Tourenbericht: Kampermauer, alpines Mehrseillängenklettern in Oberösterreich

Mittwoch, 25. Mai bis Samstag, 28. Mai 2022

Geplant waren vier Tage; dem Wettergott aber gefiel es, unserem Häuflein nur 2 Tage Kletterspaß an der Kampermauer an der Grenze Oberösterreich/Steiermark zu gewähren. Was wir aber aus diesen Tagen machen würden, das würde allein in unserer Hand liegen. Wir, das waren Helmut Weber, Stefan Irlbacher, Thomas Ratzke (der „Kleine“) und Rudi Bothner.

Mittwoch Abend quartierten wir uns bei Renate Weißensteiner in Unterlaussa ein. Die Pension einfach, schöne Zimmer und eine urgemütliche Wirtin. Bei der Anfahrt mussten wir bereits zur Kenntnis nehmen, dass die Kampermauer, das Objekt unserer klettersportlichen Begierde, vor Nässe trieft. Da hatte uns der Wetterbericht aber deutlich bessere Aussichten versprochen. Am Donnerstag, nach künstlich ausgedehntem Frühstück, dann Bestandaufnahme vor Ort, direkt an der Wand: Ein Riss im unteren 6. UIAA-Grad, der „Piazweg“, müsste trotz einiger nasser Passagen zu machen sein und auch knapp rechts daneben, Riss mit Ausstiegsplatte im oberen 6. Grad, die „Palatschinke“ könnte gehen. Einklettern ist nicht – von den Vorsteigern wird sofort voller Einsatz und in den Feuchtstellen der Risse eine solide Klemmtechnik verlangt. Die gute Absicherung und das entsprechende Können der Vorsteiger gewährleisten sicheres Emporsteigen. Allen Teilnehmern gelingt der Durchstieg. Ob irgendeiner einen oder zwei kleine Hänger hatte, habe ich schon wieder vergessen. Mittags wühlt sich die Sonne durch die Wolken, die Wand trocknet zusehends ab. Helmut und Thomas haben sich als Pärchen gefunden und steigen in die „Hermeline“ ein. 175 Meter Kletterlänge und der untere Sechser sind geboten, die Absicherung in den Viererlängen komfortabel. Seltsamerweise finden sich in der Schlüsselseillänge die weitesten Abstände bei heikler Plattenschleicherei und mit seichten Auflegern im Griffangebot. Durchziehen und Durchreißen ist nicht.

Stefan und Rudi geben sich die „Vegetarierkante“. In ebenfalls 175 m Kletterlänge wird nur ein schwacher Fünfer verlangt. Dafür gibt es keinerlei Haken als Zwischensicherungen, nur an den Ständen glänzt es silbern. Die Route wurde vor Jahren wegen Überbeanspruchung von lokalen Bergführern ausgenagelt – die Orientierung ist aufgrund der fehlenden Hakenlinie nicht ganz einfach.

Freitag, Klettertag Zwei: Helmut und Thomas haben sich für die „Superdiagonale“ verabredet. 300 Meter Kletterlänge, kaum eine Seillänge unter Fünf plus; die Schlüsselpassage ist noch feucht, dafür aber im 6. Grad angesiedelt. Eine Linie, die auch sehr gut in den Wilden Kaiser oder ins Wetterstein passen würde. Beide Matadore klettern bzw. kletterten in ihren guten Tagen schon mal Achter, müssen heute aber alles auspacken, um die Route in einwandfreiem Stil hinzubringen. Aber was anderes hätten wir auch gar nicht akzeptiert. Stefan und Rudi gönnen sich erst mal die „Hermeline“. Wir gehen in Wechselführung, haben uns die Route aber so eingeteilt, dass die Schüsselseillänge an mich fällt. „Mann oh Mann!“, war das wackelig. Ich muss unbedingt an meiner Tritttechnik und an meinem Gleichgewichtsgefühl arbeiten. Über die Abseilpiste und mittels 60 Meter langen Doppelseilen geht’s „ruckizuck“ zurück zum Einstieg. Was tun? Helmut und Thomas werden noch längere Zeit beschäftigt sein. Wir dagegen entscheiden uns, die „Wasserfallkante“, 190 m, V plus, dranzuhängen. Das Einstiegsüberhänglein fordert schon mal etwas Bizepspower, lässt sich aber mit einem kurzen Rechtsschlenker entschärfen. Dann würde die Route mittels Quergang nach rechts abbiegen. Aber direkt über uns lockt eine überaus steile, dolomitige Rissverschneidung. Sie ist durch eine Vielzahl mattierter, kleiner Bühler perfekt abgesichert. Das müssen wir uns näher ansehen! Der Fels ist absolut rau, keine einzige speckige Passage. Mit viel Einsatz, einer noch brauchbaren Klemmtechnik auf Finger, Hand und Faust und einem passablen Bewegungsgefühl gelingt die Begehung im „Onsight“. Zwei Bühler bilden den Abschlussstand und wiederum geht’s mit unseren Doppelseilen Richtung Tal.
Samstagfrüh dann die Ernüchterung: Es gießt aus allen Rohren. Die Überlegung, mit einem Wandertag die Regenphase zu überbrücken, wird angesichts der massiven Wolkendecke schnell verworfen. Rechnung bezahlen und heim an die Felsen der Oberpfalz und Frankens. Der Schlusssatz stammt von Stefan Irlbacher: „Ja, das war ein echt schönes Wochenende. Eine absolut nette Truppe. Da fahre ich gerne mal wieder mit.“
Nüchternes Fazit: 2 Tage, 4 Kletterbuben am Fels, 920 Klettermeter, Schwierigkeiten bis zum oberen 6. Grad.

