Tourenbericht Klettern auf der Ravensburger Hütte Pfingsten 2026

Samstag

Am Samstag geht es zeitig los für Viki, Niklas, Maria, Joris und Sina. Um halb Vier in der Nacht starten wir und fahren Richtung Österreich zu unserem Quartier für die nächsten Tage, der Ravensburger Hütte im Lechquellengebirge. Dort will Niklas manchen von uns erste Einblicke in das Alpin-/Mehrseillängenklettern geben und bereits vorhandenes Wissen erweitern. Torsten und Marlene sind schon einen Tag früher los und haben die Zeit genutzt, um den Winterraum der Hütte zu erkunden und erste Klettermeter zu sammeln.

Aufgrund des frühen Aufstehens und glücklicherweise leerer Straßen kommen wir super Richtung Berge und sind sogar eine Stunde früher am Ausgangspunkt in Zug für den Aufstieg. Zuerst teilen wir Seile und Essen auf. Da darf es natürlich nicht fehlen, die Rucksäcke zu wiegen. Man munkelt, dass eine Person (weiblich, 26) das Gewicht nicht wissen wollte, da ohne Seil schon 19kg auf der Wage standen und das Seil aber nun mal noch mit dabei sein musste.
Kurz nach Acht fängt dann das Abenteuer an und wir gehen los Richtung Ravensburger Hütte. Der Weg ist von einigen Schneefeldern bedeckt, aber der Aufstieg ist problemlos machbar. Nach etwas mehr als zweieinhalb Stunden kommen wir bei brütender Hitze an der Hütte an. Für diese Tour hat es der Wettergott wirklich gut gemeint: Es ist jeden Tag Sonne angesagt.

Nach einer kurzen Pause und Stärkung starten wir zu den Spullerplatten für unsere ersten Mehrseillängen.
Zuerst steigt die Dreierseilschaft mit Joris, Maria und Niklas in die Route „Braunbär“ ein. Es folgt die Zweierseilschaft mit Viki und Sina. Durch diese Konstellation kann Niklas das zuhause Geübte nochmals überprüfen und Ratschläge geben.
Nach erfolgreicher Beendigung der Route gehen wir zurück zur Hütte und kochen Abendessen. Kurz nach uns treffen dann auch Torsten und Marlene ein. Bei einem kurzen Pläuschchen bestätigt sich unser erster Eindruck beim Zustieg, dass auf den umliegenden Klettergipfeln noch ziemlich viel Schnee liegt und die Auswahl für zukünftige Touren etwas begrenzt ist.
Nach dem gemeinsamen Abendessen geht es dann endlich ins Bett, um etwas Schlaf nachzuholen. Trotz dass wir den Holzofen kräftig einheizen, bleibt es doch erstaunlich kalt im Winterraum und so sieht man von manchem nur noch das Gesicht aus den Deckenbergen hervorlugen.

Sonntag

Am Sonntag in der Früh entfliehen wir dem Eiskeller auf unsere Sonnenterrasse vor der Hütte. Nach dem gemeinsamen Frühstück gehen wir wieder zu den Spullerplatten, um dort an den Erfahrungen von gestern anzuknüpfen. Dieses Mal aber in anderen Seilschaften: Den Start in den „Bühlerweg“ machen Joris und Viki, darauf folgt die Seilschaft mit Niklas, Maria und Sina.
In einem sind Maria und Sina sich einig: Platten mit kleinen Tritten und winzigen Leisten sind klasse, aber die Wasserrillen sind doof. Trotzdem haben die beiden „Neulinge“ richtig Spaß am Mehrseillängenklettern. Oben angekommen seilen wir uns wieder ab, da am Nachmittag Niklas und Maria nochmal in die Wand einsteigen möchten. Der Rest von uns hat sich zeitversetzt Richtung Hütte aufgemacht, da der ein oder andere etwas mit der Sonne zu kämpfen hatte. Als dann alle wieder an der Hütte sind, kochen wir wieder gemeinsam, heute stehen Falafel mit Kartoffelpüree – und festhalten: Gurkensalat! – auf dem Menü. Ja, es ist dreimal Salat zum Abendessen geplant. Gar nicht schlecht, bei der Hitze auch etwas Frisches dabei zu haben. Gegen 22 Uhr ist dann auch dieser Tag zu Ende.

Montag

Am Montag beginnt der Tag für einen Teil von uns ganz entspannt auf unserer Sonnenterrasse, um die ganzen Eindrücke von den vorherigen Tagen wirken zu lassen und etwas Kraft zu tanken.
Torsten, Marlene und Joris schauen zur Luggiwand, den Klettergarten hinter der Ravensburger Hütte, um in „Kraut und Rüben“ einzusteigen. Der Name ist zumindest teilweise Programm und so muss man auch mal kräftig ins Gras greifen – sonst hat die Route einige schöne Kamin- und Verschneidungspassagen zu bieten. Nach den zwei Seillängen treten die Drei den Heimweg an, da sie am Dienstag wieder arbeiten müssen. Viki, Niklas, Maria und Sina bleiben noch einen Tag länger, denn Zitat Hüttenwirt: „Seit‘s ihr Studenten, oder warum bleibt ihr länger als der Feiertag?“.

Nachdem Torsten, Joris und Marlene den Heimweg angetreten haben, machen sich die „Studenten“ auf den Weg zu einer leichten Wanderung zum Einstieg der Roggalspitze, um die aktuellen Bedingungen näher anzuschauen. Für diesen Tag ist ein etwas entspannteres Programm angesagt. Eins kann man sagen, wir hatten Spaß an den Schneefeldern beim Abstieg wieder zurück zur Hütte.
Wieder angekommen, wird schnell der Ofen angeschürt und das letzte gemeinsame Abendessen gekocht: Nudeln mit Frischkäse, Feta, Oliven mit Gorgonzola, Sonnenblumenkernen, Parmesan und Karottensalat – essenstechnisch geht es uns auf jeden Fall gut.

Dienstag

Am Abreisetag klingelt der Wecker um 8 Uhr und wir frühstücken ein letztes Mal gemeinsam auf der Terrasse bei einem traumhaften Ausblick auf den Spullersee. Nachdem wir den Winterraum sauber gemacht haben, steigen wir auch in die Luggiwand ein. Maria und Sina klettern „Kraut und Rüben“, wobei die beiden die Route eher „Kraut und Stein!“ getauft hätten. Viki und Niklas steigen in „Lolek und Bolek“ ein. Nachdem wir uns abgeseilt haben, geht es zurück zur Hütte und die Rucksäcke werden für den Abstieg gepackt.
Gegen 14 Uhr steigen wir vollgetankt mit Sonne und lehrreichen Erfahrungen wieder ab. Fast übersehen wir das Auto, das von einem gelben Pollenschleier begraben ist. Jetzt sitzen wir gerade im Auto und schreiben diesen Tourenbericht. Ich muss sagen, danke für diese tollen Tage und danke auch an die tolle Gruppe, es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht!

