Tourenbericht Alpinklettern im Wilden Kaiser; 15. – 17.August 2025; Aktion Bergfreunde

„Die Regenwasserzisterne auf der Fritz-Pflaum-Hütte ist leer“ – mit ohnehin schon schweren Rucksäcken, vollgepackt mit Kletterausrüstung und Essen für drei Tage, beim Aufstieg in den trockenen Kaiser gibt es Schilder, die mehr Freude in einer Klettergruppe auslösen als dieses. Aber zurück zum Anfang.
Für einen Teil der Aktion Bergfreunde soll es im August für ein Wochenende zum Klettern in den Wilden Kaiser gehen. Für Viki und Niklas beginnt die Tour schon am Vorabend am Parkplatz, weil die beiden schon in der Gegend unterwegs sind, ein zweites Auto startet am Freitag früh von Amberg aus und sammelt Paul, Bene und Savan in München ein. Nachdem alle Staus durchfahren sind und das Essen und Klettermaterial auf die Rucksäcke verteilt sind, wandern wir los Richtung Fritz-Pflaum-Hütte. Diese Selbstversorgerhütte liegt abgelegen auf der Nordseite des Kaisers und soll unser Stützpunkt werden. Nach einer halben Stunde über Forstwege erspähen wir dann einen Zettel an einem Holzstapel. Aus der Ferne vermuten wir zunächst, dass vielleicht der Holzvorrat leer sein könnte und jeder noch einige Scheite Brennholz auf den Rucksack schnallen muss – falsch gedacht, zurück zum Anfang: Die Wasserzisterne ist leer. Ein letzter Bach, so der Zettel, wartet in wenigen Minuten auf uns, noch mindestens eine Stunde und einige hundert Höhenmeter vor der Hütte. Unser kurzes, demotiviertes „Was nun“ wird von der Erkenntnis beendet, keine Alternative zu haben als am Bach nochmal alle Wasservorräte aufzufüllen und dann auf der Hütte die Wassersuche fortzusetzen – nötigenfalls mit Wünschelrute und Regentanz.
So erreichen wir am frühen Nachmittag die wirklich toll gelegene Hütte, packen unsere Sachen aus und freuen uns über den Kaffee, den ein anderer Hüttengast mit geschöpftem Restwasser aus der tatsächlich fast leeren Zisterne gekocht hat. Bene und Savan bieten sich als Testpersonen an. Am Nachmittag steigen Paul, Niklas und Torsten noch in die Gelipfeiler ein und finden lohende Kletterei im sechsten Grad. Savan, Joris und Bene erklimmen die kurze 4-Grad-Leopard, die wie der Name vermuten lässt, keine besonderen Schwierigkeiten bereithält und versuchen sich dann noch im Sportklettergarten an der Hütte. Dass die Routenbeschreibungen aus dem Topo nur schwer auf die Wand übertragbar ist, führt hier zu interessanter Routenwahl – den gesuchten 5er finden die drei nicht. Paul, Niklas und Torsten haben einen längeren Zustieg und kommen so als letztes wieder an der Hütte an. Schnell wird der Couscous angerührt und wenig später aus Gründen der Wasserknappheit und Abspülfaulheit aus einer großen Schüssel verschlungen. Besser als die Wasserversorgung ist die Versorgung mit Bier und Wein – viele Alpinisten haben scheinbar in den vergangenen Wochen aus Angst zu verdursten größere Mengen Alkohol auf die Hütte getragen und die Reste dann der Allgemeinheit zurückgelassen. So verzichten wir auf Gute-Nacht-Tee und widmen uns dem Wein. Noch unsicher wie das Wetter am Samstag werden wird, fallen wir dann doch bald ins Bett.

Der Samstag beginnt gleich mit zwei guten Nachrichten: Das Wetter schaut noch stabil genug aus und Niklas hat oberhalb der Hütte einen zweiten Regenwassertank gefunden. Wir schöpfen einen großen Topf voll, kochen diesen ab und starten dann gestärkt durch Bergsteigerfrühstück (Müsli, Milchpulver, Apfel) zu unseren Touren. Viki und Niklas machen sich wieder talwärts auf die Suche nach ihrer Route, der Rest in die andere Richtung mit Ziel der Tour Schwarzer Peter. Paul dreht nach wenigen Metern um, weil er seinen Helm vergessen hat und nutzt seine Rückkehr zur Hütte gleich noch, um einige Scheite Holz wieder aus dem Feuer zu holen, um zu verhindern, dass die Stube für den restlichen Tag in eine finnische Sauna verwandelt wird. Nach einem letzten Anstieg über einen losen Schutthang finden die fünf ihren Einstieg und beginnen
zügig die erste Länge. Joris und Torsten in der ersten und Bene, Savan und Paul in der zweiten Seilschaft kommen gut voran und freuen sich über einige schöne Kletterstellen. Vor der letzten Länge entscheiden sie sich mit Blick auf den sich verdunkelnden Himmel aber abzubrechen und abzuseilen. Ohne Probleme und vor allem trocken erreichen die fünf dann wieder am frühen Nachmittag die Hütte, wo Niklas und Viki bereits warten. Der Zustieg zu ihrer Tour gestaltete sich als schwierig und nach längerer Suche hatten sich die beiden dann zum Umdrehen entschieden. Den Nachmittag verbringen wir dann gemütlich mit Spielen, Weintrinken, auf den nichtkommenden Regen wartend, unterhaltend und im Klettergarten kletternd an der Hütte. Zurück zur Zisterne – Niklas entscheidet sich später am Tag, doch nochmal einen genaueren Blick hineinzuwerfen.
Er findet: reichlich klares Wasser – puh, doch keine Wassernot mehr. Doch was ist das im hinteren Eck? Hat das…? Pfoten? Wir ersparen den Lesenden hier weitere Details; so viel sei zur Beruhigung verraten: Alle Kletterer konnten die Hütte ohne Magen-Darm-Beschwerden verlassen – vielleicht reinigt Dreck ja doch den Magen. Auf dem Speiseplan steht heute Huskyfood, Nudeln mit Thunfisch und Tomaten. Torsten versucht einige Male, die Spaghetti in kleine Stücke zu zerbrechen, wird aber vom Rest aufgehalten. Nach dem Essen entscheiden wir uns, am Sonntag mehr Priorität auf gemütliches Aufstehen als auf Klettermeter zu legen und lassen den Abend deshalb gemütlich ausklingen.
Am Sonntag früh regnet es dann tatsächlich und dicke Wolken hüllen die Hütte ein. Wir frühstücken, freuen uns, dass niemand über Nacht Durchfall bekommen hat und packen dann zusammen. Nach einem zum Glück trockenen Abstieg erreichen wir mittags die Autos und treten die Heimreise an.

Benedikt Lueger
Bilder: Savan Mack