Tourenbericht: Gemeinsam zwei wunderbare Tage auf und abseits der Piste

11. – 13. März 2022, Skifahren am Fellhorn
JDAV Aktion Bergfreunde

Für die Gruppe „Bergfreunde“ ging es gemeinsam mit einem kleinen Teil der Sektion Schwabach zum Skifahren.

(Georg, Anton, Savan, Bene, David, Viki, Niklas, Stephi, Sophia, Nadine & Christoph)

Freitag, 14 Uhr war unser Treffpunkt der Parkplatz am Hockermühlbad. Nachdem die Packliste nochmal kurz überflogen wurde, saß ein Großteil von uns im Bus und wir fuhren los. Am ersten Haltestopp in Schwabach sammelten wir Christoph, Georg, Anton und Viki mitsamt Skiausrüstung ein. Nach kurzem und energischem Stopfen ging die Dachbox, in der mittlerweile zehn Paar Skier waren, sogar zu. Und blieb es auch die ganze Fahrt über, entgegen den Voraussagen der zuschauenden Taxifahrer.

Während der Fahrt gab es schon die ersten Biere. Irgendjemand fragte: „Bene, fährst du durch oder brauchst du nen Wechsel?“, woraufhin dieser entgegnete, er könne schon durchfahren – im selben Moment wurden im ganzen Bus die Flaschen geöffnet, so gab es Bier für alle außer den Fahrer und nach einer unkomplizierten Fahrt, abgesehen von zu vielen Pinkelpausen erreichten wir unser Hostel.

Gleich im Anschluss trafen wir uns draußen im Schnee – die meisten von uns hatten noch nie ein LVS-Gerät oder eine Lawinensonde in der Hand oder von Lawinenproblemen und Gefahrenmustern gehört. Georg und Christoph gaben uns deswegen einen Lawinen-Crashkurs. Gemeinsam setzten wir uns in diesem mit Lawinenvorhersagen, Tourenplanung, dem richtigen Verhalten am Berg und den Maßnahmen im Falle eines Lawinenabgangs auseinander. Während der Rest bei einer praktischen Übung nach verbuddelten LVS-Geräten suchte, machte sich Bene auf, um David vom Oberstdorfer Bahnhof abzuholen. Kurz vorm Bahnhof wartete jedoch eine rote Kelle auf ihn. Bene war ins Visier der Oberstdorfer Dorfpolizei gelangt. Folgender Gesprächsverlauf gibt die Kontrolle im Wortlaut wieder.

Polizist: „Guten Abend, allgemeine Verkehrskontrolle. Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte. Gab es heute schon Alkohol?“
Bene: „Ja, für alle außer mich.“ (Ein Glück, dass wir am Mittag nachgeschaut haben, wo der Fahrzeugschein ist.)
Polizist: „Na, des tut mir aber leid. Gute Weiterfahrt noch.“

Ohne zu wissen, wo überhaupt das Warndreieck gewesen wäre, konnte Bene dann weiter und David einsammeln. Zurück am Hostel hatten die Übrigen gerade die verschütteten Geräte gefunden, so konnten wir gemeinsam zum Kochen beginnen. Klassisch gab es Nudeln mit Pesto. Wir saßen noch bis spät in die Nacht zusammen und erwarteten Niklas und Savan, die arbeitsbedingt erst später loskonnten. Jetzt waren wir vollzählig.

Der Samstag begann für uns relativ früh, beim Frühstück trafen wir uns wieder. Erstaunlich pünktlich schafften wir es anschließend nach einem kurzen Materialcheck auf in Richtung Fellhorn-Talstation. Dank unseres frühen Aufbruchs waren die Schlangen für Lift und Gondel noch überschaubar. Während die ersten schon in Richtung Bergstation fuhren, da sie nicht mehr warten konnten vor Freude, teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Gruppe Nummer zwei stürzte sich langsam ins Abenteuer. Gegen Mittag trafen wir uns, um gemeinsam den Rest des Tages zu besprechen.

Wir entschieden uns, wie von Georg und Christoph geplant, eine Variantenabfahrt, also eine Freeride-Tour abseits der präparierten Pisten, östlich der Kanzelwand zu machen. So schnallten wir unsere Skier auf die Rucksäcke, um wenige Minuten zu unserem Startpunkt aufzusteigen. Oben angekommen wurde erstmal Mittagspause in der Sonne gemacht. Dieser kurze Fußmarsch hatten gereicht, um jetzt völlige Stille mit herrlichem Ausblick um uns herum zu haben. Nach der Pause probierten wir mit verschiedenen vergrabenen Gegenständen und Körperteilen noch aus, wie es sich anfühlt, mit einer Sonde nach einem Menschen, Rucksäcken und Steinen zu suchen, dann machten wir uns fertig für unsere Abfahrt. Für einige von uns standen erste Erfahrungen im Tiefschnee an, kein Wunder also, dass die Anspannung stieg. Während die ersten vorbei an Georg über eine kleine Kante in den Talkessel einfuhren, der von hier oben plötzlich erstaunlich steil aussah, meisterten der erfahrene Teil unserer Gruppe die ersten Schwünge elegant. Für manche von uns stellte es jedoch eine größere Herausforderung dar, als zuerst angenommen. Erste Stürze ereigneten sich ebenso wie ein Urschrei, als Bene seine erste Kurve fuhr und dabei plötzlich sehr schnell wurde. Langsam fanden wir unser Tempo und konnten so bei immer noch traumhaftem Wetter einen großen Teil des Hangs abfahren. Einen Counter wer wie oft hingefallen war, wäre bei dieser Abfahrt wäre zu lustig gewesen. Wir hatten eine Menge zu lachen – aber keine Sorge, es gab keine Verletzten.