Winterfreizeit 19.-22.12.2025 der Aktion Bergfreunde

Freitag, 19.12.2025:
Für neun Bergfreunde geht es am vierten Adventswochenende in die Tannheimer Berge. Ausgeschrieben unter dem Titel „Winterfreizeit“ werden Hoffnungen auf Ski- und Schneeschuhtouren geweckt, jedoch vom Schneemangel und der Dezembersonne zunichte gemacht. Und so entscheiden der Wetter- und Schneebericht, dass anstatt der Ski die Klettersachen eingepackt werden. Die Badehose für den Sprung in den Haldensee kann ebenfalls zuhause bleiben, denn dieser ist zugefroren. Trost spenden die vielen vorhergesagten Sonnenstunden und die schneefreien Südwände der Tannheimer Berge.
Für Viki, Joris, Niklas und Torsten geht es am Freitagmittag in Amberg los und auf direktem Weg nach Schattwald in die Selbstversorgerhütte, die den Bergfreunden für die nächsten Nächte als Unterkunft dienen wird. Bei der Fahrt dorthin wird der Topo der Tannheimer Berge eingehend studiert und als lohnend erscheinende Routen für die kommenden Tage werden markiert. Nachdem der Kofferraum entladen und das Lager bezogen ist, wird sogleich mit der Zubereitung des Abendessens, einem Gemüsecurry, begonnen. Pünktlich zum Abendessen treffen auch Savan und David ein. Im Anschluss an das Essen und den Abwasch werden die Aktivitäten für den nächsten Tag geplant.

Samstag, 20.12.2025:
Nachdem am Vorabend noch über die Aufstehzeit diskutiert worden war, läutet der Wecker um 05:30 Uhr das Ende der Nacht ein und nach einem, aufgrund der Uhrzeit eher wortkargen, Frühstück starten eine Stunde später zwei Autos in Richtung Nesselwängle. Unterwegs wird David abgesetzt, welcher mit dem Gleitschirm im Gepäck zweimal auf das Neunerköpfle steigen und anschließend hinabgleiten wird. Die Übrigen beginnen ab dem Parkplatz in Nesselwängle den Aufstieg zur Gimpel Südwand. Nach dem Aufstieg durch den noch dunklen Wald lässt sich auf der Terrasse des Gimpelhauses der morgendliche Sonnenaufgang genießen. Doch übermäßig viel Zeit bleibt nicht dafür, die Kletterer haben Respekt vor den kurzen Dezembertagen. An der in der Sonne liegenden Südwand des Gimpels angekommen, steigen Niklas und Savan in die „Neue Südostkante“ ein. Joris und Torsten folgen nach. Die erste Seillänge soll die anspruchsvollste des gesamten Tages werden. Der Kaltstart in eine noch nicht von der Sonne gewärmte Seillänge lässt die Hände schmerzhaft kalt und die Knie weich werden. Doch bereits am ersten Stand sind die Finger wieder voller Gefühl und warm und die Sonne wärmt Körper und Fels. Der Gipfel des Gimpels belohnt mit herrlicher Aussicht auf die angezuckerten Berge in der Ferne und die grünen Hänge des Tannheimer Tals. Nach dem nordseitig liegenden, verschneiten und teils vereisten Abstieg auf dem Normalweg folgt der steile Weg zum Auto und die Fahrt zurück nach Schattwald. Dort sind als Nachzügler Toni, Paul und Timo eingetroffen, welche bereits mit dem Kochen des Abendessens begonnen haben. Nachmittags kletterten sie noch an der Südkante der Kanzel. Nachdem der Couscousauflauf aus dem Ofen kommt und den Hunger der Bergfreunde gestillt hat, werden Spiele gespielt und der kommende Tag geplant. Ein besonderes Auge auf das (Flug-)Wetter hat hierbei David. Er plant, am nächsten Tag in Richtung Reutte in Tirol zu fliegen.

Sonntag, 21.12.2025:
Am kürzesten Tag des Jahres schellt der Wecker um 05:45 Uhr. Es folgt das gestrige Prozedere. Niklas und Savan sind beim Frühstücken schneller und starten einige Minuten früher in Richtung Nesselwängle. Unterwegs werden David und Joris abgesetzt, David zum Gleitschirmfliegen, Joris zum Wandern. Die übrigen nehmen erneut den Aufstieg zum Gimpelhaus in Angriff. Dort teilen sich heute die Wege. Paul und Timo steigen in die Route „Kuschelrock“ am Vorbau des Gimpels ein, Niklas und Savan warten noch in der Sonne auf die perfekte Zeit für den Einstieg in die Südwestkante der Roten Flüh. Toni und Torsten steigen am Hochwiesler in die „Via Anita“ ein. Nachdem die Kletterer unter idealen Bedingungen speckige Schlüsselstellen, Platten, Wegfindungsschwierigkeiten und den Abstieg zum Gimpelhaus überwunden haben, treffen sie sich alle zum Sonnenbaden auf der Terrasse des Gimpelhauses und beginnen von dort den Abstieg zum Parkplatz. Niklas und Torsten eilen im Laufschritt voraus, um David abzuholen, welcher wie geplant vom Hahnenkamm gestartet und in Richtung Reutte geflogen ist. Auf der Rückfahrt schildert er, dass der Höhenmesser aufgrund des heutigen Südföhns Klänge von sich gab, die man eigentlich in Berliner Nachtklubs erwartet.
Nach einer angeregten Diskussion, ob Knoblauch und Zwiebeln in Käsespätzle gehören oder nicht, gibt es zum Abendessen drei Varianten des traditionellen Allgäuer Gerichtes. Um dem heutigen vierten Advent Rechnung zu tragen, gibt es im Anschluss an das Abendessen Schrottwichteln. Die Beute: „Das Unbewusste“ von Sigmund Freud als Reclamheft, zwei Flurlampen, die spärlichen Überreste eines Wild Country Friends, ein Abseilachter, ein Kalender von 2024 und ein aktueller Adventskalender, ein UNO-Pocket-Spiel mit einer Flasche Sekt, ein Kunstkalender für das Jahr 2026 und als Trainingsgewicht Campingtöpfe aus Edelstahl.
Nach der Planung des letzten Klettertages und ein paar Tassen Punsch und Glühwein ruft auch schon das Lager.

Montag, 22.12.2025:
Am letzten Tag starten Niklas und Torsten früher als die anderen in Richtung Nesselwängle und steigen nach einer spontanen Planänderung in die Westrampe der Roten Flüh ein, wo sie sich über fünf Seillängen Kletterei freuen. Auf dem Abstieg können sie einige Blicke in die Nordwand des Gimpel erhaschen. Da sich die Sonne heute hinter den Wolken versteckt, klettern sie teils in Handschuhen. Auch Toni, Paul und Timo, welche etwas später gestartet sind, erleben in „Wirklich oben bist du nie“ am Gimpel Südostvorbau die frostigen Temperaturen. David fliegt wie am Vortag vom Hahnenkamm in Richtung Reutte. Da die Linienbusse ungünstig getaktet und die Kletterer alle noch auf dem Abstieg unterwegs sind, trampt er kurzerhand zurück nach Schattwald. Dort gibt es noch eine kurze Abschlussrunde und die Gruppe lässt die vergangenen Tage Revue passieren, bevor der Nachhauseweg angetreten wird.

