Tourenbericht: Gemeinsam zwei wunderbare Tage auf und abseits der Piste

11. – 13. März 2022, Skifahren am Fellhorn
JDAV Aktion Bergfreunde

Für die Gruppe „Bergfreunde“ ging es gemeinsam mit einem kleinen Teil der Sektion Schwabach zum Skifahren.

(Georg, Anton, Savan, Bene, David, Viki, Niklas, Stephi, Sophia, Nadine & Christoph)

Freitag, 14 Uhr war unser Treffpunkt der Parkplatz am Hockermühlbad. Nachdem die Packliste nochmal kurz überflogen wurde, saß ein Großteil von uns im Bus und wir fuhren los. Am ersten Haltestopp in Schwabach sammelten wir Christoph, Georg, Anton und Viki mitsamt Skiausrüstung ein. Nach kurzem und energischem Stopfen ging die Dachbox, in der mittlerweile zehn Paar Skier waren, sogar zu. Und blieb es auch die ganze Fahrt über, entgegen den Voraussagen der zuschauenden Taxifahrer.

Während der Fahrt gab es schon die ersten Biere. Irgendjemand fragte: „Bene, fährst du durch oder brauchst du nen Wechsel?“, woraufhin dieser entgegnete, er könne schon durchfahren – im selben Moment wurden im ganzen Bus die Flaschen geöffnet, so gab es Bier für alle außer den Fahrer und nach einer unkomplizierten Fahrt, abgesehen von zu vielen Pinkelpausen erreichten wir unser Hostel.

Gleich im Anschluss trafen wir uns draußen im Schnee – die meisten von uns hatten noch nie ein LVS-Gerät oder eine Lawinensonde in der Hand oder von Lawinenproblemen und Gefahrenmustern gehört. Georg und Christoph gaben uns deswegen einen Lawinen-Crashkurs. Gemeinsam setzten wir uns in diesem mit Lawinenvorhersagen, Tourenplanung, dem richtigen Verhalten am Berg und den Maßnahmen im Falle eines Lawinenabgangs auseinander. Während der Rest bei einer praktischen Übung nach verbuddelten LVS-Geräten suchte, machte sich Bene auf, um David vom Oberstdorfer Bahnhof abzuholen. Kurz vorm Bahnhof wartete jedoch eine rote Kelle auf ihn. Bene war ins Visier der Oberstdorfer Dorfpolizei gelangt. Folgender Gesprächsverlauf gibt die Kontrolle im Wortlaut wieder.

Polizist: „Guten Abend, allgemeine Verkehrskontrolle. Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte. Gab es heute schon Alkohol?“
Bene: „Ja, für alle außer mich.“ (Ein Glück, dass wir am Mittag nachgeschaut haben, wo der Fahrzeugschein ist.)
Polizist: „Na, des tut mir aber leid. Gute Weiterfahrt noch.“

Ohne zu wissen, wo überhaupt das Warndreieck gewesen wäre, konnte Bene dann weiter und David einsammeln. Zurück am Hostel hatten die Übrigen gerade die verschütteten Geräte gefunden, so konnten wir gemeinsam zum Kochen beginnen. Klassisch gab es Nudeln mit Pesto. Wir saßen noch bis spät in die Nacht zusammen und erwarteten Niklas und Savan, die arbeitsbedingt erst später loskonnten. Jetzt waren wir vollzählig.

Der Samstag begann für uns relativ früh, beim Frühstück trafen wir uns wieder. Erstaunlich pünktlich schafften wir es anschließend nach einem kurzen Materialcheck auf in Richtung Fellhorn-Talstation. Dank unseres frühen Aufbruchs waren die Schlangen für Lift und Gondel noch überschaubar. Während die ersten schon in Richtung Bergstation fuhren, da sie nicht mehr warten konnten vor Freude, teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Gruppe Nummer zwei stürzte sich langsam ins Abenteuer. Gegen Mittag trafen wir uns, um gemeinsam den Rest des Tages zu besprechen.

Wir entschieden uns, wie von Georg und Christoph geplant, eine Variantenabfahrt, also eine Freeride-Tour abseits der präparierten Pisten, östlich der Kanzelwand zu machen. So schnallten wir unsere Skier auf die Rucksäcke, um wenige Minuten zu unserem Startpunkt aufzusteigen. Oben angekommen wurde erstmal Mittagspause in der Sonne gemacht. Dieser kurze Fußmarsch hatten gereicht, um jetzt völlige Stille mit herrlichem Ausblick um uns herum zu haben. Nach der Pause probierten wir mit verschiedenen vergrabenen Gegenständen und Körperteilen noch aus, wie es sich anfühlt, mit einer Sonde nach einem Menschen, Rucksäcken und Steinen zu suchen, dann machten wir uns fertig für unsere Abfahrt. Für einige von uns standen erste Erfahrungen im Tiefschnee an, kein Wunder also, dass die Anspannung stieg. Während die ersten vorbei an Georg über eine kleine Kante in den Talkessel einfuhren, der von hier oben plötzlich erstaunlich steil aussah, meisterten der erfahrene Teil unserer Gruppe die ersten Schwünge elegant. Für manche von uns stellte es jedoch eine größere Herausforderung dar, als zuerst angenommen. Erste Stürze ereigneten sich ebenso wie ein Urschrei, als Bene seine erste Kurve fuhr und dabei plötzlich sehr schnell wurde. Langsam fanden wir unser Tempo und konnten so bei immer noch traumhaftem Wetter einen großen Teil des Hangs abfahren. Einen Counter wer wie oft hingefallen war, wäre bei dieser Abfahrt wäre zu lustig gewesen. Wir hatten eine Menge zu lachen – aber keine Sorge, es gab keine Verletzten.