Schwieriger wurde es erst wieder, als das Gelände von Büschen und kleinen Latschen durchsetzt war. Diese zu Umfahren, stellte sich teilweise als gar nicht so einfach heraus. Aber auch diese Etappe absolvierten wir gemeinsam, am Ende dieser ereignisreichen Tour stand nur noch ein Ziehweg, der zurück zur Piste geschoben werden musste und sich, wie schon der Name sagt, zog. Nach einer letzten Talabfahrt kamen wir dann wieder zurück ans Auto und trafen uns dort mit Paul wieder, der wegen einer Knieverletzung nicht mit zum Skifahren gekommen war und stattdessen das Fellhorn in Teilen zu Fuß bestieg.


Während sich der Rest der Gruppe in die Liftschlange stellte, machte ich mich zu Fuß auf den Weg. Ich bin Paul und kann auf Grund eines Fahrradsturzes und den daraus folgenden Knieschmerzen noch nicht wieder Ski fahren.

Ein Wochenende in den Bergen konnte ich mir aber auch trotz körperlicher Einschränkungen nicht nehmen lassen. Statt Skiern hatte ich mir Schneeschuhe eingepackt, um so die Berge zu erkunden. Für den ersten Tag war die Tour auf das Fellhorn geplant. Vorbei an der wartenden Masse an Ski- und Snowboardfahrer:innen ging es für mich in den Wald. Nach anfänglichen Orientierungsproblemen habe ich doch bald meinen Weg im verschneiten Wald gefunden. Nach den ersten Metern wurde mir doch sehr warm und so fing ich an mich langsam auszuziehen. Erst die Daunenjacke, dann den Pulli, bis ich nur noch im T-Shirt unterwegs war. Da im Tal abseits der Piste doch eher wenig Schnee lag, hatte ich meine Schneeschuhe die erste Stunde am Rucksack getragen. Nach den ersten 300 Höhenmetern wurde brauner Boden immer seltener, sodass ich mir an an einer idyllischen Holzhütte meine Schneeschuhe unter die Schuhe schnürte.

Nach den ersten wackligen Schritten war ich schnell begeistert, wie zügig und mühelos ich auf einmal über den Schnee laufen konnte. Langsam kam ich der Piste wieder näher und verlor im Tiefschnee meinen Weg. Oder vielleicht verschwand dieser auch nur unterm Schnee aus meinen Augen. Es ging dann für mich der Nase nach dem Berg hoch. Bestimmt nicht der klügste oder einfachste Weg, denn bald lernte ich die Grenzen meiner Schneeschuhe kennen, als ich bis zum Knie im Schnee versank und die Steigung einfach nicht weiter hochkam. Ein paar klügere Entscheidungen später stand ich dann aber auf der Piste ohne erkennbare Alternative. Nach kurzem Überlegen akzeptierte ich meine Situation und machte mich an den anstrengenden, langsamen und nicht so schönen Weg die Piste hinauf. Eine kleine Ewigkeit und einige überraschte Blicke der vorbeifahrenden Skifahrer:innen später hatte ich – mittlerweile in kurzer Hose – die Bergstation der Fellhornbahn erreicht. Doch der Gipfel lag noch 300 Höhenmeter entfernt, hinter einem unberührten Schneefeld. Einem Naturschutzgebiet. Meine Gipfeltour war damit erstmal unterbrochen. Die Optionen waren eine Skipiste runterzulaufen oder eher rutschen nur um zwei andere wieder hochzulaufen oder mit der Gipfelbahn abzukürzen. Da ich nicht unbedingt die Länge meiner Tour verdoppeln wollte saß ich bald in der Gondel zum Gipfel. Die letzten Meter zum Gipfelkreuz waren schnell geschafft und ich hatte mein Ziel erreicht. Die nächsten Stunden verbrachte ich erst in Gesellschaft dann allein auf dem Gipfel in der Sonne, genoss die Aussicht, etwas zu essen und die Ruhe.

Der Abstieg ging deutlich schneller. Ich fuhr mit der Gondel herunter, um doch noch etwas Gutes für mein Knie zu tun. Während ich nun wieder im Tal auf den Rest der Gruppe wartete, packte ich meine Po-Rutscher aus und fuhr zumindest so noch ein paar Mal einen kleinen Hang ab.


Ein Teil fuhr danach zum Einkaufen, der Rest zurück Richtung Unterkunft. Mittlerweile hatten wir teils so großen Hunger, dass schon angezweifelt wurde, ob das geplante Gericht uns überhaupt alle satt machen könnte. Dank der generalstabsmäßigen Planung von Viki wurde aber auch dieses Essen, Wraps mit Ofengemüse, nicht nur sehr lecker, sondern sogar so viel, dass wir am Sonntag noch davon essen konnten!

Nachdem wir zu zwölft für mindestens zwei Stunden die Gemeinschaftsküche im Hostel blockiert hatten, überließen wir diese doch mal den restlichen Anwesenden und gingen zum gemütlichen Teil des Abends über – Bier, Kicker, gute Unterhaltungen, restliches Ofengemüse, Marius, Uno und letzte Runden an der Bar sorgten dafür, dass die Nacht für manch einen wieder kürzer wurde als geplant.
Nichtsdestotrotz starteten wir am nächsten Tag wieder mit einem reichhaltigen Frühstück in den Tag und fuhren dann wieder ins Skigebiet.