Tourenbericht Alpinklettern im Wilden Kaiser; 15. – 17.August 2025; Aktion Bergfreunde

„Die Regenwasserzisterne auf der Fritz-Pflaum-Hütte ist leer“ – mit ohnehin schon schweren Rucksäcken, vollgepackt mit Kletterausrüstung und Essen für drei Tage, beim Aufstieg in den trockenen Kaiser gibt es Schilder, die mehr Freude in einer Klettergruppe auslösen als dieses. Aber zurück zum Anfang.
Für einen Teil der Aktion Bergfreunde soll es im August für ein Wochenende zum Klettern in den Wilden Kaiser gehen. Für Viki und Niklas beginnt die Tour schon am Vorabend am Parkplatz, weil die beiden schon in der Gegend unterwegs sind, ein zweites Auto startet am Freitag früh von Amberg aus und sammelt Paul, Bene und Savan in München ein. Nachdem alle Staus durchfahren sind und das Essen und Klettermaterial auf die Rucksäcke verteilt sind, wandern wir los Richtung Fritz-Pflaum-Hütte. Diese Selbstversorgerhütte liegt abgelegen auf der Nordseite des Kaisers und soll unser Stützpunkt werden. Nach einer halben Stunde über Forstwege erspähen wir dann einen Zettel an einem Holzstapel. Aus der Ferne vermuten wir zunächst, dass vielleicht der Holzvorrat leer sein könnte und jeder noch einige Scheite Brennholz auf den Rucksack schnallen muss – falsch gedacht, zurück zum Anfang: Die Wasserzisterne ist leer. Ein letzter Bach, so der Zettel, wartet in wenigen Minuten auf uns, noch mindestens eine Stunde und einige hundert Höhenmeter vor der Hütte. Unser kurzes, demotiviertes „Was nun“ wird von der Erkenntnis beendet, keine Alternative zu haben als am Bach nochmal alle Wasservorräte aufzufüllen und dann auf der Hütte die Wassersuche fortzusetzen – nötigenfalls mit Wünschelrute und Regentanz.
So erreichen wir am frühen Nachmittag die wirklich toll gelegene Hütte, packen unsere Sachen aus und freuen uns über den Kaffee, den ein anderer Hüttengast mit geschöpftem Restwasser aus der tatsächlich fast leeren Zisterne gekocht hat. Bene und Savan bieten sich als Testpersonen an. Am Nachmittag steigen Paul, Niklas und Torsten noch in die Gelipfeiler ein und finden lohende Kletterei im sechsten Grad. Savan, Joris und Bene erklimmen die kurze 4-Grad-Leopard, die wie der Name vermuten lässt, keine besonderen Schwierigkeiten bereithält und versuchen sich dann noch im Sportklettergarten an der Hütte. Dass die Routenbeschreibungen aus dem Topo nur schwer auf die Wand übertragbar ist, führt hier zu interessanter Routenwahl – den gesuchten 5er finden die drei nicht. Paul, Niklas und Torsten haben einen längeren Zustieg und kommen so als letztes wieder an der Hütte an. Schnell wird der Couscous angerührt und wenig später aus Gründen der Wasserknappheit und Abspülfaulheit aus einer großen Schüssel verschlungen. Besser als die Wasserversorgung ist die Versorgung mit Bier und Wein – viele Alpinisten haben scheinbar in den vergangenen Wochen aus Angst zu verdursten größere Mengen Alkohol auf die Hütte getragen und die Reste dann der Allgemeinheit zurückgelassen. So verzichten wir auf Gute-Nacht-Tee und widmen uns dem Wein. Noch unsicher wie das Wetter am Samstag werden wird, fallen wir dann doch bald ins Bett.

Der Samstag beginnt gleich mit zwei guten Nachrichten: Das Wetter schaut noch stabil genug aus und Niklas hat oberhalb der Hütte einen zweiten Regenwassertank gefunden. Wir schöpfen einen großen Topf voll, kochen diesen ab und starten dann gestärkt durch Bergsteigerfrühstück (Müsli, Milchpulver, Apfel) zu unseren Touren. Viki und Niklas machen sich wieder talwärts auf die Suche nach ihrer Route, der Rest in die andere Richtung mit Ziel der Tour Schwarzer Peter. Paul dreht nach wenigen Metern um, weil er seinen Helm vergessen hat und nutzt seine Rückkehr zur Hütte gleich noch, um einige Scheite Holz wieder aus dem Feuer zu holen, um zu verhindern, dass die Stube für den restlichen Tag in eine finnische Sauna verwandelt wird. Nach einem letzten Anstieg über einen losen Schutthang finden die fünf ihren Einstieg und beginnen
zügig die erste Länge. Joris und Torsten in der ersten und Bene, Savan und Paul in der zweiten Seilschaft kommen gut voran und freuen sich über einige schöne Kletterstellen. Vor der letzten Länge entscheiden sie sich mit Blick auf den sich verdunkelnden Himmel aber abzubrechen und abzuseilen. Ohne Probleme und vor allem trocken erreichen die fünf dann wieder am frühen Nachmittag die Hütte, wo Niklas und Viki bereits warten. Der Zustieg zu ihrer Tour gestaltete sich als schwierig und nach längerer Suche hatten sich die beiden dann zum Umdrehen entschieden. Den Nachmittag verbringen wir dann gemütlich mit Spielen, Weintrinken, auf den nichtkommenden Regen wartend, unterhaltend und im Klettergarten kletternd an der Hütte. Zurück zur Zisterne – Niklas entscheidet sich später am Tag, doch nochmal einen genaueren Blick hineinzuwerfen.
Er findet: reichlich klares Wasser – puh, doch keine Wassernot mehr. Doch was ist das im hinteren Eck? Hat das…? Pfoten? Wir ersparen den Lesenden hier weitere Details; so viel sei zur Beruhigung verraten: Alle Kletterer konnten die Hütte ohne Magen-Darm-Beschwerden verlassen – vielleicht reinigt Dreck ja doch den Magen. Auf dem Speiseplan steht heute Huskyfood, Nudeln mit Thunfisch und Tomaten. Torsten versucht einige Male, die Spaghetti in kleine Stücke zu zerbrechen, wird aber vom Rest aufgehalten. Nach dem Essen entscheiden wir uns, am Sonntag mehr Priorität auf gemütliches Aufstehen als auf Klettermeter zu legen und lassen den Abend deshalb gemütlich ausklingen.
Am Sonntag früh regnet es dann tatsächlich und dicke Wolken hüllen die Hütte ein. Wir frühstücken, freuen uns, dass niemand über Nacht Durchfall bekommen hat und packen dann zusammen. Nach einem zum Glück trockenen Abstieg erreichen wir mittags die Autos und treten die Heimreise an.