Schwieriger wurde es erst wieder, als das Gelände von Büschen und kleinen Latschen durchsetzt war. Diese zu Umfahren, stellte sich teilweise als gar nicht so einfach heraus. Aber auch diese Etappe absolvierten wir gemeinsam, am Ende dieser ereignisreichen Tour stand nur noch ein Ziehweg, der zurück zur Piste geschoben werden musste und sich, wie schon der Name sagt, zog. Nach einer letzten Talabfahrt kamen wir dann wieder zurück ans Auto und trafen uns dort mit Paul wieder, der wegen einer Knieverletzung nicht mit zum Skifahren gekommen war und stattdessen das Fellhorn in Teilen zu Fuß bestieg.


Während sich der Rest der Gruppe in die Liftschlange stellte, machte ich mich zu Fuß auf den Weg. Ich bin Paul und kann auf Grund eines Fahrradsturzes und den daraus folgenden Knieschmerzen noch nicht wieder Ski fahren.

Ein Wochenende in den Bergen konnte ich mir aber auch trotz körperlicher Einschränkungen nicht nehmen lassen. Statt Skiern hatte ich mir Schneeschuhe eingepackt, um so die Berge zu erkunden. Für den ersten Tag war die Tour auf das Fellhorn geplant. Vorbei an der wartenden Masse an Ski- und Snowboardfahrer:innen ging es für mich in den Wald. Nach anfänglichen Orientierungsproblemen habe ich doch bald meinen Weg im verschneiten Wald gefunden. Nach den ersten Metern wurde mir doch sehr warm und so fing ich an mich langsam auszuziehen. Erst die Daunenjacke, dann den Pulli, bis ich nur noch im T-Shirt unterwegs war. Da im Tal abseits der Piste doch eher wenig Schnee lag, hatte ich meine Schneeschuhe die erste Stunde am Rucksack getragen. Nach den ersten 300 Höhenmetern wurde brauner Boden immer seltener, sodass ich mir an an einer idyllischen Holzhütte meine Schneeschuhe unter die Schuhe schnürte.

Nach den ersten wackligen Schritten war ich schnell begeistert, wie zügig und mühelos ich auf einmal über den Schnee laufen konnte. Langsam kam ich der Piste wieder näher und verlor im Tiefschnee meinen Weg. Oder vielleicht verschwand dieser auch nur unterm Schnee aus meinen Augen. Es ging dann für mich der Nase nach dem Berg hoch. Bestimmt nicht der klügste oder einfachste Weg, denn bald lernte ich die Grenzen meiner Schneeschuhe kennen, als ich bis zum Knie im Schnee versank und die Steigung einfach nicht weiter hochkam. Ein paar klügere Entscheidungen später stand ich dann aber auf der Piste ohne erkennbare Alternative. Nach kurzem Überlegen akzeptierte ich meine Situation und machte mich an den anstrengenden, langsamen und nicht so schönen Weg die Piste hinauf. Eine kleine Ewigkeit und einige überraschte Blicke der vorbeifahrenden Skifahrer:innen später hatte ich – mittlerweile in kurzer Hose – die Bergstation der Fellhornbahn erreicht. Doch der Gipfel lag noch 300 Höhenmeter entfernt, hinter einem unberührten Schneefeld. Einem Naturschutzgebiet. Meine Gipfeltour war damit erstmal unterbrochen. Die Optionen waren eine Skipiste runterzulaufen oder eher rutschen nur um zwei andere wieder hochzulaufen oder mit der Gipfelbahn abzukürzen. Da ich nicht unbedingt die Länge meiner Tour verdoppeln wollte saß ich bald in der Gondel zum Gipfel. Die letzten Meter zum Gipfelkreuz waren schnell geschafft und ich hatte mein Ziel erreicht. Die nächsten Stunden verbrachte ich erst in Gesellschaft dann allein auf dem Gipfel in der Sonne, genoss die Aussicht, etwas zu essen und die Ruhe.

Der Abstieg ging deutlich schneller. Ich fuhr mit der Gondel herunter, um doch noch etwas Gutes für mein Knie zu tun. Während ich nun wieder im Tal auf den Rest der Gruppe wartete, packte ich meine Po-Rutscher aus und fuhr zumindest so noch ein paar Mal einen kleinen Hang ab.


Ein Teil fuhr danach zum Einkaufen, der Rest zurück Richtung Unterkunft. Mittlerweile hatten wir teils so großen Hunger, dass schon angezweifelt wurde, ob das geplante Gericht uns überhaupt alle satt machen könnte. Dank der generalstabsmäßigen Planung von Viki wurde aber auch dieses Essen, Wraps mit Ofengemüse, nicht nur sehr lecker, sondern sogar so viel, dass wir am Sonntag noch davon essen konnten!

Nachdem wir zu zwölft für mindestens zwei Stunden die Gemeinschaftsküche im Hostel blockiert hatten, überließen wir diese doch mal den restlichen Anwesenden und gingen zum gemütlichen Teil des Abends über – Bier, Kicker, gute Unterhaltungen, restliches Ofengemüse, Marius, Uno und letzte Runden an der Bar sorgten dafür, dass die Nacht für manch einen wieder kürzer wurde als geplant.
Nichtsdestotrotz starteten wir am nächsten Tag wieder mit einem reichhaltigen Frühstück in den Tag und fuhren dann wieder ins Skigebiet.

Erneut warteten Kaiserwetter und tolle Pisten auf uns. Wir teilten uns wieder in zwei Gruppen auf. Während Georg einem Teil unserer Gruppe den Vormittag über einen kleinen Auffrischungs-Skikurs gab, kümmerte sich die Speed-Gruppe um weißes Pulver und sammelte fleißig Pistenkilometer.