Erneut warteten Kaiserwetter und tolle Pisten auf uns. Wir teilten uns wieder in zwei Gruppen auf. Während Georg einem Teil unserer Gruppe den Vormittag über einen kleinen Auffrischungs-Skikurs gab, kümmerte sich die Speed-Gruppe um weißes Pulver und sammelte fleißig Pistenkilometer.

Beide Gruppen hatten einen erfolgreichen Vormittag, wie wir uns in der gemeinsamen Mittagspause berichteten. Den Rest des Tages verbrachten wir wieder zusammen und nutzen unseren zweiten Skitag voll aus! Im Laufe des Nachmittages leerten sich dann auch die Pisten allmählich, was uns noch einige lohnende Abfahrten bescherte.


Nachdem die anderen erneut zum Skifahren in Richtung Lift aufbrachen fuhr ich ins Tannheimer Tal, um dort eine entspannte Schneeschuhtour in flacherem Gelände zu gehen. Am Parkplatz lag jedoch schon kaum noch Schnee, sodass ich meinen ursprünglichen Plan schnell verwarf und ich mir stattdessen die Berge auf der anderen Seite des Tals genauer anschaute.

Einmal umgeparkt, den Rucksack aufgesetzt und los ging es Richtung Berg. Da sich mein Tagesziel schon einmal geändert hat, hatte es mir wenig ausgemacht als mir auffiel, dass ich gar nicht am richtigen Parkplatz gelandet war. Ich hatte ein ungefähres Ziel vor Augen und habe mich auf den Weg gemacht. Nach meiner Erfahrung gestern hatte ich gelernt und bin so gleich leichter bekleidet gestartet. Be Bold – Start Cold. Anfangs ging es recht steil in der Nähe einer Piste bergauf, bis das Gelände etwas abflachte und offener wurde. Ich befand mich in einem weiten Kessel. Rechts ragte der Ponten mit seinen vielbefahrenen Hängen in die Höhe, links war die Rohnenspitze steinig karg und fast schneefrei um den Gipfel zu sehen. Geradeaus lief ich auf das Zirleseck zu, was mein nächstes Ziel war. Ich war jedoch nicht allein zwischen den Spitzen unterwegs. Das gute Wetter haben viele Skitourengeher ausgenutzt, um die umliegenden Hänge zu befahren. Ungefähr auf der Hälfte des Anstieges zum Zirleseck unterhielt ich mich mit einer Gruppe Skitourenengeher:innen über deren und meine weiteren Pläne und verwarf meinen danach erneut. Statt den direkten Weg zu nehmen, stieg ich weiter entfernt von meinem Ziel auf um über einen Grat dorthin zurückzukehren. Trotz meiner Bemühung die steilste Stelle des Hanges zu Umgehen fand ich mich in dieser wieder und kam stark schnaufend auf dem Grat an. Doch der Umweg hatte sich gelohnt. Der Blick auf den Ponten, die Rohnenspitze und die sich nach Süden ausbreitenden Alpen hatte hat die Mühen schnell vergessen gemacht. Fast leichtfüßig ging es den Grat entlang bis zu einer kleinen Schutzhütte in der Sonne, bei der ich eine kleine Pause machte und mich stärkte, bevor es weiter auf den Gipfel der
Rohnenspitze ging. Mit den Schneeschuhen auf dem Rücken war auch das letzte Stück kein großes Problem mehr. Oben angekommen genoss ich noch ein letztes Mal die Aussicht, bevor ich mich an den Abstieg machte. Gute 700 Höhenmeter über meinem Startpunkt, dem Parkplatz, klingelte dann mein Handy. Georg rief an: “Servus Paul, wo bist du na? Wir wären so langsam fertig und du könntest uns wieder einsammeln.” Mit dem Blick, auf den noch vor mir liegenden Weg verzichtete, ich auf Trödelpausen und fand mich so schneller als gedacht am Start der Skipiste wieder. Ab jetzt ging es schneller. Ich zog meine Schneehose und den Po-Rutscher aus dem Rucksack und begab mich auf meine einzige Talabfahrt des Wochenendes. Sitzend raste ich nun schneller als gehofft die Piste runter und kam schneebedeckt, aber unversehrt wieder am Auto an.


Gegen 16 Uhr erreichten wir, nachdem wir noch einen Abstecher über den Funpark gemacht hatten, wieder die Talstation, wo wir in der Sonne auf Paul mit dem Bus warteten – spätestens hier machte sich die etwas kürzere Nacht beim einen oder anderen bemerkbar.

Kurz in der Sonne eindösen hat doch eben etwas sehr Meditatives. Erstaunlicherweise hatten wir das Wochenende über keine verletzten Teilnehmer, nur leider einen geringen Materialverlust. Savan hatte irgendwann am Nachmittag seine ausgeliehene Skibrille verloren, ohne es zu merken. Dank des Entgegenkommens des netten Skiverleihs Sport Raumberger musste er aber nicht die ganze Summe zurückerstatten!

Am Parkplatz packten wir alles strukturiert nach Haltestopps und Personen in den Bus und das Auto ein. Schnell hatten wir noch Getränke aufgefüllt, uns umgezogen, nochmal einmal die Blase entleert und dann ging es Heimwärts. Niklas und Savan brachten David zum Bahnhof und fuhren über Regensburg nach Hause. Der Rest befand sich im Bus und fuhr über Schwabach zurück.