Benedikt Lueger
Bilder: Savan Mack

Tourenbericht: Plaisirklettern in Arco 2025

Donnerstag: Ab dem dritten Mal ist’s Tradition – unter diesem Motto haben unsere Jugendleiter Paul und Bene auch heuer wieder die – jetzt traditionelle – Fahrt nach Arco organisiert. Nachdem der Zeltplatz diesmal tatsächlich schon zum Reservierungsstart im März gebucht und auch der Sektionsbus ausreichend früh reserviert wurde, steht vier Tagen toller Kletterei und Dolce Vita nichts mehr im Weg. Für Bene beginnt der Donnerstag mit der Übernahme des Busses, der verzweifelten Suche nach Campinggas und einem Einkauf, der die einzige Diska-Kasse für mindestens 20 Minuten lahm legt. Nachdem die Klettersachen, Einkäufe und anderen Teilnehmer*innen im Bus verpackt sind, geht es auf Richtung Süden. Am Irschenberg steigt noch Sophia zu, zeitgleich setzt sich in München ein zweites Auto mit Savan und Paul in Bewegung – erstaunlich pünktlich. Auch schon Tradition: der Regen auf dem Weg nach Arco, der aber rechtzeitig aufhört. So erreichen wir den Campingplatz kurz vor Zehn und können unsere Zelte trocken aufbauen und zum Kochen beginnen. Es dauert höchstens eine halbe Stunde, bis uns der freundliche Security des Platzes das erste Mal einen Besuch abstattet und eine Lektion in italienischen Schimpfwörtern mit uns durchgeht. Leiser und gut gesättigt gehen wir dann etwas später ins Bett.

Freitag: Auch das Ausschlafen am Freitag, um den Wänden Zeit zum Trocknen zu geben, hat schon fast Tradition. So gestalten wir den Freitag Morgen gemütlich und machen uns erst gegen Mittag auf. Bene, Sophia und Dine und Paul und Leo fahren mit dem Bus Richtung Parete Zebrate oberhalb von Dro und klettern dort die Man Ilia und Via Trento. In lohnender Genusskletterei geht es zügig voran und alle können an ihrer Vorstiegsroutine arbeiten. Bene versucht sich in verschiedenen Schuhvarianten und klettert die erste Länge barfuß und in seinen Crocs – erfolgreich. Nach dem Abstieg, der zunächst über ein loses Schuttfeld führt, geht es zurück zum Bus, der im Gegensatz zu einem anderen Auto am Parkplatz zum Glück nicht aufgebrochen ist.
Savan und Joris steigen derweil in die Route Caldo Inverno ein, die fußläufig vom Zeltplatz zu erreichen ist. Der Einstieg bietet gleich die ersten anspruchsvollen Kletterstellen sowie ein paar speckige Griffe und Tritte, die über die gesamte Tour immer wieder auftauchen. Die letzte Seillänge wird nochmal richtig herausfordernd, doch Savan steigt den plattigen und etwas speckigen Quergang souverän vor. Beim Abstieg wählen die beiden den falschen Weg und statt eines normalen Wanderweges folgt nochmal ein kleines Abenteuer mit viel Gestrüpp und einer Abseilstelle mit mehreren fragwürdigen Schlingen. 

Samstag: 
Am Samstag geht es für Leo, Niklas, David, Joris und Dine nochmal zu den Sonnenplatten. Beim Zustieg in der Hitze werden kurz die Felswahl und Ausrichtung angezweifelt, aber die Hoffnung auf Wolken nicht aufgegeben. Joris und Dine wollen in die Via Trento und müssen beim Einstieg kurz warten, bis die Seilschaften davor weitergeklettert sind. Durch das Zusammenlegen der ersten zwei Seillängen und die etwas langsameren Vorgänger treffen sie bei den Ständen immer wieder aufeinander, doch Platz ist genug. Ein Blick nach unten zeigt eine mittlerweile etwas längere Schlange bei der beliebten Route nebenan. Nach der Schlüsselstelle über die (Sonnen-)Platten kommt nochmal Genusskletterei und am Ende etwas Schutt zum Ausstieg. Das erklärt auch die regelmäßigen Steinschläge von oben. Oben angekommen warten Joris und Dine im Schuttfeld auf die Seilschaft von David, Leo und Niklas und bewundern währenddessen die Outfitwahl der anderen Kletterer. Von Badeanzug bis Adiletten ist hier alles dabei. 
Sophia und Paul starten vom Campingplatz zur Via Calliope. Die ist schnell gefunden, die erste Seillänge ist dann aber etwas komplizierter. Ein kurzer Kamin, dann eine lange Dreckrampe führen zum ersten Stand. Dem fehlen allerdings die Haken und der einzige Hinweis, dass man richtig ist, sind die noch aus der Wand ragenden Schrauben. Der folgende Kamin fordert etwas Mut und viel Vertrauen in die Füße, bevor lohnende Kletterei mit schönem Blick auf den Colodri die Tour abschließt.
Weil Paul und Bene im Vorfeld von der Route Katia Monte geschwärmt haben, entscheiden sich Savan und Bene, in diese einzusteigen. Kurz vor Abmarsch schließen sich auch noch Toni und Timo an und so machen sich die vier in zwei Seilschaften auf den Weg Richtung Colodri. Die Route führt in einer logischen Linie durch den zentralen Teil des Colodri-Massivs – tolle Blicke und luftige Kletterei sind so fest zu erwarten. Nach zwei 7- Stellen, die zum Teil souverän freikletternd, zum Teil mit Hilfe der Haken, überwunden werden, hält die Wand noch einige tolle Kletterstellen und gänzlich selbst abzusichernde Längen für die Kletterer*innen bereit. Auch von kleinen Wegfindungsfallen lassen sich die vier aber nicht in die Irre führen, und so kommen sie am frühen Abend erfolgreich am Gipfel an. Nach einem Abstecher übers Colodri-Kreuz mit tollem Blick über den See und einer Begegnung mit wegelagernden Ziegen steigen die vier in die Stadt ab, wo noch eine verdiente Pizza wartet. Der Rest macht währenddessen einen Abstecher zum Lago und kühlt sich dort ab.

