Sieris (2274 m). Die Mittagspause fiel dann recht kurz aus, weil uns ein eisiger Wind um die Ohren pfiff. Auf dem Rückweg weichte der Schnee langsam auf, was erhöhte Vorsicht erforderte. Bevor wir aus dem verschneiten Gelände kamen, meinte Vroni, eine Schneeballschlacht anzetteln zu müssen. Prompt landete sie selbst auf dem Hosenboden, zum Glück nicht im Absturzgelände. Auffallend waren die vielen Tiere – Murmeltiere, Gämsen und vor allem die majestätischen Steinböcke. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sie sich in steilstem Felsgelände. Vor Menschen haben sie keine Angst, sie lassen einen bis auf wenige Meter an sich herankommen.

Dienstag, 28. August: Heute stand der Montasch, italienisch Jos di Montasio (2753 m), auf dem Programm. Der Morgen ließ uns staunen, da von dem vielen Schnee vom Vortag nicht mehr viel zu sehen war. Das sonnige Wetter am Montag hat den Schnee ziemlich weggefressen, ob genug, würde sich herausstellen. Zudem hatten wir Zuwachs bekommen. Am Abend zuvor fragte uns ein Einzelgeher, übrigens wohnhaft in Teublitz, ob er sich uns anschließen dürfe. In einer Stunde ging es zur Forca die Disteis (2201 m). Der Findeneggweg quert den Montasch in seiner Südflanke. Schon beim Einstieg zeigte sich, dass wir eine absolut alpine Tour vor uns hatten. Zum Teil sehr ausgesetzte Bänder mit lockerem Geröll erforderten absolut sauberes Gehen. Obwohl in manchen Führerwerken als Klettersteig deklariert, gibt es nur sehr vereinzelt Seilsicherungen. Einzige Sicherung waren unsere Steinschlaghelme, da viele Gämsen und Steinböcke auch über uns unterwegs waren. Der Schluchtaufstieg zum Gipfel erforderte immer wieder leichte Kletterei bis zum Grad II, an einer kurzen Passage im unteren Grad III kam dann sogar das Kletterseil zum Einsatz, um die Teilnehmer hochzusichern. In der Schlucht, wo die Sonne nicht überall schien, lag doch noch einiges an Schnee, was die Feinorientierung schwieriger machte, da es kaum Markierungen gibt. Dem Zeitplan hinterherhinkend kamen wir relativ spät am Gipfel an, leider beeinträchtigten Nebelfetzen die Sicht. Für den Abstieg wählten wir den sogenannten Leiterweg. Über eine 60 mtr hohe Leiter, die nicht starr befestigt ist, ging es schwankend senkrecht nach unten. Auf Grund des doch noch reichlich vorhandenen Schnees, vor allem in Rinnen und Mulden, war es schon spät, als wir aus den Felsen ausstiegen. Ursprünglich wollten wir nach dem Abstieg vom Montasch mit dem Auto zu einer Talherberge im Triglav-Nationalpark fahren, da wären wir allerdings erst spät nachts angekommen. Wir hatten keinen oder nur schlechten Handyempfang, aber irgendwann klappte es dann doch, dass ich die Talherberge stornieren und auf der Brazza-Hütte eine weitere Nacht buchen konnte. Diese erreichten wir, als es bereits dunkel war. Da die Wirtsleute nicht mit uns gerechnet hatten, waren die Essensvorräte nicht aufgefüllt worden. Trotzdem kreierten sie uns wieder ein leckeres Essen. Nach einem langen und anstrengenden Tourentag gönnten wir uns schnell ein Feierabendbier, bevor es ab ins Bett ging.