Circa um 21 Uhr erreichten alle die nach Amberg wollten, Amberg. Selbst für die arbeitende Bevölkerung unter uns, die am nächsten Tag wieder früh raus mussten, war das eine akzeptable Zeit. Paul und Viki kümmerten sich noch darum, dass der Bus ordnungsgemäß seinen Weg zum Autoverleih fand. Bei dieser simplen Aufgabe wurde es doch noch etwas chaotisch. Dennoch war der Bus sauber, nach zwei Versuchen auch endlich vollgetankt, beim Besitzer. So endet dieses Wochenende und somit auch dieser Tourenbericht.

Uns bleibt noch Georg und Christoph ein großes Dankeschön für die Organisation, Tourenplanung und Geduld zu übermitteln und Anton, der Anni die Stornogebühren durchs Mitfahren ersparte, Savan, der Niklas Gesellschaft leistete beim Nachkommen und Viki für die Unterstützung aus Amberg zu danken.

Geile Truppe – bis zum nächsten Mal!

Tourenbericht: Skitour in Norwegen vom 28.02. – 12.03.2022

Am 28.02.2022 um 4 Uhr morgens ging es los. Nach 2h bei der Gepäckaufgabe hatten wir auch den Flughallenleiter von der Flugtüchtigkeit unserer LVS Rucksäcke überzeugt und wir landeten um 16 Uhr mitsamt Skiern und Gepäck in Tromsø.
Die erste Woche, die wir auf der Halbinsel Kvaløya verbrachten, starteten wir mit einem ausführlichen LVS Training in strömendem Regen. Nachmittags unternahmen wir die erste warm up Tour auf den Lille Blåmannen (844m), wo uns nach 500 Hm der Sturm vom Berg blies. Nach der ersten Wasserskiabfahrt stand fest, dass es nur besser werden konnte. Über Nacht fing es entgegen des Wetterberichts an zu schneien und wir wurden beim Aufstehen von tiefstem Winter überrascht.
30 cm Neuschnee wendeten das Blatt. Wir versuchten uns am Skittentinden (1042m), dem Rema 1000 (1000m) und dem Durmålstinden (921m) – erreicht haben wir nur den Gipfel des Buren (802m) sowie mehrmals den unseres Hausbergs mit Leos Fun-Park. Trotz Lawinenstufe 2 zwangen uns Sturm, massenhaft Triebschnee und schlechte Sicht zum täglichen Abbruch kurz vor den Gipfeln.

Nach einer Woche erreichte auch uns beständig schönes Sonnenwetter und feinster Pulverschnee on top. Unser Wahlallgäuer aus Schnaittenbach stand nun auch endlich mit einem Grinsen im Gesicht auf: „In Norwegen ist es jetzt genauso schön wie im Allgäu!“
Hochmotiviert suchten wir uns für den einzigen schön prognostizierten Tag der gesamten zwei Wochen ein alpines Highlight: den Store Hollendaren (1017m). Pünktlich standen wir mit einem im Graben festgefahrenen Auto am Einstieg: „Ausgraben können wir unser Auto auch nach der Tour.“ Durch anspruchsvolles Steilgelände spurten wir uns den Weg in Richtung Gipfel. Uns erwarteten unüberwindbare frische Triebschneeansammlungen an der ersten Kletterstelle: Die Stimmung kippte …
Um den Traumtag trotzdem noch auszukosten, wählten wir für den Nachmittag einen sonnigen Berg – Gipfel erreicht!
Am Abend wechselten wir für die zweite Tourenwoche die Unterkunft und bezogen ein wunderschönes, typisch skandinavisches Haus direkt am Storefjorden in den Lyngen Alpen. Unseren neuen Hausberg, den Daltinden (1533m), erreichten wir nach 1500Hm bei bestem Wetter schon am nächsten Tag. Eine Traumabfahrt wie aus dem Reiseprospekt: So haben wir das gebucht!
Tatsächlich blieb uns das Allgäuer Wetter noch einen weiteren Tag erhalten. Wir genossen die Abfahrt vom Lillegalten (833m) gleich zweimal. Wie der Anfang so das Ende.
Verabschiedet haben wir uns von Lyngen mit in der Abfahrt stollenden Skiern, Orkan und Regen. Auch die perfekte norwegische Powderwelt ist den Wetterkapriolen des europäischen Nordmeers gnadenlos ausgesetzt.
Inzwischen sind wir wieder alle gesund und munter in Deutschland angekommen und freuen uns auf das nächste Abenteuer.

Wer an einer ausführlicheren Erzählung mit tollen Bildern interessiert ist, darf sich auf den
nächsten stattfindenden Sektionsdiaabend freuen!

Andi Irler

Tourenbericht: Klettersteige rund um die Bettelwurfhütte

Freitag, 10. September bis Freitag, 17. September 2021

Geplant war, von der Pfeishütte aus über den Absamer Klettersteig zur Bettelwurfhütte zu steigen. Nach Überschreitung vom Kleinen zum Großen Bettelwurf über Klettersteige war – nach einem Abstecher auf die Speckkarspitze – das Hallerangerhaus unser nächstes Ziel. Von hier aus wollten wir über das Überschalljoch ins Vomper Loch absteigen und über den Knappensteig Gnadenwald, den Endpunkt unserer Tour erreichen.