Sonntag: Für Toni, Sophia, Leo und Dine geht es am Sonntag zur Ferrata-Runde Cima Rocca, die aus vier Klettersteigen besteht. Die geplante Abfahrtszeit um 11 Uhr verschiebt sich (nicht wirklich) überraschend etwas nach hinten, sodass der Anstieg in Biacesa erst um 12:30 Uhr startet. Nach ca. 1 1/2 Stunden und wiederholten „Jetzt müsste gleich der Einstieg kommen!“ kommt der Einstieg dann tatsächlich. Der erste Gipfel Cima Capi (Via ferrata F. Sussati) ist recht schnell erreicht und durch den Ausblick auf den Gardasee sehr lohnenswert. Danach folgt ein kurzer Abstieg und der zweite Klettersteig (Via ferrata M. Foletti) zur Biwakhütte Arcione. Nach kurzer Lagebesprechung und Deponieren der Rucksäcke beginnt der dritte Klettersteig (Sent. dei Camminamenti) hoch zum Cima Rocca, der besonders interessant aufgrund der Schützengräben und Kavernensysteme aus dem Ersten Weltkrieg ist, die auf dem Weg nach oben durchquert werden. Mit Stirnlampen wird den Wegmarkierungen in den Tunneln gefolgt. Zeit, die anderen Abzweigungen im Tunnel auszukundschaften, bleibt leider keine, da die Pizzareservierung am Abend immer näher rückt und noch ein zweistündiger Abstieg bevorsteht. Oben angekommen wird ein letzter kurzer Blick auf den Gardasee geworfen und der Abstieg beginnt. Statt den vierten Klettersteig nehmen die Mädels den etwas schnelleren Normalweg zurück nach Biacesa. Zum Pizzaessen kommen die 4 trotzdem nicht ganz pünktlich, satt werden trotzdem alle. Man munkelt, dass an der Verspätung nur der Wein schuld ist, der bei der Rückfahrt noch eingekauft werden musste…
Während die vier Mädels früh aufbrechen, verschieben Timo, David und Paul ihren Start – ausnahmsweise gewollt – nach hinten. Auch Bene, Niklas und Joris lassen sich noch etwas Zeit, bevor es in die erste Seillänge der Via Elda geht. Nach einer kurzweiligen Kletterei warten schon der Ausstieg und ein Gipfelbuch auf die Drei. Eine frühere Seilschaft hat dort vermerkt, dass sie Schlangen in der Route gesichtet hatten. Die gab es bei uns glücklicherweise nicht, dafür eine sehr schöne Route, die man gerne nochmal klettert. 
Nach einem gemütlichen Vormittag geht es dann für Paul, Timo und David in die mittlerweile im Schatten liegende Mescalito. Dort wird die anfängliche Motivation etwas gedämpft, als die erste Seillänge größere Probleme bereitet als erwartet. Einen schnellen Vorsteigerwechsel später stehen sie trotzdem am ersten Stand. Auch die zweite Seillänge gibt sich nicht kampflos geschlagen. Mit Blick auf die erste Kruxlänge (wunderschöne Plattenkletterei) gibt sich Timo geschlagen und genießt den Kampf vom Boden. Paul kann David noch überzeugen, etwas weiter zu klettern, aber nach einem aufregenden Quergang im Nachstieg ist dann am vierten Stand Schluss und die beiden Seilen ab. So bleibt noch genug Zeit am Campingplatz in den Fluss zu springen, bevor es pünktlich in die Pizzeria geht.
Nach dem gemeinsamen Abschlussessen in einer Pizzeria in der Stadt sorgt der restliche Wein abends noch für einige Lacher, allerdings eher auf unserem Zeltplatz und weniger auf dem der Nachbarn. Nachdem der freundliche Security noch vor den letzten Bergfreunden eingeschlafen ist, können auch diese nach kurzen Sparring-Übungen beruhigt schlafen gehen.

Montag: An unserem letzten Tag stehen wir zeitig auf, da wir vor Mittag den Zeltplatz verlassen müssen. Wer nicht wie eigentlich schon jeden Tag durch die lauten Tauben oder die Sonne früher wach war, wird zu den Klängen von “Guten Morgen, Sonnenschein” und Ähnlichem geweckt. Wie auch im letzten Jahr stehen heute Spiegeleier mit Speck und Semmeln auf dem Frühstücksplan – mit Erschrecken müssen wir jedoch feststellen, dass auf dem gesamten Zeltplatz keine Semmeln mehr aufzutreiben sind und so muss das restliche Brot als Beilage herhalten.
Nachdem wir alles abgebaut und die Autos bepackt haben, fahren wir noch ein paar hundert Meter vom Zeltplatz flussaufwärts zum Einstieg unserer letzten Routen. Paul und Timo steigen schon etwas früher aus und nehmen sich mit der Via Elios eine Route mit schönen Risskletterstellen vor. 
Leo, Dine und David steigen in die Dulcis in Fondo ein. Nach etwas Suchen und Ausschlussverfahren ist der Einstieg der Route gefunden. „Routenname angeschrieben“ laut Topo bestätigt sich nicht. Genauso vergeblich suchen die 3 den 1. Stand und bauen kurzerhand einen Baumstand. Die zweite Seillänge – beschrieben als eine schöne überhängende Platte – stellt sich eher weniger als überhängende Platte dar, ist aber trotzdem sehr schön. Nach dem 2. Baumstand geht es auch schon in die letzte Seillänge – die 4. Seillänge bzw. der 3. Stand wird auch nicht gefunden. Nach etwas Kraxeln im botanischen Bereich kommt nochmal ein kurzes Stück schöne Kletterei und dann auch schon der Ausstieg. Ob das Pareto-Prinzip (20% mehr Abenteuer bringen 80% mehr Spaß) hier bestätigt wird, möchten wir nicht näher beantworten.
Nur ein paar Routen weiter beginnen Bene, Sophia und Joris die Via Nereidi, die tatsächlich angeschrieben ist. Nach den ersten beiden Seillängen kommt am Ende der dritten die Crux, die ein etwa vier Meter langer Hangelquergang darstellt. Der gestaltet sich als äußerst speckig und die Füße stehen den größten Teil nur auf Reibung. Die Stelle wird jedoch von allen dreien gemeistert, und nach der vierten Seillänge wartet bereits der Gipfel.
Die anderen Seilschaften sind auch schon fertig und so treffen wir uns alle bei den Autos für die Abschlussbesprechung sowie eine letzte Abkühlung – die künstliche Stufe im Fluss stellt sich dabei als hervorragende Massagevorrichtung heraus. Ohne richtiges Mittagessen und dementsprechend hungrig, machen wir noch einen kleinen Abstecher in die Stadt, um Pizza und Eis zu kaufen. Die bestellte Menge von sechs Pizzen stellt sich als deutlich zu wenig für elf hungrige Kletterer heraus, zum Glück sind noch einige Snacks für die Heimfahrt übrig geblieben. In Arco trennen sich unsere Wege (zumindest vorerst) und in drei Autos geht es Richtung Bayern. An der Mautstelle vom Brennerpass entdecken die Mitfahrer im Sektionsbus direkt vor ihnen ein Auto mit bekannten Insassen – Niklas und Timo. Ein Beweisfoto wird in die WhatsApp-Gruppe geschickt, nur Sekunden später stellt sich heraus, dass auch der Sektionsbus entdeckt wurde: Savan, Paul und David kommen direkt dahinter angefahren. Nach dem unerwarteten Zusammentreffen trennen sich bei Innsbruck und München dann endgültig unsere Wege, um Mitternacht kommt der Sektionsbus in Amberg an. Bis zum nächsten Jahr!