Beide Gruppen hatten einen erfolgreichen Vormittag, wie wir uns in der gemeinsamen Mittagspause berichteten. Den Rest des Tages verbrachten wir wieder zusammen und nutzen unseren zweiten Skitag voll aus! Im Laufe des Nachmittages leerten sich dann auch die Pisten allmählich, was uns noch einige lohnende Abfahrten bescherte.


Nachdem die anderen erneut zum Skifahren in Richtung Lift aufbrachen fuhr ich ins Tannheimer Tal, um dort eine entspannte Schneeschuhtour in flacherem Gelände zu gehen. Am Parkplatz lag jedoch schon kaum noch Schnee, sodass ich meinen ursprünglichen Plan schnell verwarf und ich mir stattdessen die Berge auf der anderen Seite des Tals genauer anschaute.

Einmal umgeparkt, den Rucksack aufgesetzt und los ging es Richtung Berg. Da sich mein Tagesziel schon einmal geändert hat, hatte es mir wenig ausgemacht als mir auffiel, dass ich gar nicht am richtigen Parkplatz gelandet war. Ich hatte ein ungefähres Ziel vor Augen und habe mich auf den Weg gemacht. Nach meiner Erfahrung gestern hatte ich gelernt und bin so gleich leichter bekleidet gestartet. Be Bold – Start Cold. Anfangs ging es recht steil in der Nähe einer Piste bergauf, bis das Gelände etwas abflachte und offener wurde. Ich befand mich in einem weiten Kessel. Rechts ragte der Ponten mit seinen vielbefahrenen Hängen in die Höhe, links war die Rohnenspitze steinig karg und fast schneefrei um den Gipfel zu sehen. Geradeaus lief ich auf das Zirleseck zu, was mein nächstes Ziel war. Ich war jedoch nicht allein zwischen den Spitzen unterwegs. Das gute Wetter haben viele Skitourengeher ausgenutzt, um die umliegenden Hänge zu befahren. Ungefähr auf der Hälfte des Anstieges zum Zirleseck unterhielt ich mich mit einer Gruppe Skitourenengeher:innen über deren und meine weiteren Pläne und verwarf meinen danach erneut. Statt den direkten Weg zu nehmen, stieg ich weiter entfernt von meinem Ziel auf um über einen Grat dorthin zurückzukehren. Trotz meiner Bemühung die steilste Stelle des Hanges zu Umgehen fand ich mich in dieser wieder und kam stark schnaufend auf dem Grat an. Doch der Umweg hatte sich gelohnt. Der Blick auf den Ponten, die Rohnenspitze und die sich nach Süden ausbreitenden Alpen hatte hat die Mühen schnell vergessen gemacht. Fast leichtfüßig ging es den Grat entlang bis zu einer kleinen Schutzhütte in der Sonne, bei der ich eine kleine Pause machte und mich stärkte, bevor es weiter auf den Gipfel der
Rohnenspitze ging. Mit den Schneeschuhen auf dem Rücken war auch das letzte Stück kein großes Problem mehr. Oben angekommen genoss ich noch ein letztes Mal die Aussicht, bevor ich mich an den Abstieg machte. Gute 700 Höhenmeter über meinem Startpunkt, dem Parkplatz, klingelte dann mein Handy. Georg rief an: “Servus Paul, wo bist du na? Wir wären so langsam fertig und du könntest uns wieder einsammeln.” Mit dem Blick, auf den noch vor mir liegenden Weg verzichtete, ich auf Trödelpausen und fand mich so schneller als gedacht am Start der Skipiste wieder. Ab jetzt ging es schneller. Ich zog meine Schneehose und den Po-Rutscher aus dem Rucksack und begab mich auf meine einzige Talabfahrt des Wochenendes. Sitzend raste ich nun schneller als gehofft die Piste runter und kam schneebedeckt, aber unversehrt wieder am Auto an.


Gegen 16 Uhr erreichten wir, nachdem wir noch einen Abstecher über den Funpark gemacht hatten, wieder die Talstation, wo wir in der Sonne auf Paul mit dem Bus warteten – spätestens hier machte sich die etwas kürzere Nacht beim einen oder anderen bemerkbar.

Kurz in der Sonne eindösen hat doch eben etwas sehr Meditatives. Erstaunlicherweise hatten wir das Wochenende über keine verletzten Teilnehmer, nur leider einen geringen Materialverlust. Savan hatte irgendwann am Nachmittag seine ausgeliehene Skibrille verloren, ohne es zu merken. Dank des Entgegenkommens des netten Skiverleihs Sport Raumberger musste er aber nicht die ganze Summe zurückerstatten!

Am Parkplatz packten wir alles strukturiert nach Haltestopps und Personen in den Bus und das Auto ein. Schnell hatten wir noch Getränke aufgefüllt, uns umgezogen, nochmal einmal die Blase entleert und dann ging es Heimwärts. Niklas und Savan brachten David zum Bahnhof und fuhren über Regensburg nach Hause. Der Rest befand sich im Bus und fuhr über Schwabach zurück.

Circa um 21 Uhr erreichten alle die nach Amberg wollten, Amberg. Selbst für die arbeitende Bevölkerung unter uns, die am nächsten Tag wieder früh raus mussten, war das eine akzeptable Zeit. Paul und Viki kümmerten sich noch darum, dass der Bus ordnungsgemäß seinen Weg zum Autoverleih fand. Bei dieser simplen Aufgabe wurde es doch noch etwas chaotisch. Dennoch war der Bus sauber, nach zwei Versuchen auch endlich vollgetankt, beim Besitzer. So endet dieses Wochenende und somit auch dieser Tourenbericht.

Uns bleibt noch Georg und Christoph ein großes Dankeschön für die Organisation, Tourenplanung und Geduld zu übermitteln und Anton, der Anni die Stornogebühren durchs Mitfahren ersparte, Savan, der Niklas Gesellschaft leistete beim Nachkommen und Viki für die Unterstützung aus Amberg zu danken.