Teilnehmer:
Tabea, Werner, GeSie, Vroni, Gerda, Cordula, Petra, Thomas, Richard

Freitag, 10.09.2021
Bärenrast, Inntal (1010) – Lamsenjochhütte (1953)
↑ 940 Hm     ↓ 0 Hm     → 7,8 km     t 2,5 h

Zur besseren Akklimatisation sind Richard und GeSie bereits am Freitag angereist und haben die Lamsenjochhütte angesteuert.
Nach einer staufreien Anfahrt erreichten wir schließlich Schwaz, wo wir vom Navi prompt ins Ortszentrum geleitet wurden, obwohl sich der Parkplatz Bärenrast sieben km oberhalb der Ortschaft befindet. Auch ein zu Rate gezogener Bauarbeiter konnte uns leider nicht weiterhelfen, da dieser uns bis fast zum Achensee zurückgeschickt hätte. Also haben wir die gute alte papierne Wanderkarte zu Rate gezogen und mit Hilfe des Handy-Navis haben wir unseren Ausgangspunkt auf einer sehr schmalen Bergstraße schließlich doch erreicht.
Unser Ziel war die Lamsenjochhütte, zu der wir laut Wanderwegweiser dreieinhalb bis vier Stunden gebraucht hätten. Leider wäre uns dadurch jedoch der Nachmittagskaffee entgangen, weshalb wir stattdessen in zweieinhalb Stunden auf einem geschotterten Fahrweg hochgelaufen sind.
Untergebracht wurden wir in einem 12-er Lager. Wegen der Corona-Maßnahmen wurde es aber nur zu zwei Dritteln belegt, was für Richard ein Glück war, da er sich so diagonal in das etwas kurze Bett legen konnte.

 
Samstag, 11.09.2021
Lamsenjochhütte – Lamsenspitze (2508) über Brudertunnel – Lamsenjochhütte
↑ 570 Hm     ↓ 570 Hm     → 3,7 km     t 3,0-3,5 h
Lamsenjochhütte – Schafjöchl, Vorgipfel (2107) – Lamsenjochhütte
↑ 170 Hm     ↓ 170 Hm     → 1,2 km     t 1,0 h

Nach einer schnarchfreien, leider auch sehr regenreichen Nacht ließen wir uns Zeit mit dem Frühstück, um den Fels etwas abtrocknen zu lassen. Tagesziel war die Lamsenspitze. Über einen leichten Klettersteig der Schwierigkeit A/B, der am Schluss durch den sogenannten Brudertunnel mit der Schwierigkeit C führt, erreichten wir die Lamsscharte. Kurz nach dieser führt der Klettersteig auf zum Teil neuer Wegführung auf den Gipfel der Lamsenspitze, auf der wir aber leider wegen Nebel keine Fernsicht genießen konnten. Für den Abstieg wählten wir den Weg über das Östliche Lamsenjoch, der an einzelnen Passagen auch seilversichert ist. Unterhalb des Jochs konnten wir eine große Gämsherde beobachten.
Nach dem obligatorischen Kaffee mit Apfelstrudel war es noch zu früh für die Hüttengaudi, deswegen machten wir noch einen kurzen Ausflug zum Schafjöchl. Dort lernten wir zwei Frauen aus Franken kennen, was, auch abends in der Hütte, zu interessanten Disputen betreffend des Verhältnisses Oberpfalz – Franken führte.

 
Sonntag, 12.09.2021
Lamsenjochhütte – Bärenrast
↑ 0 Hm     ↓ 940 Hm     → 7,8 km     t 3,0-3,5 h
Hafelekar (2270), Zustieg zur Pfeishütte (1922)
↑ 190 Hm     ↓ 540 Hm     → 5,7 km     t 2,0 h

Nach dem Abstieg zum Auto fuhren wir nach Absam bei Hall in Tirol, wo wir uns mit dem Rest der Gruppe trafen. An einem sehr sonnigen Sonntag war es gar nicht so einfach, einen freien Parkplatz zu ergattern.
Wir sind zwar Mitglieder im weltgrößten Bergsteigerverband, begonnen haben wir unsere Tour allerdings mit einer Bus- sowie einer Seilbahnfahrt. Nachdem wir nach einigem Rätseln die richtige Bushaltestelle gefunden hatten, starteten wir Richtung Innsbruck. Nach einigen Stationen hat uns der Busfahrer aussteigen lassen, damit wir eine schnellere Linie nehmen konnten – nur, um dann 15 Minuten später wieder in den gleichen Bus einzusteigen. Nach einhelligem Urteil war die Fahrt durch die teils engen Ortsdurchfahrten von Absam, Thaur, Rum und Innsbruck die wildeste Busfahrt Tirols.
Mit der Standseilbahn fuhren wir zur Station Hungerburg der Nordkettenbahn. Von dort standen zwei Alternativen zur Auswahl: Auffahrt bis zur Mittelstation oder weiter zur Bergstation, wodurch wir uns 350 Höhenmeter gespart hätten. Die Entscheidung fiel sehr schnell zugunsten der Bergstation. Nachdem wir nach fünf Minuten die vielen Birkenstock-Touris hinter uns gelassen hatten, wanderten wir auf dem sehr aussichtsreichen Goetheweg, von wo man lange Zeit direkt einen Blick ins Inntal mit Innsbruck hat, in gemütlichen zwei Stunden zur Pfeishütte, der ehemaligen Hütte unseres Amberger Hüttenwirts Serafin. Da es für Kaffee und Kuchen zu spät war, gingen wir gleich zum Weißbier über. Die Pfeishütte ist eine kleine, aber feine gemütliche Hütte und super organisiert. Nach einem 4-Gänge-Menu vertrieben wir uns – mit dem gut geheizten Kachelofen im Rücken – die Zeit mit Schafkopfen und Gesprächen über den bevorstehenden Tag, bevor wir in die Lager krochen.