Noch mehr Bilder gibts auf Instagram

Tourenbericht Sommertour der Aktion Bergfreunde in den Urner Alpen August 2024

Aufbau des Basecamps
Donnerstag, 15. August

Der erste Tag unserer Sommertour beginnt für Viki, Niklas, Sophia, Thomas, Joris und Torsten sehr früh, da wir uns um 6 Uhr an der Kletterhalle treffen. Die erste Aktion des Tages besteht daraus, das ganze Material, Essen, Gepäck und die Räder in und an den Bus zu bekommen. Eine halbe Stunde später sind wir auch schon dabei, David auf dem Weg einzusammeln. Nach guten acht Stunden und einigen Fahrerwechseln erreichen wir den Zeltplatz Mattli in der Schweiz. Kurz bekommen wir Panik, keinen Platz mehr auf der Zeltwiese zu bekommen, da diese schon ziemlich voll aussieht und wir nicht reserviert haben. Die Campingplatzbesitzer meinten auch im Vorhinein, dass müsse man nicht. Wir melden uns an der Rezeption an und sind dann erleichtert, dass wir hierbleiben können. Jetzt geht es auch schon daran, den vollgepackten Bus wieder auszuladen. Während drei von uns das große Zelt und einen Pavillon aufbauen, fahren die anderen mit zwei Schubkarren unsere Sachen quer über den Campingplatz. Als endlich alles verräumt ist, machen wir uns daran, vegane Bolognese zu kochen. Wir müssen feststellen, dass die Menge für einen Anreisetag sehr großzügig berechnet ist. Danach planen wir unsere Tour für den nächsten Tag und gehen auch schon zeitig ins Bett, da es bereits ein langer Tag war.

Bergseeschijen Südgrat
Freitag, 16. August

Da das Wetter am Nachmittag schlecht werden soll, klingelt schon um 5:45 Uhr unser Wecker. Langsam kriechen wir aus unseren Schlafsäcken und frühstücken, zwei Stunden später befinden wir uns auf unserem zweistündigen Zustieg zu unseren Routen am Bergseeschijen. Kurz vor dem Einstieg sehen wir einige Seilschaften in unseren Routen, dem Südgrat und der Via Andrea, die sich am Knotenpunkt an dem die Routen zusammentreffen, stauen. Am Wandfuß bereiten wir unser Material und die Seile vor und können trotzdem wie geplant in einer Zweierseilschaft (Thomas und Viki) in die Via Andrea, einer Dreierseilschaft (David, Niklas und Joris) und einer weiteren Zweierseilschaft (Torsten und Sophia) in den Südgrat einsteigen. David sprintet den Südgrat hinauf, Joris, für den es die erste Mehrseillänge ist, steigt mit Niklas hinterher. Kurze Zeit später steigen zwei Niederländer in den Südgrat ein. Torsten und Sophia begegnen ihnen bei jedem Stand und unterhalten sich auf Deutsch, Englisch und Niederländisch mit ihnen. Da das Wetter nicht vollkommen stabil wirkt, entscheiden Thomas und Viki abzuseilen, Sophia und Torsten klettern noch eine weitere Seillänge und treffen dann mit Blick auf den Grat und die Wolken die gleiche Entscheidung. Sie wollen die Niederländer noch vorbeilassen, schlussendlich seilen sie sich dann aber zu viert ab, da die beiden Niederländer nur ein Einfachseil dabeihaben. Die Dreierseilschaft hat mittlerweile schon den Grat fast hinter sich und vollendet die Tour. Abends besuchen uns noch Freunde in unserem Basecamp und zur Überraschung von Torsten und Sophia kommen die zwei Niederländer mit einer Flasche Weißwein vorbei, um sich für das Abseilen zu bedanken.

Sandplatten
Samstag, 17. August

An diesem Tag sind die Sandplatten unser Ziel. Dass es stark bewölkt ist, ist halb so schlimm, nachdem wir gestern eine gute Portion Sonne tanken durften. Nach den langen Touren erwarten uns jetzt im Reisfresser und der Yin-Yang jeweils vier Seillängen. Unterschätzen darf man sie trotzdem nicht. Hier lernt man genau, was es heißt, auf den Füßen zu stehen. Gut, dass sich unter uns rauer Granit und kein glatter Kalk befindet. Die Bezwinger der Yin-Yang müssen nach dem Abseilen feststellen, dass ihre Schuhe auf einem einsamen Stein darum bangen, überschwemmt zu werden. Im Topo wird vom rasch ansteigenden Fluss gewarnt, aber böse Zungen behaupten, dass die andere schnellere Seilschaft mehr damit zu tun hat, als die Gewalten der Natur. In jedem Fall ist der Kneippgang nach dem Klettern sehr angenehm. Auf dem Rückweg stoßen wir noch auf einen schönen Granitriss. Man kann genau zuschauen, wie es für manche bei jeder Wiederholung leichter wird, den Riss zu erklimmen, während andere den Tag entspannter angehen und beim Geruch von wildem Oregano ein Nickerchen machen. Es gibt nichts zu überstürzen. Der Wetterbericht meldet morgen Regen.

Schlechtwettertag
Sonntag, 18. August

Heute heißt es ausschlafen – es regnet. Das darf schon auch mal sein im Urlaub. Nachdem wir den Großteil des Tages mit dem Essen verbracht haben, brechen wir in einer Regenpause doch noch zu einem Spaziergang auf. Joris hat bei seiner Morgenrunde eine Seilrutsche entdeckt. Den Spaß wollen wir uns nicht nehmen lassen. Niklas hat an alles gedacht und für genau solche Fälle eine Seilrolle eingepackt. Wir verschaffen uns außerdem einen Überblick über die umliegenden Sportkletterfelsen, was sich für morgen noch als nützlich herausstellen wird. Insgesamt war es ein erstaunlich kurzweiliger Pausetag, sodass wir erst später als gedacht wieder zu unserer Lieblingsbeschäftigung, dem Essen, kommen.

Schlechtwettertag und Aufstieg Salbitschijenbiwak
Montag, 19. August

Den Wecker brauchen wir an diesem Tag nicht, da es in der Nacht noch geregnet hat. So stehen wir sehr entspannt auf. Nach dem Frühstück steht die Planung der nächsten Tage an. Ab Nachmittag erwarten wir unsere drei Nachzügler Savan, Paul und Theresa, die neben den Einkäufen auch sehr gutes Wetter mitbringen. Die endgültige Entscheidung verschieben wir vorerst auf später und gehen in den Klettergarten direkt hinter dem Zeltplatz, wo es mehrere Sportkletterrouten und einige hervorragende Tradrouten gibt. Zum Abendessen kündigen sich schließlich auch die Nachzügler an. Als sie da sind, beschließen David, Niklas, Paul, Savan, Thomas und Torsten noch zum Salbitschijenbiwak aufzusteigen, um morgen den Salbitschijen Ostgrat zu klettern. Nachdem alle Rucksäcke gepackt sind, geht es in der Voralpkurve um 19:30 Uhr los. Der alte Weg zum Biwak ist noch in der SAC-Karte zu finden. Nach kurzer Zeit holt sie der Nebel ein, aber zum Glück können sie noch erahnen, wo sie hinmüssen. Im Prinzip ist es auch ganz einfach: nur die Rinne hinauf. Doch der Bach, welcher durch die Rinne fließt, hat einige Steilstufen von unterschiedlicher Schwierigkeit hinterlassen. Die Zeit schreitet leider etwas schneller voran als es ihnen lieb ist und somit kommen sie erst genau um 0 Uhr auf dem Biwak an. Folglich legen sich alle gleich ins Bett, wobei zweien nicht genug Platz im Biwak war, die dann die Bänke vor der Hütte den vollen Matratzen vorziehen.