Mittwoch, 29.August: Nach dem Frühstück stiegen wir zum Auto ab und fuhren los in Richtung Slowenien. Unser Anhängsel aus Teublitz nahmen wir auch noch mit bis Sella Nevea. Werner fuhr voraus, plötzlich setzte er den Blinker und fuhr auf einen Parkplatz. Pinkelpause? Nein, rechts blinkte der Lago del Predil herauf. Die Waschgelegenheiten auf der Brazza-Hütte waren ja recht spartanisch, da gönnten wir uns, mangels Badesachen im Adamskostüm, ein erfrischendes Bad, das allerdings in dem sehr kalten Wasser doch sehr kurz ausfiel. Weiter ging die Fahrt nach Slowenien, an Kranjska Gora vorbei zur Aljazev Dom v Vratih (1015 m) am Fuß des Triglav. Dom ist das slowenische Wort für Hütte. Es war bereits 13 Uhr, als wir uns an den Aufstieg zur Dom V Stanica machten. Wir wählten den Tominsekweg, der als Klettersteig deklariert ist und dann auch über längere Strecken Drahtseilversicherungen auswies, wodurch endlich unsere Klettersteigausrüstung zum Einsatz kam. Die 1300 zu überwindenden Höhenmeter ließen uns auf unsere Reserven zurückgreifen und ich überlegte, ob man nicht doch das eine oder andere Ausrüstungsteil sich hätte sparen können. Endlich tauchte das Stanic-Haus (2332 m) vor uns auf, ein anstrengender und kräftezehrender Aufstieg lag hinter uns. Eine sehr freundliche Hüttenwirtin hieß uns willkommen und überraschte uns mit einem kräftigen und guten Abendessen. Nur fünf weitere Gäste waren auf der Hütte und wir hatten ein großes Lager für uns allein. Wir hatten dem Stanic-Haus den Vorzug vor dem Triglav-Haus gegeben. Dieses liegt zwar näher am Triglav, hat aber nicht den besten Ruf und ist oft überfüllt. Da der Aufstieg auf den Triglav nicht allzu lang ist, gaben wir dem eine Stunde entfernten Stanic-Haus den Vorzug, was sich als gute Wahl erwies. Einziges Manko war die Outdoor-Waschgelegenheit am Nebenhaus, natürlich nur mit kaltem Wasser. Der Waschraum in der Hütte wurde erst um 21 Uhr geöffnet, in der Früh um 6 Uhr wurde er wieder zugesperrt. Was soll’s, wir waren auf einem Schutzhaus und nicht im Hotel einquartiert. Nachts pfiff der Wind um die Hütte und wir hörten den Regen gegen die Fensterscheiben prasseln, auch war es sehr kalt. Ich weiß nicht mehr, wer auf die Idee kam, die Fenster offen stehen zu lassen.

Donnerstag, 30. August: Beim Blick aus dem Fenster war alles grau in grau und leichter Regen fiel. Dafür war ausnahmsweise sogar der Waschraum in der Hütte aufgesperrt. Mit einem opulenten Frühstück mit Spiegeleiern mit Schinken, Omelett mit Käse und Brot, Butter und Marmelade wurden wir etwas entschädigt. Dann machten wir uns auf Richtung Triglav, zum Teil mussten wir auch wieder durch Schnee stapfen. Je näher wir dem Triglav-Haus kamen, desto besser wurde das Wetter, es zeigten sich immer wieder kleine blaue Flecken am Himmel. Am Triglav-Haus angekommen waren wir uns einig, dass wir Gott sei Dank nicht hier übernachtet hatten. Es tummelten sich sehr viele Bergsteiger, die Hütte machte auch nicht den saubersten Eindruck. Eineinhalb Stunden sollten es zum Gipfel des Triglav noch sein, wir durften uns heute also etwas Zeit lassen. Der Aufstieg auf den Triglav ist ein leichter Klettersteig und sehr gut mit einem durchgehenden Stahlseil versichert. Der Kleine Triglav, über den unser Weg führte, wird im Volksmund wegen der übermäßig vorhandenen Sicherungen auch das Stachelschwein genannt. Der Regen hatte schon lange aufgehört und die blauen Flecke zwischen den Wolken wurden immer größer. Leider riss es bis zum Triglav nicht ganz auf, wodurch uns der Blick zur Adria leider verwehrt blieb. Der Triglav ist mit 2864 m der höchste Berg Sloweniens. Für jeden Slowenen ist es ein Muss, einmal auf dem Triglav zu stehen. Auch viele Kinder waren unterwegs. Am Gipfel steht eine kleine runde Blechdose, die notdürftig vier Personen Unterstand bietet. Die Slowenen, die das erste Mal auf dem Triglav stehen, lehnen sich dagegen und werden dann mit Bandschlingen ‚ausgepeitscht‘. Nach dem Abstieg entschieden wir uns dann wegen drohender dunkler Wolken, direkt zum Stanic-Haus zurückzugehen. Wir kamen aber trotzdem trockenen Fußes an und konnten den Gipfeltag zufrieden bei Kaffee und Kuchen ausklingen lassen. Als Dreingabe gab es dann noch einen mystisch anmutenden Sonnenuntergang zwischen Wolken und Nebelfeldern.