Geile Truppe – bis zum nächsten Mal!

Tourenbericht: jdav-Wanderwochenende Spitzingsee

10. – 12. September 2021
JDAV Aktion Bergfreunde – Sektion Amberg

Ab in die Berge: Am Freitag, kurz vor zwei an der Kletterhalle in Amberg ist der Treffpunkt unserer ersten Tour in neuer Gruppenkonstellation – aus zwei Gruppen war eine geworden.

Erstaunlicherweise ist Paul pünktlich da. Ein paar aus der Gruppe erledigten letzte Erledigungen im Diska und bei der Bank, dann geht es los. Exakt um 14 Uhr brechen wir mit drei Autos auf und machen uns auf besprochener Route auf in Richtung Süden.
Zur Unterhaltung teilt jedes Auto seinen Livestandort mit – anfangs liegt Vikis Auto vorne, doch es dauert nicht lange bis sie alle überholen. Im Laufe der Fahrt fällt auf das ein Auto die besprochene Route verlassen hat und über eine eigentlich gesperrte Route fährt. Eine abenteuerliche Strecke, wie sich im Nachhinein herausstellt. Gegen späten Nachmittag erreichen wir dann unsere Unterkunft, das DAV-Haus Spitzingsee.
Am Abend soll es regnerisch sein, aber da das Wetter noch hält, machen wir uns auf, um unsere Beine zu vertreten. Wir umrunden den Spitzingsee und unsere zwei Fotografen (Paul und Bene) schießen genügend Landschaftsbilder, weshalb die beiden hin und wieder auf der Strecke bleiben. Aber auch unser erstes Gruppenbild wird geschossen.
Die Mädels sind die ganze Zeit an der Spitze und führen die Truppe mit einem zügigen Tempo an – vielleicht wird aus dem Wander- doch ein Trail-Running-Wochenende?
Nach gut der Hälfte machen wir einen Halt am Spielplatz und betrachten beim begeisterten Schaukeln und Wippen unsere geplanten Gipfel (Brecherspitz, Jägerkamp, Aiplspitz & Taubenstein) für die nächsten Tage. Nach einem Spaziergang am See darf natürlich eines nicht fehlen: Eine Erfrischung im selbigen! Einige Mutige der Gruppe stellen beim Baden fest, dass das Wasser doch recht kalt ist.
Wieder in der Unterkunft angekommen wird es Zeit für das Abendessen. Kathi und Viki haben schon beim Spaziergang ihren Hunger gespürt. So kochen wir endlich gemeinsam, wie es am Essenplan steht, Tomate-Mozzarella-Risotto. Während des Kochens kommt zwischen Bene und Viki eine wilde Diskussion über den kulinarischen Nutzen von Zwiebel und Petersilie auf, welche bis heute nicht endgültig beendet ist.
Zwischendurch klären die Jugendleiterinnen (Lisa und Viki) alles mit der Unterkunft. Bei der Nachfrage des Gruppennamens fällt auf, dass wir noch keinen neuen gemeinsamen haben.
(Aktueller Stand: Aktion Bergauf; Bergkitze)
Nach dem Essen studieren wir den Wetterbericht, der für Samstag leider Regen voraussagt und passen unsere geplanten Touren an. Der Plan für die Touren steht also und wir widmen uns dem erneut der Suche nach einem Gruppennamen. Wir sammeln diverse Vorschläge für einen neuen – hierzu später mehr. Zum Ausklingen des Abends folgen lustige und aggressive Runden Uno Flip, in denen 15 Karten ziehen eher die Normalität ist. Um unsere Nerven zu beruhigen, spielen wir noch ein paar Runden 6nimmt, bevor wir alle ins Bett gehen.

Am nächsten Morgen klingelt für Kathi, Franzi, Paul und Paul schon vor sieben Uhr der Wecker. Nachdem die Vier einmal in den See springen, ist auch der Rest aus den Betten gekrochen und es gibt Frühstück.
Fertig gepackt geht es, bei noch verhangenem Himmel, auf zur ersten Tour. Ziel-Gipfel ist die Brecherspitz auf 1683m. (Das DAV-Haus liegt auf 1124m)
Schon in der ersten Stunde legen wir auf einem steilen Stück viele Höhenmeter zurück. Franzi hat eine erstaunliche Kondition und legt ein anspruchsvolles Tempo vor. Die Gruppe teilte sich ca. in der Hälfte, da einige ein anderes Tempo bevorzugen. Wir bleiben in Sichtweise und an einer kleinen Kletterpassage sind wir dann wieder vereint.
Nach knapp zwei Stunden erreichen wir die Brecherspitz und machen unser nächstes Gruppenbild. Während Paul den Selbstauslöser einstellt, verewigt Bene uns im Gipfelbuch: Franzi fragt sich, was die „Puffdinger am Himmel“ sind (Wolken?!) und es gibt erste Schleichwerbung für den Instagram-Account (@jdav_amberg).
Auf der anderen Seite des Gipfels steigen wir wieder ab, machen eine Pause am Panorama-Klo, erwerben erste Weghalbe und schauen Kühen zu, wie sie für den Almabtrieb geschmückt werden.
Die gerade erst abgestiegenen 300 Höhenmeter gilt es jetzt über eine etwas alpinere Passage wieder aufzusteigen und wieder glänzt Franzi mit ihrem uneinholbaren Tempo. Tatsächlich fängt es leicht an zu nieseln, auch kalter Wind wartet auf uns.
Nach einem nur noch windigen Mittagessen bei einer Kapelle auf dem Grat (Bene und Viki hatten leider ihr restliches Risotto vom Vorabend vergessen) steigen wir in einer guten Stunde bei nun erfreulichem Sonnenschein zur Hütte ab, die wir gegen Nachmittag erreichen.
Frisch geduscht spielen wir ein paar Runden Uno und wagen uns an die Gruppennamen-Diskussion, die wir vertagen und verabschieden uns von Franzi, die am Sonntag wieder in Amberg sein muss.
Um das Wetter, welches sich ja doch zum Guten entpuppte, zu nutzen, geht es ohne Lisa die migränebedingt zurückbleibt, nochmal an den See, um Tretboot zu fahren. Der Verleih ist leider geschlossen. Zum Trost gönnen wir uns dafür wieder einen Halt am Spielplatz und teilen uns bei den letzten Sonnenstrahlen Pommes mit Blick auf den See.
Wieder zurück am DAV-Haus entscheiden wir uns, nur das Risotto von gestern aufzuwärmen, also werden die Käsespätzle vom Essenplan gestrichen. Nach dem Essen spielen wir natürlich wieder Uno, merken aber dass wir doch geschafft vom Tag sind und gehen etwas früher als gestern ins Bett.
(Das Wander-Uno Verhältnis steht jetzt schon 2:3)