Ferrata Diavolo und Salbitschijen Ostgrat
Dienstag, 20. August

Nach einem kurzen Nickerchen klingelt der letzte Wecker im Biwak. Müsli und Milch wurde mit hochgetragen, also wird gefrühstückt.
Joris, Sophia, Theresa, und Viki werden gerade vermutlich noch schlafen. Die vier haben sich den Klettersteig an der Teufelsbrücke vorgenommen. Außerdem wollen Joris und Theresa nachmittags noch auf das Salbitschijenbiwak aufsteigen, um am nächsten Tag einen Teil des Fünf-Hütten-Panoramawegs zu wandern.
Auf dem Weg zum Ostgrat kommen David, Niklas, Paul, Savan, Thomas und Torsten über die Salbitbrücke, welche den Aufstieg zum Biwak über die Salbithütte ermöglicht. Vermutlich hätte dieser Weg auch nicht länger gedauert. Die Suche nach dem Einstieg gestaltet sich als unerwartet schwierig und so passiert es, dass sie in der siebten Seillänge ihre Tour starten. Auf dem Weg dorthin haben sie jedoch leider schon zwei der sechs Aspiranten durch den Schlafmangel aus der letzten Nacht verloren. Die beiden machen sich einen schönen Tag an der Salbithütte. In der Route angekommen, geht es fix und so stehen sie um 16 Uhr am Ende des Salbitschijen Ostgrats. Im Hinblick auf den drei- bis vierstündigen Abstieg entscheiden sie sich, keine weiteren zwei Stunden zu investieren, um auf die Gipfelnadel zu klettern. Beim Abstieg treffen sie Joris und Theresa, die auf dem Weg zum Salbitschijenbiwak sind. Am Parkplatz holt sie Viki ab, denn das Abendessen wartet bereits. Frisch gestärkt einigen sich alle sehr schnell darauf, morgen Richtung Bergsee- und Hochschijen zu gehen.

Wanderung zur Voralphütte, Bergseeschijen Südostpfeiler und Hochschijen Südgrat
Mittwoch, 21. August

Wieder einmal beginnt der Tag in dichtem Nebel. Trotzdem entscheiden wir uns für Mehrseillängen, in der Hoffnung, der Nebel würde dort oben schneller aufklaren. Diese Hoffnung bleibt jedoch unerfüllt und so steigen Viki, Niklas, Thomas, Sophia und David in zwei Seilschaften in den Hochschijen Südgrat ein, während sich Torsten, Paul und Savan den Südostpfeiler vornehmen. Die ganzen 13 Seillängen des Südgrats klettern Viki und Niklas im Nebel, erst zum Mittag am Gipfel zeigt sich die Sonne. Thomas, Sophia und David steigen nach ihnen in die Tour ein, haben aber bis auf kurze Momente auch nicht mehr Glück mit dem Nebel.
Während die anderen klettern, setzen Theresa und Joris am Morgen ihre Wanderung bei einer Sichtweite von etwa 15 Metern fort, zum Glück sind die Wegmarkierungen häufig platziert. Kurz nach dem Salbitschijenbiwak tönt ein Alphorn aus dem Nebel, was die mystische Morgenstimmung noch verstärkt. Nach einem doch recht anspruchsvollen Klettersteig mit Leitern und seilversicherten Kletterpassagen ist der Weg zur Voralphütte nicht mehr weit. Nach einem stärkenden Mittagessen auf der Hütte und einer Murmeltierbegegnung steigen Theresa und Joris das Tal hinab und kommen nach einem kleinen Aufstieg wieder am Zeltplatz an.
Viki und Niklas treffen schon kurze Zeit später ein, während die anderen gerade mit dem Abstieg beginnen. Dafür ist das Essen schon fertig, als der Rest der Gruppe wiederkommt. Am Abend stößt noch Johanna von der Sektion Schwabach dazu, die die restlichen Tage mit uns verbringen wird.

Mittlerer Tierberg
Donnerstag, 22. August

Nach einem kurzen Frühstück beginnt unsere Fahrt Richtung Gletscher. Die geplante Abfahrtszeit um 6 Uhr können wir nicht ganz einhalten, dafür macht Niklas auf der leeren Passstraße wieder ein paar Minuten gut. Wie am Vorabend geplant, kommen wir gegen 9 Uhr an der Tierberglihütte an. Da auch ein paar Neulinge dabei sind, teilt Niklas die Seilschaften entsprechend ein. Nach einer kurzen Einführung in das Gehen mit Steigeisen machen wir uns in zwei Fünferseilschaften an den Aufstieg. Die ersten 50 Meter haben wir noch Eis unter den Steigeisen, danach folgt der Schneematsch, der uns bis zum Gipfel erhalten bleibt. Oben angekommen genießen wir zusammen die mitgebrachte Brotzeit und nehmen ein Gruppenfoto mit Savans Drohne auf. Danach machen wir uns gleich an den Abstieg, denn die Spaltenbergung steht noch auf dem Programm. Niklas findet auf dem Weg zur Hütte eine geeignete Spalte und nach einer Einweisung in den Bau von T-Ankern beginnen wir mit der Übung. Viki, Johanna und Torsten erklären sich bereit, in die Spalte zu springen und können anschließend erfolgreich gerettet werden. Die Zeit drängt und unsere Mägen knurren, weswegen wir schnell den Abstieg fortsetzen. Am Auto angekommen erfrischen wir uns noch kurz im eisigen Gletscherbach. Wieder zurück am Zeltplatz sind alle recht müde und vor allem hungrig, aber zum Glück ist Paul schon fast fertig mit dem Kochen.