Freitag, 31. August: Die Nacht war wieder sehr kalt, irgendjemand war erneut auf die Idee gekommen, die Fenster offen stehen zu lassen!!! Nach reiflicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass wieder ich dieser ‚jemand‘ gewesen sein muss. Der Waschraum war wieder aufgesperrt, da es regnete. Zum Abstieg wählten wir den Pragweg. Dieser ist zwar auch als Klettersteig ausgewiesen, auf dem kompletten Weg gibt es allerdings nur sehr wenige Stellen, an denen ein Stahlseil angebracht ist. Ansonsten sind sehr viele Eisenstifte als Tritt- und Griffhilfe angebracht, wo man sich jedoch nicht mit dem Klettersteigset selbst sichern kann. Absolut sauberes Steigen war erforderlich, vor allem wegen der Nässe. Irgendwann hatten wir auch diesen langen und wegen der nötigen Konzentration auch anstrengenden Abstieg hinter uns gebracht. Wir stärkten uns noch im Aljazev Dom und traten dann die Heimfahrt an. Die Ankunft in Amberg war dann spät in der Nacht, 2 ½ h Wartezeit an der Grenze bei Salzburg forderten ihren Tribut.

Fazit: Die Julischen Alpen sind landschaftlich mit ihren tief eingeschnittenen Tälern sehr sehenswert, die Tierwelt am Montasch beeindruckend. Es handelte sich um eine sehr alpine Tour, bei der der komplette Bergsteiger gefragt war. Es war anstrengend und sehr anspruchsvoll, aber schön war’s.

© by GeSie

Tourenbericht 27.08. – 01.09.17: Klettersteig Karnische Alpen

Wieder einmal starten wir mit 8 Personen unsere 6-tägige Klettersteig-Tour, diesmal Richtung Karnische Alpen.
So fahren Josef, Irmgard, Gabi, Klaus, Gerda, Werner, Freddy und ich am Sonntagmorgen zeitig los nach St. Lorenzen im Lesachtal. Zum Glück können wir mit dem Auto noch bis zur Ingridhütte fahren, so dass unser Aufstieg zum Hochweißsteinhaus nur noch eine Stunde dauert. Die gut geführte Hütte umschließen Rasen- und Felskämme mit dem darüber höher gezogenen Horizont des Hochweißsteins. Nachdem wir unsere Lager bezogen und die schweren Rucksäcke umgepackt haben, machen wir uns auf zu einer 1 ½ stündigen Wanderung zur kleinen Rudenspitze und zurück zur Hütte.

Am nächsten Morgen starten wir bei Sonnenschein über das Hochalpjoch Richtung Monte Peralba. Über den Klettersteig „Via ferrata Sartor“ geht es hinauf zum Gipfel Monte Peralba (2.694 m). Der Monte Peralba/Hochweißstein ist zweifellos einer der bekanntesten und am meisten besuchten Berge der Karnischen Alpen. Die Aussicht vom Gipfel ist eine der umfassendsten der Ostalpen. Vielleicht war das der Grund, warum Papst Johannes Paul II diesen Berg am 20. Juli 1988 bestiegen hat. Da das Wetter trotz Gewittervorhersagen noch recht gut ist, entscheiden wir uns für den Abstecher zum Rifugio Calvi. Nach einer kleinen Stärkung mit Kaffee und Kuchen geht unser Weg zurück zur Hütte. Ein doch sehr rasch aufkommendes Gewitter begleitet uns dann noch die letzten Meter. Den Tag lassen wir mit einem gemütlichen, wohl verdienten Abendessen ausklingen.

Dienstagmorgen starten wir erneut bei Sonnenschein auf dem Karnischen Höhenweg. Vom Hochweißsteinhaus führt der Steig über Bergwiesen hinauf zum Öfner Joch (2.011m). Von hier geht es abwärts in ein Almhochtal bis zur unteren Fleonsalm (1.571m). Durch lichte Wälder gelangt man zur verlassenen Sissanis Alm. Hier beginnt wieder ein längerer Anstieg bei großer Hitze. Am Sella Sissanis (1.987m) angekommen steht man vor einem wunderschönen kleinen Bergsee, dem Lago Pera. Weiter geht es zum Giramondo Pass (1.971 m). Der folgende Abstieg ins Wolayer Tal beginnt mit kurzen Serpentinen über eine steile Bergwiese hinunter. Durch ein lichtes Lärchenwäldchen erreichen wir schließlich die flachen Wiesen der Oberen Wolayer Alm (1.709m). Hier ist es Zeit für eine Rast und Einkehr mit Radler und Molke. Noch immer bei großer Hitze geht der letzte Aufstieg über eine Schotterstraße und markiertem Steig in Serpentinen hinauf zum Wolayersee, einem tiefblauen See, umrahmt von einer grandiosen Bergkulisse. Durstig, müde und zufrieden erreichen wir die Wolayersee Hütte (1.967 m). Dieser Abend endet besonders schön mit einem leckeren Abendessen und dem herrlichen Blick auf den See durch ein riesiges Panoramafenster.