Am nächsten Morgen stehen wie wieder um sieben Uhr auf, aber diesmal bei bestem Bergwetter – trotzdem finden sich heute keine Morgenschwimmer.
Bei unserer heutigen längeren Tour wollen wir drei Gipfel besteigen: Zum Jägerkamp (1746m) über die Aiplspitz (1759m) und zum Schluss den Taubenstein (1692m).
Diese Tour beginnen wir auf der anderen Seite des Sees, diesmal zunächst mit entspannten Serpentinen, über die uns Viki mit einem geschmeidigen Tempo führt.
Nach rund zwei Stunden und einem kurzen Stopp auf einer Alm, an der uns neben einem Hund auch ein Alpaka und ein sehr anhängliches Schwein (Lotte) begrüßt, erreichen wir den Jägerkamp mit Blick auf unser nächstes schönes Ziel. Der beeindruckende Bergkessel liegt hinter uns und jetzt haben wir nicht nur unser nächstes Ziel im Blick, sondern eine Gipfelkette mit wunderbaren Blick Richtung München und Österreich, die wir auf uns wirken lassen.
Nach einem Gipfelfoto geht es dann auf zur Aiplspitz, die ein Stück höher liegt. Erst im Nachhinein haben wir beim Studieren der Karte festgestellt, dass wir offenbar noch einen Gipfel auf dem Weg mitgenommen haben. (Aktuelles Update: Gipfel 2/3 3/4)
Der Weg zum nächsten uns bekannten Gipfel führt über einen Grat mit etwas anspruchsvolleren Kletterpassagen, die wir aber als Frankenjura-erprobte Kletterer alle gut meistern. Gegen halb zwölf machen wir dann auf der Aiplspitz unsere Mittagspause und genießten in vollen Zügen die Landschaft um uns herum, machen das obligatorische Foto und lassen uns von Bene wieder im Gipfelbuch verewigen.
Wieder entgegen des Wetterberichts bemerken wir dann dunklere Wolken, die die Sonne verschluckt und beginnen deswegen den Abstieg. Selbiger gestaltet sich auch ohne Regen recht rutschig und zwischendurch haben wir auch kurz Schwierigkeiten den Weg zu finden.
Gemeinsam mit zwei ebenfalls suchenden Wandrerinnen meistern wir aber auch dieses Problem und gehen zur Abwechslung durch matschiges Gelände weiter in Richtung Taubenstein.
Nach dem wir von der Bergstation der Seilbahn aus mit dem Taubenstein in 20 Minuten unseren nächsten Gipfel erklommen haben (Gipfel 4/4), entscheiden wir uns voller Motivation, noch einen letzten Berg zu besteigen. Der Rauhkopf stellt mit seinen 1692 Metern für uns keine Herausforderung mehr dar und ein kleiner Teil der Gruppe beschließt sogar, den letzten Gipfel rennend zu erreichen. (Gipfel 5/4)
Auf dem Gipfel stellen wir (natürlich nach – einem Foto; Bene möchte aber im 21. Jahrhundert ankommen und beharrt auf ein Selfie) fest, dass der kleine Abstecher sogar gut zu unserer Route passt und steigen dann direkt von dort zur Schönfelder Hütte ab, wo wir einkehren.
Gut gestärkt steigen wir das letzte Mal ab, und obwohl wir zunächst fast nicht an Höhe verlieren, erreichen wir zügig den Spitzingsattel. Von dort holen Paul und Viki die Autos, der Rest geht direkt zur Unterkunft.
Jetzt könnte man meinen, unsere Tour wäre hier vorbei gewesen. Nein, noch wartet die Heimfahrt auf uns, die wir den Lesern nicht vorenthalten wollen.
Zunächst werden die Autos gepackt, heute in strikter Geschlechtertrennung. Es werden wieder Live-Standorte ausgetauscht, dann ruft Bene zweimal Viki an („Äääh ich wollte eigentlich meine Mutter anrufen“ und „Lasst mal gemeinsam im Stau stehen ist bestimmt witzig, wir treffen uns nach dem Tanken“).
Nachdem Paul getankt hat und wir alle in Schliersee im Stau standen, finden sich die Autos dann auf der Autobahn aber doch nicht. Zumindest nicht, bis sich der Stau aufgelöst hatte – dann wurde das Auto von Viki plötzlich von Paul überholt, während Bene bei geöffnetem Dachfenster und schallend lauter „Fluch der Karibik“-Musik, gut seinen Hut festhaltend aus dem Dachfenster schaut.
Für Verwirrung sorgt dann kurz vor Regensburg ein Fahrerwechsel der Jungs – plötzlich wird Viki ein zweites Mal an diesem Tag überholt.
Kurz vor neun Uhr erreichen wir dann schließlich die Halle und beenden, nachdem wir unsere restlichen Vorräte verteilt haben, unsere erste gemeinsame tolle Tour. Auf viele neue Abenteuer!