Pausetag und Aufstieg Salbitschijenbiwak
Freitag 23. August

Noch geschafft von unserer Hochtour am Vortag entscheiden wir uns dazu, den heutigen Tag ruhiger anzugehen. Also schlafen wir aus, und widmen diesen Tag in erster Linie der Nahrungsaufnahme – so wie sich das in einem Basecamp auch gehört. Wir lassen uns also beim Frühstück und Mittagessen entsprechend viel Zeit, wobei Paul und Niklas schon andere Pläne haben. Zusammen mit Bene, der mit Flo die nächsten Tage mit uns verbringen wird und zugleich die Quote Sektion Schwabach/Amberg verbessert, haben sie sich den Westgrat des Salbitschijens vorgenommen. Da wir unseren Zuwachs erst gegen Nachmittag erwarten, entscheiden sich Paul und Niklas bereits zum Biwak aufzusteigen und die erste Seillänge, welche eine der fordernderen ist, mit Seilen zu versehen. Der Rest der Gruppe verbringt die Zeit mit dem Lesen, dem Blättern in den verschiedenen Führern, Funkbetrieb, Nickerchen, Jausen oder eben in Savans Hängematte, umrundet von einer Herde Ziegen. Nachdem wir Flo und Bene kurz in unserem Basecamp begrüßen konnten, macht er sich schon auf dem Weg zum Biwak – schließlich haben die anderen beiden bereits einiges an Vorsprung gewonnen – und der Rest sich auf den Weg zum See nahe des Campingplatzes, um dann wieder von der gleichen Ziegenherde umzingelt zu sein. Nach der kurzen Abkühlung, auf die manche auch verzichten konnten, steht nur noch das Abendessen und die Planung für den nächsten Tag an. Bene hingegen wird am Biwak noch kurz an der Nase herumgeführt, indem ihn Niklas und Paul ihn dazu ermutigen, seine komplette Schlosserei anzuziehen und die erste Seillänge zu klettern, nur um ihn kurz vor dem Einstieg zu eröffnen, dass die hängenden Seile bereits ihnen gehören.

Salbitschijen Westgrat, Dammastock und Kreuzbandweg
Samstag, 24. August

Am Salbitschijenbiwak, in unseren drei Zelten sowie in Savans Camper klingelt an diesem Tag der Wecker um 4 Uhr, schließlich haben wir alle einiges vor. Nach einem mehr oder weniger ausführlichen Frühstück, entweder im Biwak oder im Bus, brechen wir um 5 Uhr am Biwak und am Hotel Belvédère auf. Bevor sich Niklas, Paul und Bene jedoch in 36 Seillängen feinste Granitkletterei und etliche Abseilstellen stürzen können, müssen sie erst noch auf eine andere Seilschaft warten, bevor Sophia, Savan, Johanna, Torsten und David den Rhonegletscher erreichen können, müssen sie erst noch einen Weg zur Eisgrotte finden, und bevor Theresa, Thomas und Joris sich auf den Weg zum Wandfuß machen können, müssen sie erst noch ein Nickerchen im Bus machen.
Nach der Sanierung des Westgrates ist die Orientierung und Absicherung kein Problem mehr, Niklas, Paul und Bene klettern Seillänge nach Seillänge. Nach dem berühmten „Holzkeilriss“, einem knapp 100 Meter hohen Riss, welcher früher nur mit Holzkeilen abgesichert werden musste, heute mit dem 4er Friend, an dem man sich in zwei langen Seillängen emporhangelt, ist anschließend irgendwie der Wurm drin. Nach Wegfindungsschwierigkeiten in der Querungsseillänge und einem anschließenden Seilverhänger beim Abseilen gerät der Zeitplan aufgrund mehrerer teils selbstverschuldeter, teils unglücklicher Fehler aus den Fugen, sodass eine Ankunft auf dem Gipfel vor 20 Uhr immer unwahrscheinlicher wird. Da es abends regnen soll, entscheiden sie sich auf den dritten Turm zu klettern, um die 20 Seillängen vollzumachen und danach umzukehren.
Nach der Eisgrotte können Sophia, Savan, Johanna, Torsten und David am flachen, aperen und spaltenarmen Rhonegletscher einiges an Strecke bei einem geradezu idyllischen Sonnenaufgang gewinnen. Bei einer kurzen Verschnaufpause kommen dann erste Zweifel auf: zum einen wollen sie zeitig die Tour beenden, da es abends gewittern könnte, zum anderen ist der Nebel nun so dicht, dass der Seilschaftserste und –letzte meinen könnte, nur noch in einer Viererseilschaft unterwegs zu sein. Nachdem der Nebel aufklart überwinden sie die letzten Meter zum Gipfel, von dem man dann sogar den Zeltplatz sehen kann. Im Abstieg kommt es dann zu einer Rache der Sulze, die sie im Aufstieg noch verflucht haben, da nun der Eindruck entsteht, bei einer Wattwanderung zu sein.
Mit etwas mehr Schlaf können sich Theresa, Thomas und Joris auf zum Kreuzbandweg machen, so der Name der Mehrseillänge am Klein Furkahorn, die sie sich für diesen Tag ausgesucht haben. Bereits am Wandfuß ist zu erkennen, dass in der ganzen Wand reger Betrieb herrscht. Dort kann Theresa ihre ersten Erfahrungen in Mehrseillängen sammeln, wobei man sich bei anderen Seilschaften praktischerweise gleich abschauen kann, was man besser nicht machen sollte. Nach sechs Seillängen genüsslicher Plattenkletterei nutzen sie die Ausquermöglichkeit und steigen zurück zum Bus ab. Von dort aus starten Theresa und Thomas noch eine kurze Wanderung, bei der sie zufällig gleich bei der Eisgrotte herauskommen. Das ist natürlich ein sehr glücklicher Zufall, da sie dort gleich auf Sophia, Savan, Johanna, Torsten und David warten können.
Zurück am Zeltplatz empfangen Viki und Flo zuerst Sophia, Savan, Johanna, Torsten, David, Theresa, Thomas und Joris mit einem fertigen Couscoussalat, und eine Stunde später dann Bene, Niklas und Paul, womit sich unser längster Tag dann schließlich dem Ende zuneigt.

Abbau des Basecamps
Sonntag, 25. August

Nach der längeren Hochtour am Vortag dürfen wir heute bis 8 Uhr schlafen. Zu dem Klingeln der Wecker gesellt sich das Geräusch von leichtem Nieselregen auf der Zeltplane, denn leider hat es in der Nacht angefangen zu regnen. Ein kurzes Frühstück im Pavillon und dann packen wir alle eifrig unsere Taschen und Schlafsäcke zusammen. Niklas kann den Bus nahe den Zelten parken und eine Kolonne aus fleißigen Händen schafft die Gepäckstücke nach und nach zum Kofferraum. Die nassen Zelte und den Pavillon zerlegen flott mehrere Teams. Das Schlichten und Stopfen der Taschen und Kisten in den Bus hat Niklas im Griff (auch wenn nichts mehr in den Kofferraum gepasst hätte). Endlich alles sicher verstaut, geht es mit Viki zu einer kurzen Feedbackrunde. Gegen Mittag verabschieden wir uns von Savan und Paul, die mit dem Auto in Richtung München aufbrechen. Mit acht Personen eng zusammengekuschelt und etwas durchnässt im Bus fahren wir rund sieben Stunden nach Hause. Ein unerwartetes lautes Geräusch am Fahrzeug verhindert die Weiterfahrt und wir stoppen in Liechtenstein. Nachdem Niklas das Problem schnell mit einer Multifunktionsschere gelöst hat, fahren wir nahezu staufrei bis 18:15 Uhr nach Amberg.