Am nächsten Tag steigen wir am See entlang hinunter zum Rifugio Lamberthengi (1.955 m), das nach einem schweren Lawinenunglück 1982 wieder neu aufgebaut wurde. Nach einem kurzen Aufstieg erreichen wir den Sentiero Spinotti, ein sehr schöner Steig mit einfachen, ungesicherten Passagen. Zur Freude aller erreichen wir eine Anhöhe mit blumenreichen Grashängen und dem Blick zum Rifugio Marinelli. Eine traumhafte Sonnenterrasse lädt hier zu einem erfrischenden Getränk ein. Während einige bereits die Zimmer beziehen und einen kleinen Rucksack packen genießen andere den wunderschönen Ausblick und die Sonnenstrahlen. Gestärkt und voller Freude machen wir uns auf den Weg zum Monte Coglians (Hohe Warte 2.780 m). Allerdings ist die Freude schnell getrübt als wir den Weg zum Gipfel erblicken. Ein Geröllhang liegt vor uns. Es geht im steilen Gelände hinauf in ein breites Geröllkar. Der Anstieg ist sehr mühsam und anstrengend, umso glücklicher sind wir als wir den Gipfel erreichen. Hier thront eine riesige Friedensglocke. Das Gipfelpanorama umfasst den gesamten Alpenraum. Nach einem ebenso mühsamen Abstieg genießen wir den Abend im Rifugio Marinelli bei hervorragender italienischer Küche.

Unser vorletzter Tag….. der Morgen überrascht uns in einer Höhe von 2.120 m mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Noch ein letzter Blick zum Rifugio und zum Monto Coglians und wir wandern auf schönen Wegen hinunter zum Plöckenpass.

Zum Abschluss hat Josef für uns den „Oberst-Gressel-Gedenkweg“ ausgesucht. Ein fantastischer Klettersteig, der sich vor allem durch die sehr schöne Felsqualität auszeichnet, man klettert fast immer über kompakte Platten bis hinauf zur Cellonschulter. Nach ca. 2 Stunden haben wir das obere Ende erreicht. Der Abstieg geht auf normalem Wanderweg wieder hinunter zum Plöckenpass.

Am Pass angekommen erreichen wir gerade noch den Bus, der uns den Weg zur Valentinalm etwas abkürzt. Noch eine halbstündige Wanderung und wir kommen alle wohlbehalten an der Valentinalm an. Schnell beziehen wir unser Lager und können noch ein wenig die Sonne genießen.

Unser letzter Abend, wir schauen rückblickend auf die letzten 5 Tage und sind alle einer Meinung, es war alles perfekt: das Wetter, die ausgewählten Touren und Wanderungen und natürlich die Klettersteige…. mein Favorit: der Oberst-Gressel-Gedenkweg…… es wahr genial.

Josef hat wieder mal sein Bestes gegeben, vielen Dank für die Planung und Begleitung auf diesen Touren. Es ist immer wieder aufs Neue schön 🙂

Petra

Tourenbericht 23.-25.06.2017: „Wo die wilden Fräulein hausen“ (Tannheimer Berge)

Als wir uns, dreizehn gutgelaunte, hochmotivierte Wanderer, am Freitag am Parkplatz der Schattwald Seilbahn trafen, stand einem tollen Wochenende nichts mehr im Wege. Wir, das waren Wanderführer Josef mit Frau Irmgard, Doris und Günter, Christine und Mike, Franz, Agnes, Andrea, Cordula, Petra, Vroni und Irene.
Die Sonne meinte es gut mit uns, die Rucksäcke wurden geschultert und um die ersten 500 Höhenmeter zu sparen, genossen wir die Auffahrt im Sessellift.
Die Almwiesen zeigten sich in voller Pracht, die Kühe beäugten uns neugierig und zügig führte uns unser Weg Richtung Grat. Doch auch der Wind zeigte was er kann und blies uns immer kräftiger entgegen. Als er schließlich gefühlte Windstärke 8 erreichte, Josef verwies auf Kachelmann, der 80 km/h gemeldet hatte, entschieden wir uns zum Umkehren Eine gute Stunde am Kamm wäre doch zu viel gewesen, es sollte schließlich keine der Wanderinnen davongeweht werden.
Also marschierten wir auf einem unendlich langen und steilen Schotterpfad auf der anderen Seite fast bis ins Tal, was unseren Knien, Oberschenkeln und Zehen gar nicht gefiel. Beim Abzweig nach Hinterstein galt es eine schwere Entscheidung zu treffen. Wollen wir nochmals 60 Höhenmeter tiefer steigen, um uns im Wirtshaus einen kühlen Schluck zu gönnen oder gleich wieder aufsteigen? Schließlich nahmen wir mit unseren lauwarmen Getränken vorlieb und nach kurzer Rast marschierten wir einen wunderschönen Steig hinauf zur Willersalpe. Einem der Bergfexe setzte der lange Auf- und Abstieg mit 1000 Höhenmeter sowohl auf- als auch abwärts gewaltig zu, doch sein eiserner Wille und der aufmunternde Zuspruch seiner Kameraden brachten auch ihn ans Ziel.