Nachtrag: Rund eine Woche später wurde dann in bester demokratischer Manier durch eine Doodle Umfrage die Suche nach dem Gruppennamen geklärt: Herzlich Willkommen bei der „Aktion Bergfreunde“!

Tourenbericht: Hochtour in den Berner Alpen

08. August – 12. August 2021
JDAV Sektion Amberg

Regen, Schnee, kalt, Hagel, wieder Schnee. Keine guten Aussichten, die fast das ganze Jahr auf Hochtourengeher in der Schweiz warten. Fast trügerisch gut wirkt es, als wir am Sonntag aufbrechen und laut Wetterbericht eine Woche Sonne auf uns warten soll.

Die Vorbereitung und Tourenplanung, die vor allem Niklas oblag, ist einen Tag zuvor beinahe noch gesprengt worden, weil wir feststellen müssen, dass es besser wäre, die Abfahrt von „ca. 09. August“ im Vorfeld auf „08. August“ zu präzisieren – Bene hätte am Sonntag eigentlich arbeiten müssen. Wie durch ein Wunder (und das kaputte Gesundheitssystem), gibt es am Sonntag doch keine Arbeit für ihn und der Abfahrt steht nichts mehr im Wege.
Es ist sechs Uhr in der Früh und wir verlassen gerade Amberg. „Das läuft ja erstaunlich gut“, stellt Niklas fest und wir sind alle putzmunter, trotz des kurzen Schlafs – angetrieben durch die Motivation, heute Nachmittag noch auf die Oberaarjochhütte aufzusteigen. Doch jetzt liegen erstmal sechs lange Stunden im Auto vor uns. Außerdem müssen wir noch David in Ulm am Bahnhof abholen. Der hatte seine Reise schon zwei Stunden vor uns begonnen.
Wir kommen gut voran, zumindest im Vergleich zur Deutschen Bahn, auf die wir ein wenig warten müssen. Doch auch das Warten hat ein Ende und dann heißt es endlich: Nächster Stopp Bodensee, Vignette kaufen. Ein kurzer Schlenker durch Österreich und ab in die Schweiz. In Andermatt müssen wir noch Geld wechseln. Jetzt nur noch über den Furkapass und den Grimselpass wieder hoch. Dort pro Auto 40 Franken für das Parkticket am Oberaarsee in Münzen bereithalten. Wer hat so viel Kleingeld?
Also gut, um 13:15 Uhr haben wir es schließlich zum Parkplatz geschafft. Nach Umziehen und Proviant auf die Rucksäcke verteilen kann es gegen kurz nach zwei endlich losgehen. Der Spaziergang zum hinteren Ende des Sees erweist sich als reichlich unspektakulär und öde. Doch dafür ist das erste, was wir vom Gletscher zu sehen bekommen umso faszinierender. Ein riesiges Gletschertor, dessen Ende irgendwo tief unter dem Oberaargletscher, außerhalb unserer Sichtweite, liegen muss.
Der Gletscher ist aper, und auch wenn es für Bene und Viki das erste Mal auf dem Eis ist, kommen wir sehr gut voran. Mit Beginn der Schneeauflage seilen wir uns an und ziehen die Steigeisen an. Es ist mittlerweile vier Uhr am Nachmittag und wir haben immer noch gut 600 Höhenmeter vor uns. Trotz dem von Wolken bedeckten Himmel ist der Schnee schon weich und der Aufstieg wird immer mühsamer. So traben wir noch zwei Stunden dahin, immer weiter in den Nebel hinein, der mittlerweile das Oberaarjoch samt Oberaarhorn und alles umliegende komplett verschlungen hat. Inzwischen ist es an der Zeit auf der Hütte anzurufen und um ein verspätetes Abendessen zu betteln, was uns glücklicherweise gewährt wird. Dann setzt der Wind ein, wir haben zwar wieder Sicht, aber er ist beißend kalt. Die letzten 200 Höhenmeter müssen wir alle nochmal die Zähne zusammenbeißen, um uns noch bis auf das Joch zu schleppen.
Steigeisen von den Schuhen, notdürftig das ganze Material verstauen und ab zur Hütte. Dort heißt man uns zum Glück gleich mit warmer Suppe Willkommen und wir erfahren, dass wir nicht die einzigen sind, auf die man wartet. Vom Essen nimmt sich jeder so viel er kann, um Kraft für den Nächsten Tag zu haben. Direkt danach geht es in die Betten.
Bilanz des Tages: Ein Bergsteiger mit beinahe erfrorenen Fingern (Handschuhe sind völlig überbewertet), unsere Bergsteigerin am Ende ihrer Kräfte (auch das Abendessen, welches uns doch noch warmgehalten wurde, verließ sie kurz nach der Einnahme wieder) und auch der Rest der Gruppe ausreichend erschöpft.
Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 06:00 Uhr. Ausgeschlafen und voller Tatendrang sitzen wir beim Frühstück, die Erschöpfung vom letzten Abend ist verflogen. Kurz darauf machen wir uns auf den Weg auf das Oberaarhorn.
Die ersten Meter von der Hütte weg sind sehr steil, doch dann windet sich der Weg geschickt durch die Schutthalde dem Gipfel entgegen. Im oberen Teil heißt es nochmal Steigeisen auspacken und gemeinsam am Seil erklimmen wir in Serpentinen den Gipfel.
Bei bestem Wetter haben wir eine wunderbare Aussicht bis ins Wallis, das Matterhorn glitzert zwischen Monte Rosa und Weisshorn hervor. Ein wunderbar weißer Anblick, der deutlich macht wie viel mehr Schnee dieses Jahr in den Bergen liegt. Zu unserer Rechten können wir auch schon einen Blick auf unser großes Ziel, das Finsteraarhorn erhaschen, dessen Ostseite in der Morgensonne leuchtet.