 
Montag, 13.09.2021
Pfeishütte – Stempeljoch (2213) – Halltal, Einstieg Absamer Klettersteig (1065) – Bettelwurfhütte (2077)
↑ 1300 Hm     ↓ 1160 Hm     → 13,0 km     t 9,5 h

Heute stand die größte Tagestour der Woche auf dem Programm. Das Wetter zeigte sich zum Glück den ganzen Tag über von seiner besten Seite. Nach frühem Start um 7:45 Uhr stiegen wir zuerst zum Stempeljoch auf, von wo wir einen ersten skeptischen Blick in die sehr steile Schuttreise werfen durften. Zum Glück war der Weg erst saniert worden, trotzdem war große Vorsicht beim Abstieg geboten. Die Konzentration war spür- und hörbar, ab dem Stempeljoch bis zum Ende des steilen Geröllfeldes war es sehr still in der Gruppe. Bei einer Wegverzweigung hätten wir, immer auf gleicher Höhe, in gemütlichen 2-3 Stunden zur Bettelwurfhütte wandern können, aber wir wollten schließlich den Absamer Klettersteig zur Hütte begehen. Vorbei am ehemaligen Salzbergwerk Herrenhäuser stiegen wir also weiter ab ins Halltal, wo wir uns in St. Magdalena nochmal kurz stärkten. Bei der II. Ladhütte hatten wir den tiefsten Punkt der heutigen Tour erreicht. Wir legten unser Geschirr an und aßen noch eine Kleinigkeit, dann gings los Richtung Klettersteig: 600 Höhenmeter im Klettersteig und 1300 Klettermeter standen uns bevor. Bereits beim Zustieg zum Steig wurde uns klar, dass wir auf dem südwärts ausgerichteten Klettersteig ordentlich ins Schwitzen geraten würden. Der Fön tat sein Übriges, und das alles bei vollem Gepäck. Um 12:45 stiegen wir ein, außer uns war niemand unterwegs. Weiter hinten befand sich noch eine Gruppe mit 15 jungen Männern. Nachdem diese uns relativ schnell ein- und auch überholt hatte, stellte sich heraus, dass es sich um eine Fortbildung von Polizisten mit zwei Polizei-Bergführern handelte. Um 14:45 Uhr hatten wir die Mitte des Steigs erreicht, vor uns glänzten im Sonnenlicht die Seile der Dreiseilbrücke. Da die Seile relativ locker gespannt sind, war sie sehr unangenehm zu begehen, allerdings wirkte die Umgehungsvariante der Schwierigkeit C/D auch nicht viel verlockender. Die Hitze forderte ihren Tribut, darum kamen wir erst um 17:30 zum Ausstieg des Klettersteiges. ‘Hütte in Sicht‘ war erfreut von einigen Teilnehmern zu hören. Thomas und ich wussten aber, dass uns noch 400 Höhenmeter bevorstanden, vorsichtshalber behielten wir das aber erstmal für uns. Um 18:45 Uhr trudelten wir endlich auf der Hütte ein. Die nette Hüttenwirtin verlängerte den Beginn des Abendessens auf 19:15 Uhr, ‘jetzt trinkts erst mal was‘. Duschen gibt’s auf der Bettelwurfhütte nicht, aber das ist eh nur was für Weicheier. Immerhin konnten wir uns noch waschen, zwei Tage später ging auch das nicht mehr. Nach dem Abendessen und ein paar Gläschen Wein ließen wir den Tag Revue passieren: Lang war’s, anstrengend war’s, schön war’s. Und der nächtliche Blick auf das beleuchtete Inntal mit Hall und den vielen anderen Ortschaften entschädigte für alles.

 
Dienstag, 14.09.2021
Großer Bettelwurf (2725) über Eisengattergrat
↑ 640 Hm     ↓ 640 Hm     → 4,4 km     t 5,0 h

Nachdem der vorherige Tag recht anstrengend gewesen war, verzichteten wir auf die Überschreitung vom Kleinen zum Großen Bettelwurf. Tagesziel war ein Ruhetag mit Gipfelerlebnis sowie eine gemütliche Kaffee- und Kuchenrunde auf der Hüttenterrasse. Nach einem gemütlichen Start um 8:30 Uhr ging es über den Eisengattergrat, einen Klettersteig der Schwierigkeit A/B, auf den Großen Bettelwurf, den höchsten Punkt unserer Tourenwoche. Da wir genug Zeit hatten genossen wir bei der ausgiebigen Gipfelrast den 360°-Rundumblick. Der Abstieg erfolgte wieder über den Eisengattergrat, zwischendurch sonnten wir uns ausgiebig auf einer Hangwiese. Auf der Hüttenterrasse ließen wir es uns dann gut gehen mit Kaffee, Kuchen, Weißbier, Sonnenbaden, Ratschen, …

 
Mittwoch, 15.09.2021
Bettelwurfhütte – Speckkarspitze (2621) über Normalweg – Hallerangerhaus (1768)
↑ 680 Hm     ↓ 990 Hm     → 8,5 km     t 5,5 h