Endlich lag sie vor uns die Willersalpe, eine der ursprünglichsten Allgäuer Sennalpen mit ebensolchen Betreibern. Es gab nur wenig Strom aus Solarzellen, im Lager waren Stirnlampen unerlässlich und zum Waschen war das Wasser angenehm kalt. Vorsorgt wird die Hütte mit Eseln. Sofort genehmigten wir uns ein kühles Bier, welches die Strapazen umgehend vergessen ließ. In der Gaststube wurde mächtig gequalmt und gezecht und der Wirt teilte uns mit, dass am Abend noch eine Feier mit Musik stattfinden sollte. Die Haxn taten weh, wir wollten nur noch die Bergstiefel auszuziehen, und Bier und Radler zischen lassen, denn aus der geplanten 4stündigen Tour war eine mit fast 6 Stunden reiner Gehzeit geworden.
Zum Glück konnten wir unsere Riesenportion Spaghetti mit Käsesoße oder eine Jause mit selbstgemachten Käse im Nebenraum verspeisen und den restlichen Abend bei Bier und Wein auf der Terrasse ausklingen lassen. Georg, ein Allgäuer Bergkamerad gesellte sich zu uns und gemeinsam tauschten wir Erlebnisse aus.
Das Schlafen im Bettenlager war heiß und eng und wurde vom Auftritt des entrüsteten Wirts unterbrochen, der einen Gast (keiner von uns), der vergessen hatte zu zahlen, mitten in der Nacht noch seine Schulden begleichen lies.
Am Samstag stiegen wir bei Nebel auf in Richtung Gaiseck. Doch wenn der Nebel sich lichtete blitzte erst der Vilsalpsee, später der Schrecksee im Tal auf. An einem windgeschützten Platz, kurz vor dem Grat, packten wir unsere Brotzeit aus. Plötzlich tauchte ein junger Mann mit nacktem Oberkörper auf, der bei den Wanderdamen helles Entzücken auslöste und eine besonders Kecke sagen lies, dass sie es langsam leid sei, immer nur von alten Männern umgeben zu sein.
Zum Glück haben unsere Männer ein dickes Fell und unverdrossen ging es auf dem anspruchsvollen Weg, der uns über Schneefelder führte, gespickt mit kleinen Kraxeleien, immer wieder mit Blick auf Schreck- und den Vilsalpsee, weiter zur völlig ausgebuchten Landsberger Hütte. Alle waren schon auf den Hüttenwirt gespannt, der im Internet als unfreundlich und dessen Essen als nicht schmackhaft bewertet war.
Doch wir Bergziegen entlockten dem Wirt manches Lächeln und Gerichte gab es in großer Auswahl, waren reichlich und schmeckten köstlich. Wenn auch der hohe Lärmpegel, verursacht durch die vielen Gäste in der riesigen Gaststube, unsere Gespräche erschwerte, so waren diese doch intensiv und tiefgründig.
Am Sonntag stand der Aufstieg zur Leilachspitze auf dem Programm, doch das Wetter machte uns mal wieder einen Strich durch die Rechnung. In der Früh regnete es in Strömen, sodass wir nach einem gemütlichen Frühstück den steilen, aber kürzeren Abstieg nahmen, wo uns beim Ankommen in Rauth schon der Bus erwartete und uns zurück zu unseren Autos brachte.
Zum Abschluss stärkten wir uns in der „Post“ während draußen mehrere Platzregen runter gingen. Dann ging es wieder Richtung Amberg. Nur zwei ganz Verliebte hängten noch 2 Tage zum Kuscheln dran.
Ein erlebnisreiches Wochenende, super organisiert von Josef und Irmgard ging zu Ende und alle sind dankbar für diese unvergesslichen Tage.

Irene Kraft