Der Abstieg zurück zur Hütte ist auf dem gleichen Weg, auf dem wir den Berg erklommen haben. Durch den mittlerweile weichen Schnee geht es recht zügig nach unten. Schließlich noch durch das gut markierte Blockgelände, dann stehen wir schon wieder auf der Hüttenterrasse. Doch viel Zeit zum Verschnaufen haben wir hier auch nicht, da noch ein langer Fußmarsch bis zur Finsteraarhornhütte vor uns liegt. Also für jeden zwei Brote mit Käse, die Rucksäcke mit der restlichen Ausrüstung aus der Hütte gepackt und los geht es. Die Leiter hinunter auf das Oberaarjoch und von hier aus der Spur folgend bis hinter den Abbruch des Galmigletschers.
Durch die Nachmittagssonne, die hier voll in die Felswand strahlt, löst sich zu unserer linken ein Auto- großer Felsblock, rollt über den Gletscher und schlägt einige hundert Meter tiefer auf einer Felsplatte auf. Ein wahnsinniges Spektakel! Und durch die Verzögerung des Knalls wird uns nochmal klar, welche Dimensionen die Landschaft hat, von der wir hier umgeben sind.
Wir haben immer noch ein Stück Abstieg und den Gegenanstieg über den Fieschergletscher vor uns. So zieht sich unser Weg weiter durch die weise Landschaft. Unten angekommen ist der Gletscher wieder aper. Hier können wir zwei andere Seilschaften sehen, die für ihren Weg durch die Spaltenzone reichlich vor und zurück laufen müssen. Also entscheiden wir uns zu Beginn einen kleinen Bogen zu laufen, um einen großen Teil des Labyrinths von Spalten zu vermeiden. Der Plan geht auf und wir kommen gut voran. Kurz vor dem zweiten steileren Stück bekommt der Gletscher wieder eine Schneeauflage. Durch das Beobachten der anderen können wir auch hier wieder unseren Weg optimieren und haben sie oben im Spaltengebiet auch fast eingeholt.
Der Schnee bildet aktuell noch stabile Brücken über die Spalten, doch gelegentlich muss man doch mal einen kleinen Sprung machen. Und zack: Viki bohrt sich beim Springen über die allerletzte Spalte die Frontalzacke ihres Steigeisens oberhalb des Schuhs in den Knöchel. Der Schreck ist groß, aber nach einer oberflächlichen Begutachtung entscheiden wir uns, lieber noch schnell zur Hütte zu gehen, um dort weiter zu schauen.
Jetzt hat der Weg allerdings noch etwas ganz Spezielles für uns auf Lager. Das Schmelzwasser kann hier im flachen Gelände nicht gut abfließen und verwandelt so den Schnee in matschiges Softeis. Doch das kann uns jetzt auch nicht mehr aufhalten, da die Hütte schon längst in Sicht ist. Und so kommen wir auf die Spur der Grünhornlücke und sind auch kurz darauf am Gletscherrand.
Um 17 Uhr sind wir schließlich auf der Finsteraarhornhütte angekommen. Wir stellen fest, dass Vikis Knöchel doch deutlich angeschwollen ist & nach einer Erstversorgung durch den mitreisenden Bergdoktor Lueger wird für sie Bettruhe angeordnet. Bis zum Abendessen haben wir alle bisschen Zeit um durchzuschnaufen und alle schauen entspannt dem nächsten Tag entgegen.
Heute bleiben wir lange liegen. Frühstück gibt es für uns um 7 Uhr, da wir uns nichts Vorgenommen haben. Gegen 9 Uhr ist David, Bene und Niklas dann doch langweilig und wir fragen die Hüttenwirtin, ob sie uns einen schönen Gipfel für den Nachmittag empfehlen kann. Auf ihren Rat hin brechen wir auf, um den Wysnollen zu besteigen.
Unser Weg führt uns einmal quer über den Fieschergletscher, vorbei an einigen Spalten, eine Schneeflanke hinauf. Wieder einmal finden wir eine perfekte Spur vor, deren Schöpfer wir im oberen Teil begegnen.
Die letzten paar Meter sind dann nochmal erstaunlich anstrengend, da die Mittagssonne den Schnee hier schon stark aufgeweicht hat. Wir verlieren leicht an Tempo, als Niklas und David bei jedem Schritt knie- bis hüfttief im Schnee versinken, während Bene engelsgleich über die Schneedecke gleitet – der „Schuhgröße zu Körpergewicht – Koeffizient“ ist hier scheinbar einfach besser. Aber irgendwie haben wir dann doch, zwar auf allen vieren und wühlend, aber stolz unser Ziel erreicht. Zur Belohnung gibt es sogar Handyempfang und Gipfelschokolade auf dem Gipfel. Wir machen eine ausgiebige Pause, bevor wir uns wieder in den tiefen Schnee stürzen, um abzusteigen.
Am Rückweg geht es dann wieder vorbei an beeindruckenden Spalten, in die, bis auf kurzzeitig Benes Bein, niemand von uns stürzt. Die frische Abstiegsspur der anderen Seilschaft endet plötzlich vor einem Loch, doch ein Blick in die Tiefe verrät, dass hier niemand liegen geblieben ist. Nach einer guten Stunde stehen wir wieder auf der Hüttenterrasse, wo wir gemeinsam einige Brote essen.
Die Spaltenbergung steht für uns dann auf dem Programm. Gemeinsam mit Quirin, der wieder zu uns stößt, bauen wir T-Anker, installieren Flaschenzüge und ziehen Niklas erfolgreich aus der Spalte, in die er sich wagemutig stürzte. Beim zweiten Mal rettet Niklas sich selbst, da das Abendessen bereits ruft.
Nach dem Essen schauen wir uns noch die Route für den nächsten Tag und den Wetterbericht an und packen unsere Rucksäcke, damit wir in der Früh gleich loslaufen können. Um noch möglichst viel Schlaf zu bekommen, gehen wir alle früh ins Bett, denn wir wollen fit für den 4000er sein.
Das schrille Kreischen des Weckers reißt uns aus dem Schlaf. Obwohl wir wussten, worauf wir uns einlassen, fühlt sich das gerade unglaublich früh an. Das Frühstück macht zum Glück munter. Doch bis alle ihre Schuhe angezogen haben, vergeht doch ein wenig Zeit.
Um fünf Uhr laufen wir endlich los, durch das optimal markierte Felsgelände hinter der Hütte vorbei am alten Hüttenplatz bis zum Beginn des Gletschers, wo wir Steigeisen anziehen und anseilen. Bis hier haben wir bereits 300 Höhenmeter zurückgelegt. Die nächsten 300 gehen fast genauso schnell, und so stehen wir um sieben Uhr in einem leichten Schneesturm am Frühstücksplatz. Das Wetter hat heute leider entgegen der Vorhersage nicht perfekte Gipfelbedingungen für uns in petto.
Für lange 15 Minten stehen alle Seilschaften still und müssen abwarten, bis das Gröbste vorbei ist. Dann als der Schneefall aussetzt, treten einige den Rückzug an, während andere weiter gehen. Von den vielen Stirnlampen, die am Morgen hinter uns zu sehen waren, kommen erstaunlich wenige bis zu uns. Wir schauen allerdings gebannt zum Hugisattel, ob Seilschaften in den Gipfelgrat einsteigen. Nach längerem Zögern wagen es die ersten tatsächlich. Doch das Wetter schaut nur wenig besser aus und die Motivation in unserer Seilschaft ist nach dem langen Warten dahin. So entscheiden wir, den Rückzug anzutreten.