Das Wetter verschlechterte sich leider zunehmend. Wenigstens regnete es nicht, die Sonne versteckte sich jedoch den ganzen Tag. Auf dem Weg zu unserer nächsten Unterkunft, dem Hallerangerhaus, machten wir noch einen Abstecher auf die Speckkarspitze. Auch hier gibt es viele Seilversicherungen A/B. Trotz des unsicheren Wetters hatten wir auf dem Gipfel aber einen fantastischen Fernblick.
Thomas hatte das Cappy seines Sohnes auf der Bettelwurfhütte vergessen, also ist er, ohne Gepäck, nochmal zur Hütte zurückgerannt, um es zu holen. Ich persönlich bin jedoch davon überzeugt, dass das nur eine Ausrede war und er in Wahrheit den Kaiserschmarrn probieren wollte, der am Tag zuvor auf den Tellern des Nebentisches so lecker ausgesehen hatte. Bevor er sich wieder auf den Weg machte, wollte er sich nochmal die Hände waschen, aber wie schon gesagt, es gab kein Wasser mehr, nur mehr zum Kochen.
Beim Abstieg zum Hallerangerhaus konnten wir die fantastischen Schnittl-Wände in der Nordwand der Speckkarspitze bewundern. Sie sehen aus wie senkrechte aufgestellte, mit dem Messer geschnittene Platten aus Kalkstein. Das Wetter hat auch durchgehalten, wir sind alle noch trocken auf der Hütte angekommen. Abends ist allerdings der Fön zusammengebrochen und es hat dann zum Teil heftig geregnet.
Das Hallerangerhaus ist frisch renoviert und sehr großzügig gestaltet mit großen Zimmern, vielen Raffinessen und allem Komfort. Wir haben das durchaus genossen, aber ich frage mich schon, ob das in diesem Ausmaß sein muss, schließlich handelt es sich um Schutzhütten und keine Hotels.

 
Donnerstag, 16.09.2021
Hallerangerhaus – Überschalljoch (1913) – Vomper Loch (1060) – Knappensteig – Walderalm (1502) – St. Martin im Gnadenwald (890)
↑ 780 Hm     ↓ 1650 Hm     → 17,5 km     t 8,0 h

Wettervorhersage: Regen, und das den ganzen Tag. Eigentlich sollte der Tag landschaftlich der Höhepunkt der Tourenwoche werden, aber daraus wurde leider nichts. Zum Glück hörte der Regen aber mit dem Erreichen des Überschalljochs auf und wir konnten sogar kurzärmlig wandern. Der Nebel und die Wolken zauberten dann eine mystische, zauberhafte Stimmung. Auch konnten wir aufgrund der nassen Witterung viele Alpensalamander beobachten. Das waren aber außer den Kühen auf der Alm, einer einzelnen Gämse im Vomper Loch sowie einer Kreuzspinne, die beim Jagdhaus in der Au ihr Netz mit einer Spannweite von über drei Metern gebaut hatte die einzigen Tiere, die wir an diesem Tag sahen.
Der Wegweiser aus dem Vomper Loch zum Knappensteig enthält den Warnhinweis ‘Nur für schwindelfreie und erfahrene Bergtouristen‘. Der Knappensteig ist kein richtiger Klettersteig, es sind aber viele seilversicherte Stellen der Schwierigkeit A/B. Kein Problem für uns, wider Erwarten ist es trocken geblieben, jetzt sollte es spannend werden. Dachten wir. Sobald wir die ersten Höhenmeter bewältigt hatten, fing es wieder an zu regnen. Trittsicherheit war in dem nassen, zum Teil grasigen Gelände absolut gefragt. Leider konnte man die landschaftliche Schönheit bei diesem Wetter nur erahnen. Irgendwann lag der Steig hinter uns und wir kamen gerade noch rechtzeitig zur Walderalm, die gerade in Ermangelung an Gästen schließen wollte. Der Alm-Öhi kredenzte uns dann sehr leckeren Kuchen zum wärmenden Kaffee.
Schließlich rafften wir uns doch noch auf, um den Abstieg nach St. Martin im Gnadenwald in Angriff zu nehmen, der laut der Beschilderung an der Alm eineinhalb Stunden in Anspruch nehmen sollte. Nach zwanzig Minuten Fußmarsch stießen wir dann auf ein weiteres Schild, welches den Weg nach St. Martin erneut mit eineinhalb Stunden auswies. Nach weiteren zehn Minuten erreichten wir eine Weggabelung, an welcher sich zwei Wegweiser befanden. Beide Wege führten zum Ziel, der eine sollte eineinhalb Stunden dauern, der andere eine Stunde. Natürlich entschieden wir uns für die einstündige Variante. Allerdings erreichten wir nach fünfzehn Minuten ein weiteres Schild, laut dem der restliche Abstieg eineinviertel Stunden dauern sollte. Irgendwann sind wir dann trotzdem in unserer Pension angekommen. Hier gab’s endlich ein Bett, das lang genug für Thomas war. Das Essen war sehr gut und wir haben den Tag bzw. die Tourenwoche schön ausklingen lassen, es gab keine Hüttenruhe um 22:00 Uhr.

 
Freitag, 17.09.2021
Martinsstuben – P im Halltal
↑ 30 Hm     ↓ 140 Hm     → 4,0 km     t 1,25 h

Nach dem reichlichen Frühstück gab es tatsächlich kurz die Überlegung, ob wir von Gnadenwald zum Parkplatz vielleicht mit dem Bus fahren sollten, auch waren nicht alle mit Zeitungspapier ausgestopften Schuhe über Nacht ganz trocken geworden. Da es aber nicht mehr regnete und uns kaum Höhenmeter bevorstanden, entschieden wir uns trotzdem, zu Fuß zu den Autos zu wandern, auch, um die Tourenwoche schön ausklingen zu lassen. Das war auch eine gute Entscheidung: Bei der Querung eines Baches, der vom Bettelwurf herabfließt, lag er dann tatsächlich im Bachbett: Der Gipfelstein vom Großen Bettelwurf für Tabea. Über die Heimfahrt mit den üblichen Staus um München verliere ich kein weiteres Wort.

© 2022 by GeSie