Durch die Änderungen unserer Pläne, überlegen wir gleich heute noch zurück zur Oberaarjochhütte zu gehen, um den Rückweg für Viki zu erleichtern. Tatsächlich gibt es dort gerade ausreichend Platz für uns fünf. So marschieren wir wenig später, bei wieder wunderbarem Wetter, los. Diesmal nicht über den Fieschergletscher, sondern über den Geröllhang Südöstlich der Hütte, um den nassen Schnee und die erste Spaltenzone zu vermeiden.
Zuerst ist der Weg noch klar markiert, doch als die Abstände der Steinmännchen immer größer werden müssen wir uns selbst einen Weg hinunter auf den Gletscher suchen. Was jedoch ebenfalls kein großes Problem darstellt. Unten angekommen seilen wir uns wieder an und schlängeln uns geschickt durch die zweite Spaltenzone.
Der Übergang auf den Galmigletscher läuft problemlos, es steht nur noch ein Anstieg von 550 Höhenmetern zwischen uns und der Oberaarjochhütte. Dieser zieht sich wieder in die Länge. Um 17:30 Uhr haben wir es dann doch alle gemeinsam noch auf die Oberaarjochhütte geschafft. Diesmal pünktlich zum Abendessen.
Für die Übernachtung stellen wir fest, dass wegen der vollen Hütte für uns nur noch das Bergführer-Zimmer frei ist – über ein eigenes Quartier sogar mit Waschbecken beschweren wir uns natürlich auch nicht.
Bei einem wunderbaren Abendessen, einigen intensiven Runden Uno, Gesprächen mit anwesenden Schweizern („Frankenjura? WOLFGANG GÜÜLICH!“) und einem letzten Sonnenuntergang hinter dem Finsteraarhorn lassen wir den Abend ausklingen. Und so ganz nebenbei schmieden David, Bene & Niklas schon wieder Pläne für den nächsten Morgen.
Putzmunter, hellwach und ausgeschlafen Sitzen wir am nächsten Morgen beim Frühstück, mit der Gewissheit, dass dieser der letzte Tag für uns in eben jener zauberhaft schönen Landschaft sein wird, die man die Berner Alpen nennt.
Doch das soll die Stimmung nicht trüben. Direkt nach dem Frühstück marschieren David, Bene & Niklas los, denn wir wollen heute Vormittag noch die Studerhornüberschreitung machen.
Der Weg bis zum Einstig am Westgrat zieht sich durch die weiße Ebene. Doch jetzt kann der Spaß beginnen. Durch leichte Felspassagen über noch morgentlich feste Schneefelder bis hoch zum Gipfel kraxeln wir empor. Die schönste Tour bis jetzt! Und ein Blick nach Osten, wo der Grat weiter geht, verrät sie ist noch nicht vorbei. So stapfen wir durch den weichen Schnee der Osthänge hinab, um in den Anstiegen wieder feinsten Firn vorzufinden. Das geht eine Weile so.
Nach einer weiteren traumhaften Felsstelle stehen wir auf dem Altmann. Von hier aus möchten wir wieder zur Hütte, also weiter den Grat hinab, einmal abgeseilt und nach wenigen Metern stehen wir auf dem Gletscher. Der Rest geht erstaunlich schnell und schon stehen wir auf dem Oberaarjoch.
Nach einer kurzen Stärkung an der Hütte, wo auch Quirin und Viki auf uns warten, treten wir den Finalen abstieg zurück zum Oberaarsee an.

Derselbe Weg, für den wir im Aufstieg so ewig gebracht haben, fliegt jetzt förmlich an uns vorbei und – nach nicht einmal zweieinhalb Stunden haben wir es tatsächlich schon geschafft. Ein letzter Blick zurück auf den Gletscher hinter uns, ein letztes Selfie, und schon ist unsere Hochtour unter besten Wetterbedingungen zu Ende.